Kunst im Kopf! Und ein Fünfziger an der Tür …
„Fühlt’s euch wie zuhause“ – das war der erste Satz, den die Martha zu uns gesagt hat. Haben wir wortwörtlich genommen und uns gleich ein gemütliches Platzerl in ihrer Wohn-Schlaf-Küche geschnappt. Die gelernte Bildhauerin und Wahl-Salzburgerin l(i)ebt Vielfältigkeit. Nicht nur in ihren eigenen vier Wänden, auch in beruflicher Hinsicht. Sie ist Künstlerin, Mitglied des Kunstkollektivs Extasier, betreibt ihre eigene Siebdruckwerkstatt und vor nicht allzu langer Zeit, da hatte sie ihre erste Solo-Ausstellung als Teil eines größeren künstlerischen Forschungsprojekts. Ja, und dann wär da ja auch noch ihr Doktorat in Bildungstheorie am Mozarteum, das sie aktuell macht, um Kunst und Forschung miteinander zu verbinden.
Wir sitzen also. Und stellen fest: Egal, wo wir hinschauen – an jeder Wand und an jeder Tür hängt oder pickt irgendwas Originelles.
Neben dem Esstisch beispielsweise ein wirklich ungewöhnlicher Wandkalender: Ein simpler weißer Zettel mit ein paar nicht ganz geraden Linien drauf, die den Monat Oktober in seine Tage unterteilen. Der hat Charme! Und auch der an der Küchentür klebende Fünfzig-Euro-Schein hat nach nur wenigen Sekunden unser Interesse geweckt. „Den hab ich bei einer Wette gewonnen“, erzählt uns Martha mit einem Grinsen im Gesicht. Und, dass sie schon eine Idee hat, bei welcher Wette sie ihn als Wetteinsatz verwenden wird (Props an dieser Stelle! Wir hätten den nämlich wahrscheinlich schon längst ausgegeben).
Immer griffbereit: Der klebende Fünfziger. Wissen tut man's ja schließlich nie …
Dreimal täglich Dommusik inklusive
Seit dreieinhalb Jahren wohnt Martha jetzt hier, mitten in der Stadt. Und bei mitten in der Stadt meinen wir auch genau das. Denn: Die 38-Quadratmeter-Wohnung ist grad einmal fünf Gehminuten vom Domplatz entfernt. Sie liegt im obersten Stock eines Mehrparteienhauses aus dem 15. Jahrhundert. Kosten tut sie um die 700 Euro pro Monat – warm, mit Internet. Im Preis inkludiert: Das weltbekannte Salzburger Glockenspiel, das dreimal täglich in unterschiedlicher Melodie in Marthas Wohnung tönt.
„Schau mal, die Fensterbretter mit dem Untersberger Marmor!“
Dort, direkt am Fenster, sitzt sie am liebsten. Um zu entspannen, die Gedanken zu sortieren. Und zu schauen, was da unten auf der Straße so los ist. „Für mich ist das voll angenehm, dass ich irgendwie so mittendrin im Geschehen und doch in meiner eigenen kleinen Kapsel bin“, sagt sie.
Neben dem kostbaren Marmor gibt’s aber noch eine weitere Besonderheit. Hier in der Küche steht nämlich ein Bett. Und natürlich wollen wir wissen, warum es das tut. „Ich fühl mich nur dann in einer Wohnung wirklich wohl, wenn ich weiß, dass ich den Platz und die Möglichkeiten hab, Gäste zu mir einzuladen. Ich bin nämlich voll gern Gastgeberin“, sagt sie begeistert. „Und wenn’s mal ein bissl später wird, oder wenn meine Family zu Besuch kommt, dann ist es voll praktisch, wenn meine Gäste gleich hier übernachten können – trotz dem wenigen Platz, den ich hab“. Finden wir cool. Und umsichtig! Besagtes Bett ist übrigens das einzige Möbelstück, das die 34-Jährige neu gekauft hat. Alles andere hat sie aus der WABE. Aja, dort arbeitet sie auch noch ein paar Stunden die Woche …
"… und natürlich meldet sich, ganz Altbau-like, auch regelmäßig die uralte, laut summende Badezimmerlüftung."
Was wir außerdem von Martha wissen wollen, ist, ob ihre Wohnung irgendwelche speziellen Geräusche macht. Und Tatsache, die macht sie. Neben dem dumpfen Beat, der regelmäßig aus der Wohnung von unten zu ihr nach oben in die Wohnküche dröhnt – ihre Nachbar:innen hören oft, gern und manchmal auch sehr laut Musik –, gibt’s da noch so eine Art Metallschlag, der wohl von einem Handy-Masten irgendwo am Dach kommt. „Und natürlich meldet sich, ganz Altbau-like, auch regelmäßig die uralte, laut summende Badezimmer-Lüftung“, erzählt sie.
