Wirsangscheid
Aus dem Magazin

Salzburgerisch-Deutsch: Maßeinheiten

Kennt ihr den Unterschied zwischen am Noagerl und am Lackal?

Salzburger*innen lieben vieles, genaue Maßeinheiten gehören aber nicht dazu. Wie der Local sich artikuliert, wenn er oder sie eine bestimmte Menge von etwas möchte?

A Wengal

Fangen wir mit den Basics an: A wengal ist ein Synonym für a bisserl. Ist jemand a wengal deppat, dann hat es ihm wahrscheinlich a bisserl ins Hirn geschissen. Es kann aber auch a wengal kalt sein, a wengal später werden oder hätte a wengal besser schmecken können.

Ums Oaschlecken

Wer kennt es nicht: Beim Ausparken entkommt man ums Oaschlecken einem Parkschaden – Grund zu feiern. Ums Oaschlecken verpassen aber auch Fußballvereine den Einzug in höhere Ligen, eine grantige Oma den Zug und uneinsichtige Schüler*innen den Vierer. So ein Pech!

A Noagerl

Das Noagerl vom Bier ist die Königsflüssigkeit: Es beschreibt das letzte Lackal des Getränkes, meist mit Schaum bedeckt und eigentlich gar nicht mehr gut. Das Noagerl ist oft ein Streitgrund unter Verheirateten: Trinkt man das Noagerl dem oder der Liebsten weg, ohne zu fragen, hängt der Haussegen schnell schief.

A Lackal

Wer Lackal sagt, muss auch Pfiatigod sagen. Das Pfiatigod-Lackal ist aber im Gegensatz zum Noagerl nicht nur ein Schluck vom Hauptgetränk, sondern beschreibt das letzte Getränk des Abends. Mit dem Pfiatigod-Lackal verabschiedet man sich dann aus einem Lokal und nimmt sich gegebenfalls noch ein Wegbier mit. Für alle Fälle!

A Eizerl

Ein Eizerl mehr verträgt es immer dann, wenn noch Luft nach oben ist. Ist die Suppe nicht schmackhaft genug, hätte sie noch ein Eizerl mehr Salz vertragen.

Füzfü

Während die meisten Salzburger Maßeinheiten kleine Mengen beschreiben, handelt es sich beim füzfü um maßlose Übertreibung. Füzfü Geld, füzfü Zucker im Saft, füzfü Makeup im Gesicht. Füzfzü ist eigentlich immer negativ, weil übertrieben. Und füzfü ist schnell etwas – wo wir Salzburger*innen doch so bescheiden sind.

Broad

Wenn uns das Hochdeutsche zu lehren versucht, dass ein Weg weit ist, verneinen wir mit dem Fakt, dass unsere Wege breit sind. Ein broader Weg ist zum Beispiel, wenn man um halb vier in der Früh vom Bahnhof bis zum Hanuschplatz gehen soll. Sicher nicht!

A Ratscher

Eine Zeiteinheit: Wer jemanden auf einen Ratscher empfängt, hat besser genug Alkohol/Kaffee/Kuchen/Knabberzeug zuhause. Ein Ratscher reicht von einem zehn Minuten Drop-by bis zum fünfstündigen Saufgelage an Wochentagen. Abhängig von der Menge an Information, die man sich zu erzählen hat.

A Lawine

Spontane Shopping-Ausflüge kosten genauso eine Lawine, wie ein Dinner in jedem Restaurant mit Michelin-Sternen. Eine Lawine zahlt man aber gern, das ist schließlich etwas Gutes. Im Gegenteil zu den Lawinen, die ganze Existenzen auslöschen. Wer soll sich da noch auskennen?

A Oasch voi

A Oasch voi Arbeit ist eine ganze Menge an Arbeit. Da kommt man fast nicht mehr raus aus dem Büro. A Oasch voi beschreibt somit eine große Menge an Irgendwas. Woher kommt’s? Da kann man nur mutmaßen, dass es von den großen Ärschen der Salzburger*innen abgeleitet wird. Darauf sind wir stolz!

Futzikloa

Futzikloa ist ein Universalwort. Menschen können futzi sein, aber auch das Hirn von ebendiesen. Futzikloa sind Schuhe von Babies, manche Probleme können als futzi beschrieben werden – bei starker Untertreibung. Nicht zu verwechseln mit dem Fuzl, das zum Beispiel ein Staubkorn beschreibt, das sich in den Haaren eines Menschen verfangen hat.

Muads

Was muads was hermacht, ist gut. Zum Beispiel ein billiges Kleid, das high-end daherkommt. Muads gscheid ist man entweder, wenn man echt gescheit ist oder wenn jemand das genaue Gegenteil vermutet. Wer muads eine Freude gehabt hat, ist glücklich.