Gratis Kunst in Salzburg
Kultur

10 mal Kunst für wenig Geld

Die besten Tipps für große Schöngeister mit kleinen Geldbörsen.

Kunst und Kultur können in der Festspielstadt schon mal das eigene Konto strapazieren. Denkste. Wir haben uns nach alternativen Möglichkeiten umgesehen, in denen man dem Schöngeistigen auf der Sparschiene frönen kann. 

Kunstspaziergang

Moderne Kunst ist ja bekanntlich das, was passiert, während man sich denkt: „Das hätt ich auch hin’bracht“. Wer diesen Satz gerne vertiefen oder endlich überwinden will, der hat in Salzburg mehr als genug Chancen für stundenlange Kunstspaziergänge: Vom Krauthügel über den Mönchsberg bis hinein in die Altstadt findet man dank den Schenkungen der Sammlung Würth fast an jeder Ecke etwas, das durch eine Erklärungstafel eindeutig als Kunst zu identifizieren ist. Wahlweise kann man so herausfinden, was es mit den Essiggurken und den Bleiernen Büchern im Furtwänglerpark auf sich hat, oder warum der Mann auf der Goldenen Kugel eigentlich nur 50% eines Kunstwerks ausmacht. Neben diesem Walk of Modern Art lohnt sich auch ein Nachmittag im Würth-Skulpturengarten gegenüber vom Eisstadion beim Volksgarten.

Billig ins Museum

Auch die Salzburg AG und das Museum der Moderne meinen es gut mit euch und unterstützt euren Hunger auf Kultur mit günstigen Kombitickets: Am “Lazy Sunday Afternoon” gilt für Studis zwischen 14 und 18 Uhr die Kombikarte Berg- und Talfahrt inklusive Eintritt ins Museum der Moderne um sensationelle € 3,70. Macht sich gut als Date oder Allein-Zeit, um sich zwischen Kunst herumzutreiben.

Apropos billig ins Museum: Mit der Salzburg Card spart ihr einmalig ALLE Eintritte in ALLE Museen und Sehenswürdigkeiten. Und könnt mit den Öffis gratis dorthin fahren. Cool, oder?

All that Jazz

Das JazzIt ist die perfekte Jazzbar. Nicht nur wegen einem hochkarätigen Programm mit mehreren Konzerten pro Woche, sondern besonders auch wegen der Sessions: Jeden Dienstag spielt ab 9 Uhr eine Band bei freiem Eintritt, bevor eine Stunde später die Session eröffnet wird. Von da an kann so ziemlich alles passieren, was der Jazz hergibt: Von ausufernden Improvisationen und kollektiver Euphorie bis hin zur tiefsten Melancholie der Balladen-geschwängerten Luft ist eigentlich nur eins sicher: Man wird schon wieder viel zu spät ins Bett kommen. Und als wäre das nicht schon genug, gibt’s im Herbst auch noch das kostenlose „Jazz and the city“-Festival in der Altstadt: An 5 Tagen finden auf rund 50 Bühnen mehr als 100 Konzerte auf hohem Niveau statt. Für einige der Veranstaltungen sollte man allerdings rechtzeitig Zählkarten reservieren.

Festspiele Light

Nein, es gibt leider keine Gratis-Tickets für die Oper. Aber es gibt andere Wege, beim nächsten Familientreffen mit Festspielgeschichten punkten zu können: Erste Anlaufstelle ist der Kapitelplatz. Dort gibt es vor perfekter Kulisse die Opern und Konzerte der letzten Jahre zu hören. Bei den Siemens Festspielnächten werden aber auch aktuelle Produktionen gezeigt, während man es sich mit Spritzer und Dosenbier auf der Picknickdecke gemütlich macht. Dem Wolferl hätte das sicher gefallen.

Für schmale 10 € bekommt man in der Franziskanergasse gleich nebenan Stehkarten für die Jedermann-Aufführungen am Domplatz (nur bei schönem Wetter). Der Verkauf beginnt eine Stunde vor der Veranstaltung, man sollte allerdings etwas eher dort sein, sonst wird es nichts mit den Karten.

Weiter geht’s in die Hofstallgasse, wo man mit dem richtigen Pappschild (kreative Ansätze sind gefragt) und etwas Glück eine Karte zum Bruchteil des Original-Preises abstauben kann. Irgendjemand hat nämlich immer keine Zeit.  Wem das zu riskant erscheint, der kann sich hinter der Pferdeschwemme direkt beim Neutor Karten holen und sich die 20 Prozent Ticket-Gebühr der anderen VVK-Stellen sparen. Ein Blick auf die Preislisten zeigt übrigens, dass viele der Festspiel-Veranstaltungen abseits der „großen“ Spielstätten tatsächlich erschwinglich sind.

