Wenn der (Nach-)Name Programm ist …
„Salzburg war echt nicht geplant! Eigentlich wollte ich nach meiner Zeit in Berlin eher in die Niederlande gehen“, erzählt uns Elisabeth. Aber: Letztendlich hat sie die Musik hierhergeführt. Genauer gesagt zu Dorothee Oberlinger, Blockflöten– und Universitätsprofessorin am Mozarteum in Salzburg. Bei und von ihr wollte die Musikerin unbedingt lernen. Mit dem Studium kam dann auch die Liebe. Und so ist aus einem vorübergehenden Wohnort mehr und mehr ein Zuhause geworden. Ihr „kleines Nest“, wie sie’s selbst nennt.
Wir fragen die 36-Jährige, was für sie dieses Zuhause-Gefühl ausmacht. Und bekommen als Antwort: Ihre Küche. Und das dazugehörige Gewürzregal. „Ich hab aus mehreren Gründen meinen Nachnamen behalten. Zum einen aus purer Überzeugung. Zum anderen aber auch, weil’s inhaltlich so viel Sinn macht. Ich koch nämlich super gern! Mag’s, meine Freundinnen und Freunde zu bewirten“. Besonders stolz ist sie auf das selbstgebaute Gewürzregal.
Eine ihrer größten Inspirationen fürs Kochen: Der in Israel geborene und in London lebende Koch, Gastronom und Food-Autor Yotam Ottolenghi.
„Was ich an seiner Art des Kochens so mag, ist, dass er so viele special Gewürze verwendet. Darum hab ich mittlerweile auch vier verschiedene Chili-Gewürze und drei Sorten Knoblauch“, schwärmt sie.
Dass sich Elisabeth leidenschaftlich gern in ihrer Küche aufhält und ihre Zeit mit Kochen verbringt, liegt vor allem an ihrem Papa – weil der auch immer viel gekocht hat. Und an dessen Eltern, die oft und viel gereist und immer mit exotischen Gewürzen nachhause gekommen sind.
Oh yes! Gewürzkastl ist gleich: Geordnetes Kuddelmuddel.
Einen Geruch, den sie mit Zuhause verbindet, hat die Zweifach-Mama auch. Beziehungsweise zwei: Zum einen liebt sie Stall- und Bauernhofgeruch. Weil nämlich beides Heimatgefühle in ihr auslöst. Sie an ihre Kindheit in Bayern erinnert. „Ich mag’s einfach, wenn’s so ein bissl odlt“, sagt sie lachend. Übersetzt bedeutet das: Wenn’s ganz dezent nach Jauche riecht. Und dann gibt’s da noch den Berliner-U-Bahn-Duft, der’s ihr angetan hat. Ein ganz spezieller Geruch, mit dem für sie immer auch eine Prise Aufregung mitschwingt.
Eine extralange Dauerleihgabe
Dorothee Oberlinger hat Elisabeths Leben aber nicht nur in beruflicher Hinsicht geprägt. Auch die „Tafel“, also der gefühlt kilometerlange Esstisch, an dem wir sitzen, hat mit der Flötistin zu tun. Der gehört nämlich ihr – und ist eine Art Dauerleihgabe. Und definitiv ein Möbelstück, für das man genug Platz braucht. „Wir haben zum Glück, nachdem wir aus unserer Stadtwohnung ausgezogen sind, ganz zufällig über zwei, drei Kontakte diese Wohnung gefunden – und waren so happy, weil hier eben auch der nötige Platz für unsere Tafel ist“, erzählt uns die Wahl-Salzburgerin.
Zu dem Tisch gesellen sich ein paar bunte Sessel, die zum Teil ebenfalls von Dorothee sind. Genauer gesagt sind‘s die roten Kunststoffsessel, von denen Elisabeth und ihr Mann lange Zeit geglaubt haben, das wären irgendwelche alten Ikea-Stühle. Sind sie aber nicht! Vielmehr handelt es sich dabei um echte Designerstücke, die der Architekt und Industriedesigner Carlo Bartoli in den 1970er-Jahren für die Marke Kartell designt hat.
Das Thema Sessel führt uns zu Elisabeths Lieblingsplatz – und Lieblingsmöbelstück. Dem Sekretär von ihrer Mama. Eingerichtet in einer Ecke, die sie sich quasi zum zweiten Kind gewünscht hat. Damit sie einen Platz hat, wo sie arbeiten, nachdenken, ihre Gedanken und Ideen sortieren und als Künstlerin kreativ sein kann.
