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Interessante Jobs: Und, was machst du so?

Jasmin dreht unter dem Pseudonym Gymbunny Amateurpornos

In dieser Rubrik stellen wir euch Jobs vor, die im Alltag oft unsichtbar bleiben. Los geht es mit Jasmin, die unter dem Pseudonym Gymbunny Amateurpornos dreht und vor der Webcam arbeitet.

Fotos: (c) Gymbunny

Zum Einstieg eine Frage, die du sicher öfter hörst: „Wie bist du zu deinem Job gekommen?“

Ich habe das bei einer Instagramerin gesehen, die ab und zu in ihrer Story berichtet hat, dass sie das beruflich macht. Daraufhin wurde ich neugierig und hab mich selber angemeldet.

Wie unterscheidet sich ein Amateurporno von einem professionellen Porno?

Ein Amateurporno ist eigentlich nur privater Sex, der gefilmt wird, vielleicht mit ein paar Zusätzen. Aber nur zu zweit. Profipornos entstehen oft an einem Set mit mehreren Menschen und einer Art Drehbuch.

Wie kann man sich deinen Arbeitsalltag vorstellen?

Einen wirklichen Arbeitsalltag habe ich nicht. Ich kann frei bestimmen, wann ich was machen möchte. Deswegen gehe ich vor die Webcam, wann ich möchte, und drehe aktuell zwei Filme pro Woche. Aber es gibt nur die Richtlinien, die ich mir selber mache, beziehungsweise, die Ziele.

Haben deine Filme auch eine Handlung?

Meine Filme haben ab und zu schon Handlung. Im normalen Sexleben gibt es ja auch Rollenspiele. Deswegen ist das auch ein Teil davon.

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Das heißt, es sind auch Regisseur*innen und Drehbuchautor* innen beteiligt?

Nein, es gibt nur mich. Ich überlege mir selber, was ich drehe, wann ich drehe, wo ich drehe und mit wem ich drehe. Ich bin selbstständig und meine eigene Chefin.

Wie läuft ein Dreh ab?

Zuerst sammle ich Ideen unter der Woche, dann trifft man sich und bespricht, worauf man Lust hat oder klärt das zuvor. Dann geht es eigentlich schon los. Dann sind das 30 bis 45 Minuten und am Schluss werden sechs bis zehn Minuten zusammengeschnitten. Während des Drehs kommen meistens spontan die besten Ideen.

Ist die Arbeit am Set anstrengend?

Also für Frauen ist es leicht. Für Männer schon mehr Arbeit. Man braucht eine gute Ausdauer und man muss den Höhepunkt gut kontrollieren können. Filmen und gleichzeitig Sex haben – also POV – ist auch nicht so leicht, wenn man sich auf beides konzentrieren muss. Mit etwas Routine ist das aber kein Problem.

Wie wählst du deine Drehpartner aus?

Das Wichtigste ist Sympathie, es muss eine Person sein, mit der ich privat auch Sex hätte. Die Männer lernt man ganz unterschiedlich kennen, entweder privat oder direkt über mein Profil auf der Seite MyDirtyHobby. Ich drehe oft mit den gleichen Personen, man kennt sich und man will ja auch nicht so viele wechselnde Sexpartner haben. Natürlich drehe ich nur mit Männern, die ihren Gesundheitszustand prüfen lassen und lasse mir dies auch zeigen.

Ist das üblich in der Amateurpornoszene?

Also, ich prüfe das. Ob das jede Amateurin prüft, weiß ich nicht.

Lehnst du auch Drehpartner ab?

Ja, das kommt sehr häufig vor. Sehr viele Männer haben daran Interesse. Würde ich mit jedem drehen, wäre ich jetzt wahrscheinlich zwei Jahre beschäftigt, jeden Tag zu drehen.

Bist du mit deiner Community in Kontakt?

Ja, klar! Ich liebe meinen Fankontakt. Egal, ob auf Messen und in Discos, bei Autogrammstunden oder auf Instagram und anderen Plattformen. Sogar beim Einkaufen werde ich angesprochen. Meine Fans sind es, die diesen Beruf so lebendig machen. Ich versuche, täglich alle Nachrichten zu beantworten. Zum Teil bin ich auch Influencerin. Social Media ist bei mir ein fester Bestandteil.

Welchen Vorurteilen begegnest du am häufigsten?

Man kann nur jung damit Geld verdienen. Man hätte einen Manager. Man müsse nach Drehbuch auf einem Set arbeiten. Man müsse sich verstellen und schauspielern. Das Aussehen wäre das wichtigste. Natürlichkeit ist nicht gefragt, nur Barbies. Damit kann man doch kein Geld verdienen.

Immer wieder liest man, Pornografie würde die natürliche Sexualität der Menschen stören. Wie stehst du dazu?

Tatsächlich sehe ich das auch so bei Hardcore Pornos, die man überall im Netz findet. Das hat sehr wenig mit normaler Sexualität zu tun. Davon sind meine Filme aber weit entfernt. Ich denke, da hilft nur Aufklärung bei jungen Menschen.

Du meinst, dass man damit offener umgeht? Mehr darüber spricht, was ok ist und was nicht?

Genau, zum Beispiel. Umso schöner, dass es viele Männer gibt, die im Amateurbereich unterwegs sind.

Was sind deine Pläne für die Zukunft?

Mein Plan für die Zukunft ist meine Bunnyranch. Einen kleinen Hof, ein paar Tiere, das Leben genießen. Ich bin und bleibe Dorfkind.


Dieser Text ist zuerst im QWANT. Magazin (Ausgabe 8/2019) erschienen. Ihr habt noch kein Gratis-Abo? Dann holt euch eines.

Matthias Gruber

Matthias Gruber ist ein Ur-Salzburger, der auszog, um Italien und Wien zu erobern. Gern ist er wieder zurückgekommen und macht für das Fräulein Flora wunderschöne Fotos der “Nicht-Nur-Mozartstadt”, die von witzigen Texten begleitet werden.