Aus dem Magazin Mischmasch

[Kommentar] Warum wir normal sein eigentlich ganz gut finden

Ein kleiner Einblick in unsere Firmen-DNA

MÜSSEN WIR?

Vor einiger Zeit haben wir einen Artikel veröffentlich, der sich um unsere Corona-Strategie dreht. Ihr müsst ihn nicht lesen, hier kommt in aller Kürze der Inhalt: Wir versuchen in dieser schwierigen Phase, so gut es geht sparsam durch den Alltag zu kommen, haben den Relaunch des QWANT.Magazins vorerst auf Eis gelegt und arbeiten dafür an neuen Projekten, die erst mal keine hohen Kosten verursachen. Was wir nicht tun: Leute entlassen, Kurzarbeit anmelden und um Unterstützung aus den Hilfsfonds ansuchen. Letzteres hat uns einiges an verwunderten Zuschriften eingebracht.

“Warum nehmt ihr nicht, was euch zusteht, obwohl ihr die Kriterien erfüllt?” Unsere Antwort war immer die gleiche: Weil wir nicht jedes Hilfsangebot in Anspruch nehmen müssen, nur weil wir es rein theoretisch dürfen. Und weil es andere gibt, die es notwendiger brauchen, als wir.  Darunter fallen Menschen, die ihre Unternehmen behördlich schließen mussten und damit ihre Erwerbsgrundlage verloren haben: Künstler*innen, Jogalehrer*innen, Clubbetreiber*innen zum Beispiel. Für sie sollte das Geld in der jetzigen Situation da sein. Oder auch für uns, wenn wir doch noch in die Lage geraten, es wirklich zu brauchen.

Dann haben wir länger über die grundlegende Frage nachgedacht, die hinter diesem konkreten Beispiel steckt. Sie lautet: Muss man wirklich alles nehmen, was einem (rein theoretisch) zusteht, obwohl man es eigentlich gar nicht braucht? Muss man als Unternehmen sein Handeln so optimieren, dass dabei immer das beste Ergebnis für das eigene Bankkonto herausschaut – koste es, was es wolle?

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Seit Jahren treffen wir ganz viele Leute, die uns genau das einreden wollen. “Warum macht ihr ein Printmagazin, das verschlingt ja nur Geld?”, heißt es da oft. Oder: “Warum nehmt ihr Kooperation XY nicht an, ist doch nur Werbung”. “Warum verlangt ihr für euer Staukonzert keinen Einritt, die Leute würden es ja bezahlen?” “Das ist ja nicht normal”, heißt es dann oft. Wir finden: Es ist eben schon normal. Normal, das bedeutet für uns, das zu machen, was wir für richtig halten.

Wir wollten nie selbstständig sein, nie ein fettes Startup gründen, das wir nicht unser Traum. Wir sind Unternehmer*innen geworden, weil es der einzige Weg war, unseren tatsächlichen Traum zu verwirklichen. Der da lautet: schöne Dinge zu machen, in der Stadt, in der wir leben. Um das tun zu dürfen, mussten wir diesen Weg gehen. So einfach ist das. Selbstständig zu sein, ist manchmal cool, manchmal scheiße. Es hat aber einen entscheidenden Vorteil: Wir können unsere Firma so gestalten, wie sie uns gefällt. Ohne die Fehler zu wiederholen, die uns große Unternehmen vorleben oder wie wir sie in früheren Angestelltenverhältnissen erlebt haben.

Dabei gibt es für uns ein paar Grundregeln: So oft wir es schaffen ehrlich sein, nicht auf die eigene Gier hereinfallen, fair sein (auch wenn es oft nicht zum eigenen Reichtum führt), hilfsbereit sein, neugierig und angstfrei bleiben. Weil wir keine Engel sind, gelingt uns das nicht immer. Jeder baut mal Scheiße. Aber wir bemühen uns.

Natürlich sind uns auf unserem Weg Menschen untergekommen, die belächeln, was wir tun – und vor allem, wie wir es tun. “Ihr müsst’s mehr Geld machen” wird da geraten. Oft gefolgt von Tipps, wie wir mehr Geld machen können. Und JA: Geld ist wichtig, vor allem, wenn man ein Unternehmen zu führen hat, das ebendieses verschlingt, wie ein Kettenraucher seine Memphis. Trotzdem gibt es für uns eine Waage, auf der sich Moral und Wirtschaftlichkeit ausbalancieren müssen. Das ist nicht immer ganz einfach, aber meistens hilft eine kleine Merkhilfe: Wenn ihr euch fragt, ob ihr gerade ein Arschloch seid, seid ihr es wahrscheinlich. An dieser Stelle bietet es sich an, auf der Waage einen Milimeter zur Moral zu shiften.

Das alles ist für uns normal. Und wir finden, es sollte für alle normal sein. Unternehmen, die eine Pandemie dazu verwenden, ihren eigenen Gewinn zu maximieren, finden wir nicht normal. Unternehmen, die alles unternehmen, was sie dürfen, nur weil sie es dürfen, finden wir auch nicht normal. Oder um es mit den Worten von MGMT zu sagen: “Enjoy yourself, take only what you need from it.”

Eva Krallinger-Gruber

Eva ist eine richtige Ex-Exil-Salzburgerin. Frankreich, USA, Schweiz - aber nirgends ist es wie zuhause. Journalismus, Marketing (Kosmetik und dann Bier) und eigentlich redet sie auch ganz gern.