Museum der traurigen Geschichten, Part 4
Kultur

Pablo war Spanier

Fräulein Floras "Museum der traurigen Geschichten"

Fräulein Floras Museum der traurigen Geschichten

Um auch traurigen Momenten einen Raum zu geben, eröffnen wir ein „Museum der traurigen Geschichten“. Für einen Monat führt ein Pop-Up-Raum mit Geschichten, Fotos und Artefakten durch Salzburgs Traurigkeit. Dafür brauchen wir eure traurigen Geschichten!

E., 33 Jahre

Als ich in einem Hotel im Ausland gearbeitet habe, traf ich jede Menge Menschen. Darunter auch Pablo. Pablo war Spanier und ab der Sekunde, in der wir uns getroffen haben, in mich verliebt. Das weiß ich, weil man das eben weiß. Ich war nicht wirklich verliebt und überhaupt war es mir damals vollkommen egal. Pablo war der Typ Mensch, der mir ungefragt eine Holztruhe gebaut hat, weil ich einmal gesagt habe, dass ich Holztruhen schön finde. Pablo war auch der Typ Mann, der ohne mit der Wimper zu zucken einen Flug nach New York gebucht hat, um mich dort zu treffen, ein bisschen später, als wir nicht mehr im Hotel gearbeitet haben.

New York war eine schöne Zeit, eine Zeit der Ausschweifung, wir waren jung und uns war alles egal, Geld hatten wir sowieso keines. Deswegen hat mir Pablo aus dem Lego-Store beim Rockefeller-Center zwei Lego-Figuren gestohlen. Die eine war eine Frau, mit roten Haaren. Wir haben sie Molly Ringwald getauft. Die anderer war der Maler, der uns beide an das Land erinnerte, in dem wir uns getroffen haben. Den Maler habe ich immer noch. Nach unserer New York-Zeit blieb ich in den Staaten, er flog zurück. Und versuchte vergeblich aus der Distanz, mein Interesse zu halten. Ich habe Pablo in der Sekunde, in der er in den Flieger stieg, vergessen.

Als wir uns später nochmal getroffen haben, gab er mir einen Brief, den hat er in Blindenschrift verfasst. Er meinte, ich müsse raten, was auf dem Brief stand. Irgendwann habe ich verstanden, dass es sich um einen Heiratsantrag handelt, habe aber so getan, als würde ich es nicht entziffern können. Er hat die Sache dann gut sein lassen. Ich bin wieder dahin zurückgeflogen, wo ich herkam und er ist geblieben. Manchmal schau ich den Maler an und denk an Pablo, der ein wirklich gutes Herz hatte. Ich habe es damals gebrochen und heute habe ich immer ein schlechtes Gewissen deswegen.

Der Maler von Pablo

Wir freuen uns und sind gespannt auf eure Geschichten! Schickt sie uns mit einem Bild von einem Ding, das euch an die Geschichte erinnert an info@fraeuleinflora.at. Bei uns wird auf Wunsch auch alles anonymisiert.

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