Aus dem Magazin

Ich hab einen 3D Sexfilm angesehen*

Und es war geil.

Meine Freundin und ich sitzen also im Gartenbaukino Wien, noch keine Ahnung was uns bei diesem Film erwartet, aber irgendwie allein durch die Erinnerung an den Trailer voll horny. Es geht los, der Kinosaal wird dunkel und dann: Danke! Danke! Für diese pornöse erste Szene.

Sie und Er, ein Bett und jede Menge nackte Haut – ihre Hand auf seinem Penis, seine Hand zwischen ihren Beinen. Aber nicht wie man denken würde, eine Andeutung, eine Szene, die nur erahnen lässt, worum es sich hauptsächlich in „Love“ dreht, sondern volles Programm. Die Szene lässt genug Zeit um ihre langen, nackten Beine und jede Narbe darauf zu erfassen, um seinen trainierten Körper auszuchecken und um dann beinahe zu spüren, wie dir selbst eine Hand zwischen die Beine fasst. (Vielleicht war das aber auch meine Freundin und ich habe in meinem tranceartigem Zustand nicht mehr zwischen real und visuell unterscheiden können).

Er ist verkatert und sein Leben ist, der Stimme seiner Gedanken zufolge, ziemlich scheiße.
Eine zweite Frau kommt ins Spiel: blond, zierlich, schön – sie liegt neben dem selben Mann, wie auch die dunkelhaarige Schönheit in der Szene zuvor. Der Mann, der Frauen scheinbar sehr glücklich machen kann, heißt Murphy und es ist der Morgen nach Neujahr. Er ist verkatert und sein Leben, ist der Stimme seiner Gedanken zufolge ziemlich scheiße.

Was dann beginnt, wird deep, intensive und ordinär – aber Gaspar Noé trägt den Namen des „Skandalregisseurs“ nicht um sonst.

(c) Julia Aichinger

Murphy ist Ami und lebt in Paris (wo auch sonst sollte ein Porno-Liebesfilm spiele). Der Typ sieht zwar meiner Meinung nach gut aus, ist aber eigentlich ein sehr klischeehafter Amerikaner. Das stört aber kaum dabei, sich an ihm aufzugeilen. Er ist auf Drogen, erinnert sich an seine große Liebe Electra und erzählt die Geschichte dieser jungen Liebe in Paris rückwärts.  Murphy will Filme machen und zwar mit „Blut, Schweiß und Tränen, denn das wäre die Essenz des Lebens.“

Aus dem Hauptcharakter spricht also der Regisseur selbst, und was er aus Blut, Schweiß und Tränen macht, macht dich feucht.

Der besser-als-im-echten-Leben dargestellte Sex ist der Hauptgrund sich den Film im Kino anzusehen. Dachte ich zumindest, aber eigentlich ist es viel mehr. Es ist die übertrieben sympathische Authentizität, die diese komplizierte und gleichzeitig ganz gewöhnliche Liebe ausstrahlt. Man sieht sie heulen, man sieht sie lachen, man sieht sie ficken.

Gaspar Noé zeigt was Liebe ist.

Ohne dabei die unschönen Seiten weg zu lassen, weil er kein Hollywood-Regisseur ist, der verzweifelt auf der Suche nach einem „Ach-so-schönen-Happy-Ending“ ist. Man mag seine Filme oder man mag sie nicht. So einfach ist es – man hält die ewig lange Vergewaltigungsszene aus dem Film „Irreversible“ aus. Oder man tut es nicht.

Das Highlight ist eine Großaufnahme von Murphys Schwanz, der dem Publikum tatsächlich einen Cumshot verpasst. In 3D! Also, was gibt es besseres?

Eine Abwechslung für jedes Lesbenpärchen und eine Bereicherung für alle Pornoliebhaber*innen. Wäre meiner Meinung nach in 4D noch besser, dann würde dich nämlich echt noch etwas anspritzen, war so aber auch schön.

Man geht also nach 135 Minuten aus dem Kino und ist so so unglaublich scharf, dass man ganz schnell nachhause will, um es sich dann !ordentlich!, !hart! und !liebend! zu besorgen. Ein Pärchen in den Reihen vor uns hat sich schon während dem Film aus dem Kinosaal geschlichen, ich bezweifle, dass ihnen der Film nicht gefallen hat. lol.

Julia Aichinger

Julia ist nach Salzburg gekommen, um wieder wegzugehen. Momentan hat sie sich nach Wien verzogen, um über die Liebe zu lernen und Kunst zu machen. Super Kombi.