In Salzburg hasslieben wir Tourismus.
Das muss so sein, weil als gute Salzburger*innen liegt es in unserer DNA, sich in regelmäßigen Abständen über etwas oder jemanden zu erbosen. Wir haben viele Gäste, die kommen, weil es schön ist bei uns. Die Festspiele sind schön, der Christkindlmarkt ist schön, der Mozart war vielleicht selber gar nicht so schön, aber seine Musik und sein Esprit eher schon. Wir geben viel her, von unserer Stadt und unserem Alltag. Meistens ist es ok, wenn jemand einfach so ein Foto von uns auf der Straße machen möchte oder wenn wir als Wegweiser*innen gebucht werden, oft mehrere Monate im Jahr. Aber wer eine Tour möchte, mit historischen Fakten und Einordnungen und – ganz wichtig – bei dieser Tour nicht zusammengefahren oder beleidigt werden möchte, bucht sich ebensolche bei den Salzburg Guides. Das kostet was, ist ja Arbeit, von der man leben möchte.
Das war bis jetzt klare Sache – in Salzburg führen geprüfte Guides
Mit diesem Wissen sind wir – wie jeden Tag – schlafen gegangen, nur um eines Tages in einer brave new world aufzuwachen. Michael schreibt uns da in einer Mail, dass in Salzburg jetzt die Greeters angekommen sind. Die Greeters, das sind private Personen, Salzburger*innen, die gern in Kontakt mit Gästen kommen möchte. Greeters zeigen ihr Zuhause, ihr Grätzel, kostenlos her, erzählen von ihrem Alltag in Salzburg, tauschen sich mit Gästen über deren Heimat aus, machen aus Gästen Freund*innen, wie der Greeters-Claim auch verspricht. „Wenn wir uns treffen, dann überlegen wir, was wir gemeinsam Sinnvolles tun können, in Salzburg“, erzählt Michael. Das braucht dann auch nicht die Mozart-Tour sein, so eine Tour würden Greeters ohnehin ablehnen. „Wir wollen echte Meets und Greets, persönliche Begegnungen in kleinen Gruppen, maximal sechs Leute“, so Michael.
Seinen ersten Kontakt mit Greeters hatte Michael in Stuttgart.
Dort hat er einen Greeter getroffen und sich dessen Stuttgart zeigen lassen. Nach dieser Begegnung war klar: Was sich die Menschen von anderen Orten merken, sind nicht Jahreszeiten, sondern die persönliche Begegnung mit den Menschen, die dort leben, der Rest sei Kulisse. Und genau diese Begegnungen wollen Greeters in Salzburg für Gäste schaffen.
Die Grundidee der Greeters findet Susanna Ihninger-Lehnfeld, Obfrau vom Salzburg Guide Service „persönlich nicht schlecht“.
Jemandem das eigene Grätzel, in Lehen oder in Itzling zu zeigen, alles kein Problem. Das sei es aber nicht alleine, was die Greeters machen, sogar der Webauftritt zeige touristische Hotspots im Zentrum. In Österreich, sagt Susanna Ihninger-Lehnfeld, ist die Stadtführerei ein reglementiertes Gewerbe, mit Sicherheit strenger als anderswo. Dafür würden die Guides aber sehr profund ausgebildet, würden sich in eineinhalb Jahren viel Wissen aneignen und für die Ausbildung auch mehrere Tausend Euro bezahlen. Guides, sagt Susanna, sind Einzelunternehmer*innen und das Führen eine Arbeit, die bezahlt gehört. Auch schreibt eine andere Stadtführerin in einem Leserbrief an die Salzburger Nachrichten, die Idee des kulturellen Austausches sei ansprechend, die Nische – Kleingruppenführungen und Geheimtipps zu zeigen – decke aber schon seit langem das Angebot der Salzburg Guides ab. Und Susanna Ihninger-Lehnfeld bestätigt: „Wir halten uns an eine Obergrenze von maximal 25 Personen pro Gruppe.“ Oft seien es aber auch viel weniger und Salzburger Guides haben Tourangebote in vielen Nischen.
Greeters als neue Nische in Salzburg
Eine Handvoll Greeters sind das Team in Salzburg, Michael als Destination Manager kümmert sich um eine stimmige Verteilung der Anfragen. Die Chemie zwischen Greeter und Gast muss stimmen, bei einem Greet geht’s darum, auf Augenhöhe miteinander Zeit zu verbringen. Alle Greeters machen ihre Rundgänge aus Freude, weil sie Menschen von woanders kennenlernen und selber Greets in anderen Städten und Ländern machen wollen. „Greets sind Gastfreundschaft in Urform“, meint Michael. Niemand hätte früher darüber nachgedacht, Freund*innen oder Bekannte „abzukassieren“. Und genau dieses Verständnis von Gastfreundschaft will Michael wieder aufleben lassen. Die Führungen von Greeters sind immer kostenlos und basieren nicht – wie z. B. free walking tours – auf freiwilligem Trinkgeld nach einer Führung. Greeters nehmen niemals Trinkgeld. Darin liegt auch die Überlebenschance des Greeters-Konzepts. Wer nichts verdient, dem kann man keine Gewerbsmäßigkeit unterstellen. Oder doch?
Dürfen die das?
Ob Michael gemeinsam mit seinem Team diese Vision umsetzen kann? Wir wissen es nicht. Aus den Rängen der Salzburg Guides haben wir erfahren, dass bereits eine Prüfung der Greeters durch die Wirtschaftskammer anstehe. Welche Art der Prüfung und mögliche Konsequenzen konnten wir leider nicht herausfinden, weil unsere Anfragen unbeantwortet blieben. Wer einen Greet machen will (so heißt das offiziell), fragt online nach und wenn sich ein Greeter findet, mit dem ihr connected und Zeit verbringen wollt, dann steht dem Ganzen nichts im Wege. Übrigens: Wer das Greeters-Konzept interessant findet und mitmachen möchte – auch das geht. Meldet euch bei Michael und heuert als Greeter an.