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Jenisch für Anfänger

Salzburgerisch-Deutsch: Woher die Worte Tschoren, Butten und Quant wirklich kommen.

Wer in Lehen, Taxham oder Liefering aufgewachsen ist, kennt Ausdrücke wie Lobe, Quant, Tschoren oder Butten von Kindesbeinen an. Was dagegen kaum jemand weiß: Die Begriffe entstammen dem Jenischen, einer einst in ganz Europa verbreiteten Sprache, die bis heute so manches Rätsel aufgibt.

So ist weder eindeutig geklärt, wie sich das Jenische entwickelt hat, noch wie viele Sprecher es heute gibt. Lange Zeit interessierte sich die Sprachwissenschaft kaum für die vermeintliche “Gaunersprache”. Schließlich wurde sie vom fahrenden Volk mitgebracht, das seit jeher am Rande der Gesellschaft lebte. Wenn sich überhaupt jemand mit dem Jenischen befasste, dann waren es Polizei und Justiz, die in ihren Verhören versuchten, die Begriffe der vermeintlichen Gauner zu entschlüsseln.

Diese Worte aus dem Jenischen begegnen euch auch in Salzburg

tschoren: stehlen
butten: essen
gare: Penis
Butt’ ma ‘n Gare: Lutsch mir den Schwanz
Lobe: Geld
naschen: gehen
Tschick: Zigaretten
Quant: Schön
kneissen: bemerken
letz: verkehrt
losen: zuhören

Quelle: www.luetzenhardt.de/pdf/DeuJen.PDF

Eine Sprache und ihr Stigma

Dieses Stigma ist dem Jenischen bis heute erhalten geblieben und zeigt, wie schwer sich die europäischen Mehrheitsgesellschaften immer noch mit den fahrenden Bevölkerungsgruppen tun. Wer einmal die Kronenzeitungs-Leserbriefe zum Thema “Bettelmafia” gelesen hat, weiß, was gemeint ist.

Sprachwissenschaftlich gilt das Jenische heute als Untergruppe des Rotwelsch, das als Sammelbegriff für Soziolekte gesellschaftlicher Randgruppen dient. Dabei ist der Begriff Rotwelsch selbst abwertend, bedeutet er doch so viel wie “betrügerische Rede”, “schmutzige” oder “fremdartige Sprache”.

Sucht man im Jenischen selbst nach einem Begriff für die Sprache, findet man den begriff “klug oder “wissend”. Somit ist das Jenische für seine Sprecher schlicht und einfach die Sprache der Eingeweihten.


Dieser Artikel ist zuerst im QWANT.Magazin 09/2019 erschienen. Hol dir jetzt dein Gratis-Abo!


Jenische wissen, wer der Babo ist

Dass die Forschung sich heute vermehrt für das Jenische interessiert, liegt nicht zuletzt daran, dass es über Jugend- und Popkultur wieder in das allgemeine Interesse gerutscht ist. Wenn im Deutschrap Begriffe wie Chabo, Babo und Lobe fallen, dann sind diese aus dem Jenischen, aus dem Manischen oder auch aus dem Romanes entlehnt. Die Grenzen zwischen diesen Sprachen sind fließend, vielleicht auch, weil die Sprachwissenschaft sich bis heute nicht ausreichend bemüht hat, sie zu erforschen.

Das Jenische gehört zu Salzburg

In Salzburg sind im Laufe der Jahrhunderte viele Begriffe aus dem Jenischen in die Alltagssprache übergegangen und vor allem in der Jugendkultur nach wie vor präsent. Das zeigen auch die Texte von Rappern wie Young Krillin, Drexor der Stier oder Crack Ignaz: Sie haben sich vom Jenischen inspirieren lassen und es kunstvoll in ihre Texte verwoben. Sicher ist aber, das Jenische hat seinen Platz in Salzburg und ist bis heute Teil unserer Kultur.

Matthias Gruber

Matthias Gruber ist ein Ur-Salzburger, der auszog, um Italien und Wien zu erobern. Gern ist er wieder zurückgekommen und macht für das Fräulein Flora wunderschöne Fotos der “Nicht-Nur-Mozartstadt”, die von witzigen Texten begleitet werden.