Die Geisterstadt bei Fürstenbrunn besuchen

Heute wird es ein bisserl gruselig und ein bisserl abenteuerlich. Die „Geisterstadt“ bei Fürstenbrunn lässt sich leicht am Feierabend erkunden und bietet spannende Einblicke in die Geschichte der Erzeugung des Untersberger Marmors. Ein Relikt vergangener Industriekultur mit besonderem Flair.

Der Untersberg ist ja für allerhand Mystisches und Gruseliges bekannt. Und so liegt ganz in der Nähe der Höhle, die der Sage nach das Ohr des Kaisers Karl ist, die so genannte „Geisterstadt“. Ok, die größte Enttäuschung gleich vorweg: Salzburg ist nicht Arizona und darum wartet im Bergwald oberhalb von Fürstenbrunn weder ein verlassener Saloon, noch das verfallene County Jail auf abenteuerlustige Ausflügler*innen.

Vielmehr handelt es sich bei unserer Geisterstadt um ein altes Steinbruchgelände, auf dem bis in die 60er Jahre Marmor verarbeitet und abgefertigt wurde. Wer jedoch wie wir den Charme aufgelassener Infrastruktur liebt und der Natur gern zusieht, wie sie sich Bereiche zurückerobert, wird mit Sicherheit einen spannenden Nachmittag vor den Toren der Stadt verbringen.

Wanderung in eine vergessene Welt

Der Ausgangspunkt für unseren kleinen Ausflug in die Welt des Marmorabbaus vergangener Tage ist die Buskehre in Fürstenbrunn. Wir folgen der Straße bis zum Untersbergmuseum und folgen ab dort dort dem Forstweg bergauf, vorbei an einem alten Steyr-Traktor. Ein paar hundert Meter weiter befindet sich ein Futterplatz für Rotwild. Falls dieser abgesperrt ist, könnt ihr einfach über den Pfad im Wald abkürzen und gelangt weiter oben wieder zur Forststraße. Bald zweigt diese links ab und ihr folgt geradeaus einem schmaleren Weg. Auf diesem erreicht ihr nach ein paar hundert Metern das Fürstenbrunner Wasserschloss.

Aus der spektakulären Quellfassung aus dem 19. Jahrhundert wird heute der Westen der Stadt Salzburg mit Trinkwasser versorgt. Ganz in der Nähe – etwas versteckt – befindet sich auch das eingangs erwähnte „Karlsohr“. Eine 20 Meter tiefe Schachthöhle, die man früher für Orakelzwecke genutzt haben soll. Ab hier geht es über einen schmalen Pfad durch den Wald weiter. Nach wenigen Minuten erreicht ihr die Grasslhöhle, der von Esoterikern allerlei übernatürliche Kräfte zugeschrieben werden. Ob man dran glaubt oder nicht, ist jedem selbst überlassen, der Ort hat auf jeden Fall einen ganz besonderen Charme.

Ihr folgt weiter dem schmalen Pfad. Nach weiteren 15 Minuten endlich erreicht ihr auf einem kleinen Plateau, das von großflächigen Schliffen eingerahmt ist, das Ziel unserer Wanderung. Hier, im sogenannten „Mayrbruch“ befand sich bis vor ca. 60 Jahren die Verarbeitung und Abfertigung für Marmorblöcke aus den Steinbrüchen in der Umgebung. Mit einer kleinen Bahnlinie, die die einzelnen Brüche miteinander verband wurde der Marmor über die westlich gelegene „Teufelsschlucht“ hierher transportiert, gesägt und dann mit der Standseilbahn hinab nach Fürstenbrunn befördert, von wo aus sie teils bis in die USA exportiert wurden.

Teufelsschlucht und Hängebrücke: Ein Hauch Wilder Westen

In der „Geisterstadt“ befanden sich neben Betriebsgebäuden für die Bahnen eine Marmorsäge, sowie Aufenthalts- und Wohngebäude für die Arbeiter. Die alten Werksgebäude sind mittlerweile weitgehend eingestürzt, die Gleise gibt es allerdings noch. Sie führen in die Teufelsschlucht, wo ein Eisengitter den Weiterweg versperrt. Man hätte zwar die Möglichkeit, die Schlucht auf den Resten einer abenteuerlichen Hängebrücke zu überqueren; was jedoch vermutlich bereits im intakten Zustand eher den Schwindelfreien und Lebensmüden vorbehalten war. Bitte tut es einfach nicht!

Im hinteren Teil des Mayerbruches laden die flachen Felsbänke dazu ein, laue Sommernächte hier zu verbringen und die mit mehr oder weniger fantasievollen Grafitties zugebombten Felsen zeugen von lebendiger Jugendkultur. Unweigerlich stellt man sich vor, wie die erwähnte Hängebrücke in Verbindung mit der lauen Sommernacht und einer Portion jugendlichen Leichtsinns nach ein paar Bier zu fragwürdigen Mutproben verleiten könnte.

Von hier geht es auf Schienenresten ins Tal zurück. Es handelt sich um die Trasse einer ehemaligen Betriebsbahn, mit der Marmor aus den höher liegenden Brüchen ins Tal befördert wurde. Er führt vorbei an einem tosenden Wasserfall, in dessen Gumpen man im Sommer durchaus ein erfrischendes Bad nehmen kann. Unten angekommen markiert ein großer, freistehender Felsen das Ende der Wanderung. Und auch hier lohnt es sich, noch einmal die Beine im Bach abzukühlen.

Wer gerne mehr über den Marmorabbau sowie über geschichtliches und sagenhaftes um den Untersberg erfahren möchte dem sei das kleine, aber durchaus sehenswerte Untersbergmuseum beim Ausgangspunkt empfohlen. Alle, die jetzt jedoch genug von Tagebautechnik und Esoterik haben, erholen sich am besten bei einem kühlen Bier im nahen Gasthof Fürstenbrunn oder im Cafe Kuglmühl.

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