Frechdachs: Bildschirmfreie Nachmittage in Salzburg – wo geht das?

Digital Detox: mit Kind, ohne Drama

Wir scrollen, wir swipen, wir klicken. Mal aus Neugier, mal aus Langeweile, mal weil das Kind beim Heimfahren am Abend nicht einschlafen soll. Digitale Medien gehören längst zum Familienalltag, und zwar rund um die Uhr: beim Frühstück, im Auto, als Motivation zum Zähneputzen. Manchmal ist es überhaupt ChatGPT, das eine Geschichte fürs Kind erfindet und anschließend vorliest. Das ist per se weder tragisch noch fantastisch, es ist einfach die Realität. Und gerade als Eltern gerät man sehr schnell unter Druck: Wie viel Bildschirm ist eigentlich gut für unsere Kinder? Und wie gehen wir selbst mit dem Thema um?

Wir erinnern uns:

Vor einigen Woche sind wir in unserem Podcast „SALZBURG – WAS GEHT?“ der Frage nachgegangen, ob im Spielzeugmuseum Handys für Eltern verboten werden sollen. Der Grund: Eine Studie der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität Salzburg hat untersucht, wie sich Handynutzung von Müttern auf die Stresslevel ihrer sehr jungen Kinder auswirken. Spoiler: Handynutzung der Mutter stresst die Kinder extrem. Auch in anderen Forschungen beschäftigt man sich inzwischen mit diesen Fragen. Unter dem Stichwort „Digital Wellbeing“ geht es darum, wie digitale Technologien unser persönliches Lebensgefühl und damit auch unser Familienleben beeinflussen.

Natürlich hätten wir jetzt gern draufgehaut und Handys an sich verteufelt, gern auch direkt verboten. Das Spannende an den unterschiedlichen Forschungsergebnissen ist aber: Die Studienlage ist alles andere als eindeutig. Manche Studien zeigen, dass eine digitale Auszeit Stress senken kann, aber nur bei bestimmten Gruppen. Andere wiederum betonen die positiven Effekte digitaler Medien – auch wieder nur unter bestimmten Umständen. Und dann gibt es auch noch Hinweise darauf, dass positive und negative Effekte gleichzeitig auftreten können.

Kurz gesagt: Es ist kompliziert.

Und vor allem für Eltern ist die Situation oft ein Drahtseilakt zwischen schlechtem Gewissen, weil das Kind „schon wieder was schaut“, und der Realität, dass man selbst gerade einfach keine Hand frei, der Dauerregen stört oder einfach keine Nerven mehr vorhanden sind, um etwas anderes anzubieten.

Für Eltern bedeutet das: Es gibt nicht die eine Lösung; jede Familie funktioniert anders. Aber es lohnt sich, die eigenen Gewohnheiten gemeinsam mit dem Kind zu hinterfragen. Was tut uns gut und was nicht? Wann geht’s noch, wann kippt’s? Solche Fragen zu stellen und gemeinsam drüber nachzudenken, kann sogar mehr bringen als starre Regeln.

Denn was wir sicher wissen: Der Umgang mit digitalen Technologien ist immer auch ein Spiegel unseres Alltags.

Ja, wir sollten unser Leben so gut im Griff haben, dass wir in der Ermattung nicht auf Handyschauen angewiesen sind, oft schaffen wir es aber auch nicht. Wer spät nach Hause kommt, drei Dinge gleichzeitig erledigen muss oder einfach zum Umfallen müde ist, der greift eben auch schneller mal zum Tablet oder Handy. Es geht also nicht darum, digitale Medien zu verteufeln, sondern um ein Gespür für die richtige Balance. Kein Schwarz-Weiß-Denken („Offline ist immer besser!“), sondern ein alltagstaugliches Sowohl-als-auch ist das Ziel.

Unser Fräulein Flora-Frechdachs kümmert sich um die Nachwuchs-Salzburger*innen.

Und genau hier setzen bildschirmfreie Nachmittage an. Nicht als Challenge, nicht als Pflichtprogramm, sondern als Einladung: raus aus dem Autoplay-Modus, rein ins gemeinsame Erleben. Ganz ohne Push-Benachrichtigungen, Autoplay-Schleifen, den Ruf nach dem nächsten Hörspiel oder den eigenen Impuls, „nur ganz kurz“ die Mails zu checken.

Wie das in Salzburg gelingen kann? Mit diesen Ideen:

#1 Töpferkurs bei Susanne König

Töpfern mit Kindern? HAHA! Hätte uns das jemand vor ein oder zwei Jahren gesagt, wären wir in lautes Lachen ausgebrochen. Heute wissen wir: Wenn eine Susanne König involviert ist, wird das Unmögliche möglich. Zwei runde Tische: einer für die Eltern, einer für die Kinder. Ton für beide und Susanne hat die Kinder derart im Griff, dass man selbst in ca. vier Einheiten mindestens sechs Tassen hinkriegt. Tipp: Wenn ihr mit Kindern kommt, nehmt Susanne eine Schokolade mit, die mag sie nach solchen Aktionen ganz gern.

#2 Steine schmeißen am Alterbach 

Hätten wir ohne einen in der Nähe stattfindenden Musikkurs nie gefunden. Der Alterbach ist ein nettes Örtchen, an dem man entlang spazieren kann und der im Sommer die von Hitze angeschwollenen Füße kühlt. Das Wasser ist nicht hoch, mit dem Rad oder dem Bus (sucht „Pfarre St. Severin“) einfach erreichbar und es lassen sich dort auch diverse Tiere beobachten sowie mit Laufrad oder Roller fahren. Aso, und Steine schmeißen natürlich auch. Nur nicht auf die Enten. 

