Radfahren in Salzburg
Aus dem Magazin

Probleme, die man als Fahrradfahrer*in in Salzburg kennt

Da muss jede*r auf dem Sattel durch.

Salzburg ist das Eldorado der Fahrradfahrer*innen, unter allen österreichischen Bundesländern dominiert es sogar das Ranking: So gut wie jede*r besitzt hier ein Fahrrad, um damit an der Salzach entlang zu Arbeit und Uni zu strampeln. Das hat nicht nur ökologische und monetäre, sondern vor allem pragmatische Gründe. Während nämlich der sitzfleischverwöhnte Audi-Fahrer auf der Ignaz-Harrer-Straße seine Nerven liegen lässt, schlängelt sich die clevere Radlerin flink an den stehenden Blechkisten vorbei Richtung Feierabend.

Man munkelt sogar, dass Radlfahren hierzulande ein Statussymbol geworden ist und dass die HR- Managerin auf hochwertigem Drahtesel dem gemeinen (studentischen) Metallgestell Prestige und Überlegenheit kommunizieren will und kann. In Bobokreisen platziert man s’Popscherl auf Vintage-Rennrädern Baujahr 2018, weil sich das wunderbar zum Herschelrucksack macht. Und auf dem Weg zum wichtigen Meeting retten leitende Angestellte ihre Anzughosen mithilfe eines Snap-Reflektorbands vor der öligen Radkette (jenes Armband, das wir als Kinder gegen den Arm geschlagen und dem wir fasziniert beim Einrollen zugeschaut haben). Und dennoch sind auf dem Fahrradsattel alle gleich, weil wer in Salzburg radelt, muss sich immer mit denselben Problemen herumschlagen. Kennen wir, ihr auch und der Bobo mit dem Herschelrucksack sowieso.

#1 Touristengruppen auf der Staatsbrücke

Normalerweise meidet man als umsichtige*r Fahrer*in touristische Hotspots wie Getreidegasse und Mozartplatz, um mitten in einer Gruppe Gäste aus Ostasien nicht Fahrrad und Orientierung zu verlieren. Leider ist Ausweichen an einigen Stellen unmöglich. Auf der Staatsbrücke etwa, wo Fahrrad- und Fußgängerweg irgendwie fusionieren und koexistieren (sollten). Langsames Reaktionsvermögen hat hier zur Folge, von einem euphorisch geschwenkten Selfiestab erschlagen zu werden oder sich an einer Leine des kleinen Pekinesen Fufu zu strangulieren.

#2 Heimkommen nach dem Feiern

Nach dem drölften Bier im Haferl den Heimweg anzutreten, stellt den benebelten Geist oft vor eine Herausforderung. Regelmäßig fahrende Busse gibt es nachts in Salzburg nicht wirklich und wer schon über den Kontorahmen hinaus in den Rausch hineinfinanziert hat, wird oft beim Taxi knausern wollen. Zu Fuß gehen sorgt vor allem bei Frauen oft zu Recht für Unbehagen. Zudem zeigt sich das niedliche Städtchen besonders in ruhigen Nachtstunden prädestiniert zum Radeln und die kühle Nachtluft würde die ersehnte Klarheit bescheren- denkste. Die Idee wird man spätestens verfluchen, wenn man ohne Licht, dafür mit Alkoholfahne ins Röhrchen blasen muss. Don’t do that.

#3 Das Taxi- und OBus-Racingteam

Für Gewohnheits- Autofahrer*innen können Fahrradfahrer*innen auf der Straße schon mal zur Geduldprobe werden. Da werden Handzeichen vernachlässigt, Zebrastreifen überfahren und rote Ampeln übersehen. Verhält sich hingegen der/die Autofahrende inkorrekt, lebt man als Fahrradfahrer*in im Bewusstsein, im Kampf gegen das Auto den Kürzeren zu ziehen. Wenn Taxis zu nahe vorbeirasen oder Obusse empfindlich schneiden, ist Bangen um körperliche Unversehrtheit angesagt.

#4 Gegenwind an der Salzach

Obgleich der Weg an der Salzach entlang als idyllisch erhofft wird, entpuppt sich der Traum vom entspannten Radeln zur Arbeit als Bluff: Zu jeder Stunde, in jede Richtung, bei jedem Wetter hat der/die tapfere Radfahrer*in am Fluss mit Gegenwind zu kämpfen. Wer clever ist, nutzt deshalb den Windschatten anderer Radler*innen. Aber auch hier gilt: Die Solidarität unter Verkehrsteilnehmer*innen (auch wenn es sich um das gleiche Verkehrsmittel handelt) ist oft gering. Wir haben uns jedenfalls selbst schon mal als Windschatten-Schmarotzer beschimpfen lassen müssen.

#5 Fahrraddiebstahl

Weil Fahrräder in Salzburg der heiße Shit sind, werden sie auch gerne mal geklaut. Dreiste Diebe entkleiden das gute Teil oft bis zum Gehäuse und lassen es verkümmert liegen. Auch die Bremsbacken werden hin und wieder abgeschraubt, was, falls unbemerkt, die Fahrtüchtigkeit maßgeblich beeinträchtigt. Sattel, Lichter, Lenkstange: Die Dreistigkeit kennt keine Grenzen. Weil ein abhandengekommenes Fahrrad aber schon zum fixen Bestandteil der Salzburger Identität geworden ist, und die Salzburger*innen sich durch gemeinsames Sudern über den vermissten Drahtesel miteinander verbunden fühlen, gehört so ein Schicksalsschlag doch irgendwie dazu.

#6 Die Festspiele

Ja, sie sind eh voll wichtig (bla), aber dennoch sind die Festspiele der natürliche Feind jedes Fahrradfahrers. Erstens steigt die Polizeipräsenz in der Altstadt drastisch. Weil Kickls Herren mangels real existierender Bedrohungen aber eigentlich nichts zu tun haben, widmen sie sich gelangweilt der unsinnigen Exekution von Fahrverboten und der Untersuchung von funktionierenden Rücklichtern. Zweitens sorgen die Jedermann-Aufführungen für unkontrollierbare und nicht absehbare Domplatz-Sperren. Jeder kennt das Gefühl, plötzlich vor einer großen Holzwand anzustehen, wo eigentlich die Dombögen sein sollten. Dann heißt es: Umweg. Wir hassen es.


Titelbild: Photo by Tiffany Nutt on Unsplash

Veronika Ellecosta

Veronika Ellecosta ist aus Südtirol ausgewandert, des Studiums und des Auswanderns wegen. Ist in Salzburg angekommen. Hat bei Fräulein Flora Unterschlupf gefunden und begonnen, die Stadt schreibend zu erkunden und damit immer wieder aufs Neue anzukommen.