Mitte September wird das Neutor für mehrere Monate gesperrt.
Der Grund: eine gigantische Baustelle mit dem Namen „Festspielbezirk 2030“. Es wird saniert, repariert, erweitert. Für Autofahrer*innen und Busse bedeutet das: Ende der Durchfahrt, zumindest für ein halbes Jahr und ohne Ausnahme.
Was bei den einen den Riss der sogenannten „Huatschnua“ bewirkt, ist für die anderen Anlass zur Freude.
Roswitha und Bertram sind Teil der Bürger*innen-Initivative „Platz für Salzburg“ und wollen mit ihren Aktionen genau das: mehr Platz für die Salzburger*innen. Jetzt ist es so, dass wir keine Plätze herzaubern können, aber: Im Grunde können wir entscheiden, wofür und von wem bestehende Plätze genutzt werden. Dass nicht immer alles bleiben muss, wie es ist, weiß Roswitha aus eigener Erfahrung: „Mein Vater hatte eine Buchhandlung in der Nähe vom Domplatz und so habe ich die Stadt immer hautnah miterlebt. Auch mit all dem Verkehr, der irgendwann mal war, damals, als es undenkbar war, die Autos aus der Altstadt zu verbannen“. Auch miterlebt hat sie die langsame Entwicklung der Fußgängerzone, den großen Widerstand, auch von den Geschäftsleuten, die gesagt haben, da gehe dann alles ein, das können man nicht machen.
Es ist schwierig, sich vorzustellen, dass Kapitelplatz, Domplatz und Residenzplatz früher mit Autos ganz normal befahrbar waren.
Aber: Was das alles mit dem Neutor zu tun hat? Die Neutor-Sperre mag für manche ungemütlich sein. Gleichzeitig sei sie eine einmalige Chance zur Veränderung von Mobilitätsgewohnheiten, findet Bertram. Und (das sagen jetzt wir) ein weiterer Mosaikstein für die autofreie Stadt Salzburg. Wir erinnern: Im Sommer wurde schon ausprobiert, was passiert, wenn der Rot-Kreuz-Parkplatz zu einer Stadtoase wird (war cool, aber leider viel zu kurz), es wird ein weiterer Bereich der Innenstadt (auch im Feststpielbezirk) verkehrsberuhigt. Dann haben wir noch die Durchfahrtsbeschränkung, die (eigentlich) nur die Einfahrt von Autos mit bestimmten Kennzeichen erlaubt und seit gerade eben die S-Bikes, ein Fahrrad-Verleihsystem für Salzburg. Klingt erstmal ganz gut, oder?
„Mich ärgert die Art und Weise, wie Verkehrsthemen kommuniziert werden“, sagt Bertram.
Kurzfristiger Anlass, warum am 12. September eine Neutor-Schluss-Party angesetzt wird, war die Kommunikation zur aktuell geltenden Sommerregelung in der Stadt Salzburg, durch die nur Autos mit bestimmten Kennzeichen in die Innenstadt fahren dürfen. Der Start der Regelung war geplant mit 1. Juli, im Juni wurde schon eifrig darüber gesprochen – und die offizielle Ankündigung fühlte sich sinngemäß so an: „Leute, das müssen wir jetzt aushalten, das werden wir schafen, wenn alle zusammenrücken, auf Bus und Räder umsteigen, dann entgehen wir diesem Verkehrskollaps.“ Und Bertram dachte sich: „Das macht keinen Spaß.“
Gute Nacht, liebes Neutor.
„Platz für Salzburg“ befürchtet, dass auch die Neutor-Sperre als gemeinsames Problem, das es zu überwinden gilt, angekündigt wird. Und will diese Geschichte anders erzählen.
Und zwar so: Da ist jetzt aufgrund einer Baustelle eine Megachance, diesen Raum extrem aufzuwerten, ein Einstieg zum Ausstieg für den Durchzugsverkehr, eine Chance auf etwas Neues, Posititves. Eine Sperre ist natürlich ungemütlich, weil Veränderung immer anstrengend ist. Aber irgendwann ist es Alltag. „Ich kann mir vorstellen, dass Menschen kreativ genug sind, dass sie sich etwas einfallen lassen, um den besten Weg von A nach B zu nehmen. Sich selbst auch überlegen, wie komme ich zu dem, was mir wichtig ist. Der Mensch ist ein kreatives Wesen, ich traue uns diese Umstellung zu“, ergänzt Roswitha.
Wie sich die Neutorsperre entwickelt, werden wir ab Mitte September beobachten. Vorher verabschiedet „Platz für Salzburg“ das Neutor in den Winterschlaf.
Am 12. September gibt’s eine gemütliche Neutor-Schluss-Party. Ein gemeinsames Verabschieden vom Alten und ein Hoffen auf ein besseres, kreatives Neues. Formal als Demo gehalten, kommen vor Ort verschiedene Organisationen zusammen, es wird mit Anrainer*innen und Betroffenen gesprochen und ein letztes Mal durch das Tor durchgelaufen, bis sich dieses für einige Monate schließt. An alle, die ganz arg Sehnsucht an den Geruch beim Durchfahren haben – mit dem Rad oder zu Fuß geht’s ohne Sperre durch.