Zwischen Kunstliebe, Kunstwerken und Kunststücken
Dass Martha Künstlerin ist, sieht und spürt man, sobald man bei der Tür reinkommt. Weil’s ungewöhnlich ist – in so vielerlei Hinsicht. Neben lustigen Skizzen an den Wänden und festgeklebten Geldscheinen finden sich hier auch einige coole Ausstellungsplakate, selbstgegossene Bronzefiguren (die sind richtig, richtig schön!), zum Schreibtisch-Organizer umfunktionierte Obstkisterl, Mindmaps an der Wand, weil sie mit der Methode am effizientesten lernen kann, Bettwäsche mit lustigen Motiven drauf – und: Ein Dinosaurier unter dem Badezimmer-Waschbecken.
Arbeiten zwischen Obstkisterl, Mindmapping & City-Blick
Wenn man Vintage gegen Vintage tauscht, werden aus alten Schätze neue.
Etwas, das sie in ihrem Zuhause gerne verändern würde, ist der Kasten in ihrem Schlafzimmer.
Der soll mal ein fancy Metallregal werden. „Dafür hab ich schon vor einer kleinen Ewigkeit Material gekauft. Aber momentan ist das eher ein liegendes Projekt“, schmunzelt sie. Und: Der Esstisch in der Küche gefällt ihr nicht mehr so gut. Für ihre Möbeltausch-Aktionen hat Martha aber eine echt tolle und nachhaltige Lösung: Sie bringt nämlich alles, was ihr nicht mehr taugt oder reinpasst, zurück zur WABE und schaut, ob sie dort ein neues altes Schätzchen findet. So bleibt alles im Umlauf und nix wird verschwendet!
Wir wollen außerdem wissen, welchen Gegenstand sie sich sofort schnappen würde, wenn sie auf der Stelle ihre Wohnung verlassen müsste.
„Ich glaub, das wären meine Fotoalben“, sagt sie. Für diese selbstgemachten Alben setzt sie sich jedes Jahr hin, um sich das, was sich in ihrem Leben getan hat, in Form von Bildern anzuschauen. Das gibt ihr Halt und ein Gefühl von Stabilität.
Und weil wir sie ja wirklich alle kennen – diese Ecken, Laden und Zimmer, in denen immer Chaos herrscht –, haben wir Martha gefragt, ob’s sowas auch bei ihr gibt. Wir sind ein bissi erleichtert, weil: Die gibt’s. Wie zum Beispiel das Chaos-Kastl in ihrer Küche, in dem sich von Kosmetik bis hin zu Übernachtungs-Überbleibseln alles Mögliche zusammengesammelt hat.
Wie war’s für die Magdi?
Für mich war das ein wirklich schönes Treffen! Irgendwie so wohltuend. Weil die Martha ein so unglaublich herzlicher Mensch ist. So wertschätzend für alles, was sie hat! Ihr Zuhause, das ist ein Ort, der mir eine Sache verdeutlicht hat: Und zwar, dass man sich bei allem im Leben das Staunen bewahren – und den Fokus viel, viel öfter auf das legen sollte, was man direkt vor der eigenen Nase hat. Alltäglichkeiten. Für mich war dieser Homestory-Besuch ein schöner und wichtiger Reminder auf das zu schauen, was ich in meinem Leben hab. Und nicht auf das, was ich alles NICHT hab!
Hier steht, lehnt, pickt oder hängt jedes einzelne Stück genau dort, wo es sein soll. Für mich hat sich’s ein bissi so angefühlt, als wär ich für zwei Stunden in ein buntes Abenteuerland abgetaucht – eines, in dem sich in jeder Ecke irgendein anderes Unikat versteckt. Darum ist es mir diesmal auch echt schwergefallen, mir mein ganz persänliches Lieblingsstückerl rauszupicken. Den Dino im Bad feiere ich! Noch ein bissi mehr gecatched hat mich aber das Toastbrot aus Gips, das ein bissi vesteckt in der Küche lehnt. So simpel! Und doch so außergewöhnlich. Sowas lieb ich immer sehr!
Es gibt da aber eine Sache, die ich ein bissi bereu …
Dass ich den Kakao ausgeschlagen hab, den mir die Martha angeboten hätt. Sie hat mir nämlich verraten, dass sie Kakao liebt! Und den auch immer ganz speziell zubereitet. Unter anderem mit Zimt. Vielleicht muss ich also irgendwann doch nochmal auf einen Sprung bei ihr vorbeischauen. Vorausgesetzt, das Kakao-Angebot steht noch!
Die Magdi schaut auch gern bei euch daheim vorbei
Wohnen ist was Schönes! Weil’s viel über den Charakter und das Leben eines Menschen aussagt – den Weg, den jemand gegangen ist. Jedes Stück erzählt (s)eine Geschichte. Und darum klopft die Magdi auch so gern an fremde Türen. Weil auch sie sich jedes Mal ganz viel von ihren Homestory-Abenteuern mitnehmen darf. Nicht nur Inspiration, sondern auch Schönes fürs Herz!