Literatur und Lesungen

Der Verein mosaik ist inzwischen zu einer echten Marke der zeitgenössischen Literatur geworden. Regelmäßig sind internationale Autoren zu Gast und mit der KulturKeule, der textMARKierung und dem LiteraturWettbewerb „Wir lesen uns die Münder wund“ kommt eine sehr aktive Salzburger Szene zu Wort. Vieles davon gibt es in der hauseigenen Zeitschrift „mosaik“ gratis und vierteljährlich nachzulesen und auch die Veranstaltungen bieten von freiem Eintritt und freiwilliger Spende große Worte für kleines Budget. Ganz nebenbei betreibt der Verein mit Labor L’art noch ein Netzlabel mit teils kostenlosen Veröffentlichungen, gibt Bücher heraus und lässt sich immer wieder was neues einfallen.

Kirchenmusik

Man kann von der Kirche ja halten was man will. Aber eines muss man ihr lassen: musikalisch haben sie ganz schön auf den Putz gehauen und sich einige der genialsten Komponisten angestellt, die zum Beispiel auch in Salzburg herumliefen. Auch bei der Hardware ließ man sich nicht lumpen und welche moderne Band kommt gegen Chor, Orchester und die Akustik eines riesigen Kirchenbaus an? Von Orgelwerken über Messen bis hin zu den großen Oratorien wird in den gefühlten 84 Kirchen der Salzburger Altstadt so ziemlich alles aufgeführt, was Rang und Namen hat. Das meiste davon im Rahmen von Gottesdiensten (= gratis) oder gegen freiwillige Spende (= sowas ähnliches wie gratis). Einsehbar sind die Termine auf den Webseiten der Kirchen oder als Aushängen an den Portalen. Kleiner Minuspunkt: Viele Sonntagsvormittags-Messen sind leider genau das: Am Sonntag und vormittags.

Gratis ein Instrument lernen

Was viele nicht wissen: Die vielen angehenden Musik- und Gesangs-Pädagogen müssen eine gewissen Anzahl an Übungsstunden während dem Studium nachweisen. Wer also selbst einmal ein Instrument ausprobieren will oder seinem Stimmchen ein paar Gesangsstunden gönnen mag, der kann beim Schwarzen Brett im Mozarteum oder auf Facebook unter den Stichwörtern „Lehrproben – ÖH Mozarteum“ mit etwas Geduld seinen neuen Lehrer finden.

Kulturpass, Salzburg Card & Jahreskarten

Der Kulturpass ist eine Soli-Karte für alle, die unter der Armutsgrenze leben. Studenten können sie beantragen, wenn sie Unterstützung aus dem ÖH-Sozialtopf erhalten und kommen so sehr billig bis gratis in die verschiedensten Veranstaltungen und Museen. Unabhängig davon rentiert sich bei jeder Institution ein Blick auf die Jahreskarten-Preise, die sich teils schon ab dem dritten Besuch lohnen. Wer es lieber geballt mag, der nimmt mit der Salzburg Card einen Tag lang alles mit, was vergünstigt hergeht.

Die Mozarteums-Connection

Mit Musik-Studenten im Freundeskreis hat man quasi schon gewonnen. Sie kennen von jedem Orchester und jedem Theaterensemble mindestens einen Beteiligten und haben somit regelmäßig Zugang zu Gratiskarten oder Generalproben. Letztere sind so etwas wie der Hauptgewinn: Ohne Kleiderzwang und Geld spaziert man zum Beispiel gemütlich am Nachmittag ins Landestheater und gönnt sich bei freier Platzwahl eine Aufführung, für die man am selben Abend seinen Bausparer auflösen hätte müssen. Und wo findet man besagte Studenten, wenn man noch keinen von ihnen kennt? Natürlich auf einer der vielen hauseigenen Mozarteums-Veranstaltungen, die zum Teil kostenlos sind: Unter anderem betreibt die Hochschule mit ihren vielen Studiengängen am Mirabellplatz die hauseigene Galerie „Das Zimmer“, bespielt das Theater im Kunstquartier mit mehreren Gratis-Aufführungen pro Jahr und macht alle Abschlusskonzerte der Absolventen öffentlich und gratis zugänglich.  Ein regelmäßiger Blick in den Veranstaltungskalender lohnt sich definitiv.

Und jetzt: Selber machen!

Zu guter Letzt: Viele großartige Aktionen sind aus Langeweile oder Verdrossenheit über die aktuelle kulturelle Situation entstanden. Unzufriedenheit ist ein großartiger Motor für Kunstaktionen und von der Musik über die bildende bis hin zur Aktionskunst kann man so ziemlich alles lernen, was einem Spaß macht. Am meisten entdeckt man schließlich immer noch, wenn man sich mitten in eine Szene stürzt und selber mitmacht. Also: Nicht jammern, sondern machen!