 

#3 Ausflugsziel: Hexenloch

Bester Ort in Salzburg. Das Hexenloch ist eine kleine Höhle im Aigner Park, einfach zu erreichen, auch mit Kinderwagen (denn muss man eventuell über ein paar Steine drüberschieben). In den Wasserbecken vor der Höhle lassen sich ganze Tage verbringen, Winter wie Sommer. Im Winter sind gefütterte Gummistiefel ganz praktisch und im Sommer ist eh alles wuascht. Wer Kinder hat, mit denen sich ein Gasthaus betreten lässt, könnte – wenn’s Geldtascherl voll ist – im Schloss Aigen vorbeischauen, im Sommer ist das Camping Aigen eine kinderfreundliche Alternative. Sagt Hallo zum Robin für uns. Tipp: Mit der S-Bahn bis Aigen und die paar Minuten zu Fuß zum Aigner Park ist nicht utopisch, sondern lässt sich leicht erledigen.

 #4 Zu einem Pumptrack radeln

Auch sehr cool, die Pumptrack-Bahn in Salzburg Süd. Die ist direkt neben Lakhi’s Indian Kitchen. Dort können Kinder, die gern Radfahren einige Runde ziehen. Helm ist immer wichtig, aber am Pumptrack haben die meisten sogar einen Vollvisierhelm. Die Regeln haben wir uns von Kindern vor Ort erklären lassen: „Rechts und links wird ‚hingefahren‘, die Bahnen in der Mitte sind zum Zurückfahren.“ Wer schon bisschen mehr Schmalz in den Beinen hat, oder ein Auto, schaut nach Wals raus. Dort, in der Nähe vom Laschenskyhof, ist auch ein super Pumptrack. Den haben wir bis jetzt nur angeschaut und mit ganz viel Ehrfurcht unbefahren wieder verlassen. Aber er ist da und wenn die Zeit reif ist, wird er fällig.

#5 Flamingos schauen und Fussballspielen im Donnenbergpark

Wenn ihr euch viel auf Spielplätzen herumtreibt, dann wisst ihr: Das Klientel wechselt von Ort zu Ort. Und mit Klientel meinen wir die Eltern. Am Donnenberg-Spielplatz sind wir schon so oft enttäuscht worden, dass wir uns nicht trauen, ihn zu empfehlen. Die ganzen Flächen drumerhum aber sehr wohl. Zum Kicken, zum Tischtennis-Spielen, zum Herumliegen, Federballspielen oder auch, um in einem der vielen Büsche Verstecken zu spielen. Es gibt dort auch den gruseligen Friedhof, wenn eure Kinder auf bissi Horror stehen. Und natürlich den Flamingo-Tierpark, der ein wundervoller Stopp am Weg zum Park/vom Park weg ist.

#6 Klettern gehen

Wenn ihr nicht aus der Stadt rauswollt: Besteigt die lokalen Wände. Mit Dach überm Kopf lassen sich die Kletterhalle in Itzling und die boulderbar nennen. In beiden gibt’s Kinderbereiche und auch Kurse. Wenn es draußen schön ist und nicht gerade eine Vogelbrutzeit, dann könnt ihr für kein Geld bei der Müllner Schanze klettern. Ihr braucht halt eine*n Vorsteiger*in und Sicherungswissen. Für alle, die schon größer sind, ist auch der Klettersteig City Wall eine gute Idee. Das haben wir mit Kindern noch nie gemacht, aber es steht bald mal an.

#7 Auf den Glockenturm raufklettern mit dem Salzburg Museum

Der Glockenturm bimmelt über dem Residenzplatz. Natürlich ist ein Blick von unten schön, noch besser ist es, von oben nach unten zu schauen. Ohne Schlüssel geht natürlich nichts, aber das Salzburg Museum bietet regelmäßig Führungen an, manchmal in der Früh, manchmal am Abend. In Kombination mit einem Stadtspaziergang (z. B. vom Augustinerbräu über den Mönchsberg und dann über den Festungsberg wieder Richtung Residenzplatz) eine absolut nette Beschäftigung für den Nachmittag. Krönender Abschluss: Durch die Glocken auf Salzburg runterschauen. Kopf nicht anhauen!

Wer lieber im Café liest: Unser Buchcafé findet regelmäßig statt.

#8 In die Stadtbibliothek gehen

Ja, klingt aufgelegt, aber die Neue Mitte Lehen ist EIN SEGEN. Da gibt’s ein kinderfreundliches Café, da gibt’s eine sehr gemütliche Kinderecke, man kann sich Bücher anschauen und im Leseschiff das Steuerrad drehen. Auch mit sehr aufgeweckten Kindern ist dieses Programm erlernbar – und hilft ihnen vielleicht dabei, etwas Ruhe zu finden. Auch eine Überlegung wert: Einmal alle sechs Wochen treffen wir uns in einer gemütlichen Runde im Das Kaffeehaus by Hotel Melanie zum Buchcafé, jeder nimmt ein Buch mit und gemeinsam lesen wir bei Kaffee und Kuchen. Zum ersten Mal war auch ein 8-jähriges Kind dabei und wir finden, das darf gerne mehr werden.

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