Zwischen Beamer, Kabuff & Kinderspielzeug
Neben dem Sekretär sticht uns ein großes rotes Etwas ins Auge. Ein Gegenstand, von dem wir denken, es könnte sowas wie eine abgespacte Retro-Lüftung oder irgendein fancy Projektor sein. Oder etwas, das man zum Musizieren halt so braucht. Dass es sich dabei allerdings nur um simple Beamer-Boxen handelt, auf die Idee wären wir nicht gekommen. „Das ist ein Projekt meines Mannes“, sagt Elisabeth schmunzelnd. „Etwas, das wir uns letztes Jahr zu Weihnachten gewünscht haben – weil wir einfach gefunden haben, dass man in einem Musikerhaushalt gscheit Musik hören können sollte“. Auf der dazugehörigen Leinwand schauen sie sich am liebsten Naturdokus an. Oder irgendwelche Serien, die sehr visuell sind, wie House of Dragon.
Und dann erspähen unsere Augen da noch etwas. Etwas echt Ungewöhnliches. In dem gut befüllten Buchregal vis-à-vis, Elisabeth und ihr Mann lesen beide gern, ist eine Tür. Und natürlich wollen wir sofort wissen, warum die da ist! „Nach der Geburt von unserem ersten Sohn ist uns bewusst geworden, dass wir nicht mehr Tag und Nacht üben können. Und weil wir hier keinen Keller haben, haben wir uns diese Übekabine gebaut, die sich übrigens auch für den einen oder anderen Schreianfall eignet“, erzählt uns Elisabeth. Finden wir cool! Und ist etwas, das wahrscheinlich in vielen Haushalten kein Fehler wär. Aktuell wird die Kabine, auch „Kabuff“ genannt, allerdings mehr als Stauraum für Kinderspielzeug genützt.
Zum Schluss wollen wir noch von Elisabeth wissen, wie ein „perfekter“ Zuhause-Moment für sie ausschaut. Sie erzählt uns, dass sie sich immer schon beim Musizieren so zuhause gefühlt hat. Weil das für sie ein Ventil ist, bei dem sie sich wortlos ausdrücken und Dinge loswerden kann, die sie belasten.
Es gab und gibt da aber auch diese kleinen Alltagsmomente, die auf den ersten Blick total banal wirken, innerlich aber ganz viel mir ihr machen. So wie damals, als ihr älterer Sohn so ungefähr ein Jahr alt war und in der Wohnküche herumgekrabbelt ist. Für sie war das ein wichtiger Aha-Moment, in dem sie – auf ihrem Platzerl an der „Tafel“ sitzend – begriffen hat: „Hey, für den erfülle ich gerade einen ganz wichtigen Sinn. Weil ich einfach nur da bin. Hier sitze, existiere, atme“. Ein Moment, der ihr gezeigt hat, dass einfach nur hier zu sein – in dieser Situation, zuhause auf dem Küchentisch –, absolut genug ist. Und vollkommen!
Und wie war's dieses Mal für die Magdi?
Für mich ist das Zuhause von der Elisabeth so eine Wohnung, in die man reinkommt und sich denkt „Boah, was ist das? Und das? Und das?“ Man will automatisch auf Erkundungstour gehen – und sowas lieb ich! Weil das für mich so ein bissl vergleichbar mit Leut-Schauen ist. Spannend war für mich, dass das, glaub ich, die erste Wohnung ist, in der ich war, wo‘s keine einzige Pflanze gibt. Warum das so ist, hat mir die Elisabeth dann aber auch erklärt: weil Pflanzen – und auch Haustiere – für Musiker:innen ganz einfach keine Option sind. Weil man so viel unterwegs ist und dieser Verantwortung nie und nimmer gerecht werden kann.
Mein Lieblingsteil – ich glaub, das ist jetzt keine große Überraschung –, ist auf jeden Fall die „Tafel“. Das ist einfach ein Unikat und ein absoluter Eyecatcher! Vor allem in Kombination mit den zusammengewürfelten Sesseln.
Was ich außerdem echt, echt cool find: Elisabeth lebt Feminismus. Aus Überzeugung. Und auf eine, wie ich finde, sehr inspirierende und wichtige Art. Sie gibt Menschen in Gesprächen die nötigen Impulse, um das Thema Feminismus für sich selbst zu analysieren. Im Alltag. Der eigenen Beziehung. Dem Job, den man ausübt. Ich glaub, dass Menschen so eine Thematik erst dann wirklich verstehen, wenn sie sehen, auf welche Weise sie sie im persönlichen Kontext betrifft. Und bin davon überzeugt, dass man so, wie sie an die Sache herangeht, deutlich mehr Menschen für dieses wichtige Thema sensibilisieren kann – insbesondere die, die sich manchmal vielleicht auch aus Prinzip dagegen wehren.