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Kultur Musik

Salzburg bekommt ein Festival für Gameboymusik

Chiptune ist das neue Drum 'n' Bass.

Lando macht Musik mit seinem Gameboy. Er wird der Hauptact beim ersten Chiptune-Festival in Salzburg sein. Aus diesem Grund haben wir ihn getroffen und alles über Musik aus der Spielkonsole gelernt.

„Lasst uns über Chiptuning reden“, beginne ich unser Interview. Gleich werden mich Lando und Shahzad, Initiatoren des Festivals, aber eines Besseren belehren. Zwischen Chiptuning und Chiptune liegen Welten. Bei Ersterem handelt es sich nämlich um das Aufpimpen vierrädiger Fahrzeuge. Und dafür sind wir ja nicht hier.

Vorsicht in der Begrifflichkeit

Chiptune ist ein Subgenre für elektronische Musik mit Gameboy. Oder mit Nintendo. Lando erklärt das, indem er einen Gameboy aus der Tasche zieht. Ein altmodisches Gerät aus den Neunzigern, das uns damals jede Autofahrt verkürzt hat. Darauf gibt es vier Tonspuren, mithilfe deren er Melodien programmiert. Zum Vergleich: Ein Popsong hat in etwa 120 davon. So viele will Lando gar nicht. Das Prinzip im Chiptune ist es, aus dem Minimum das Maximum rauszuholen. Heißt für uns: Wenn er sein Set spielt, steht er am DJ-Pult, mit vier Gameboys und bringt den Saal damit zum Tanzen.

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Gameboy-DJs sind Maximierungskünstler

Das ist natürlich eine mega Anstrengung, vor allem dann, wenn ein Set anderthalb Stunden dauert und er zwischen den Gameboys hin- und herspringen muss. Denn Lando spielt seine 8-bit Dancemusic live, und wenn er sich in der Tastatur verdrückt, hört man das natürlich. Aber er mag das Risiko. Und live bedeutet in diesem Fall, dass er die Melodien, die er vorher programmiert hat, mischt. Wie ein richtiger DJ.

Wie das klingt, ist gewöhnungsbedürftig. Ein bisschen wie das Internetphänomen Nyan Cat und Good Old Techno.  Deshalb fasst die Szene in Österreich auch noch zögerlich Fuß. Frei nach dem Spruch „Was der Bauer nicht kennt…“, schmunzelt Shahzad. Er selbst hat den Weg in die Welt des Chiptunes über die Demoszene gefunden. Für alle da draußen, die davon genauso wenig Schimmer haben wie wir: In der Demoszene versucht man, in Systemen von alten Hardwares Möglichkeiten zu finden, die man sich nicht erdenken hätte können. Dasselbe Maximierungsprinzip wie im Chiptune eigentlich. „Du musst dir das so vorstellen: Du hast fünf Ziegelsteine, daraus versuchst du, ein Haus zu bauen.“

Chiptune: schöne Erinnerungen an durchzockte Autofahrten

Auf jeden Fall spielt Chiptune auf Nostalgie an. So sind auch Leute, die sich dem Gamesound hingeben, ein Mix aus Nostalgiker*innen und jungen Leuten, die auf die Retrowelle aufgesprungen sind. Bei Lando, der eigentlich Ludwig heißt, war es ähnlich: Einzelkind der Generation Zocken, der Gameboy wird sein Reisebegleiter auf langen Fahrten. Von denen gibt es in seiner Kindheit viele. Er spielt anfangs in vielen Bands, Bass, Gitarre, Synthesizer.

Irgendwann war Band weg, Freundin weg, sagt er. Dann hört er zufällig ein Weezer Tribute Album, seine Lieblingsband. Das Besondere: Alle Songs sind mit Gameboy gecovert. Das war für ihn ein Heureka-Moment.

Chiptuneevents hat es in Salzburg schon vorher gegeben:  Lando hat in mehreren Läden hier schon aufgelegt…gezockt. Mit ihrer Festivalidee betreten Lando und Shahzad aber Neuland. Mit an Bord sein werden auch Gampoy und IRQ7, für alle, die bei Dubstep abgehen. Denn wenn man Chiptune eine Chance gibt, sind sich Lando und Shahzad einig, besteht Ohrwurmgefahr. Und vielleicht wird das Genre auch mal Österreich erobern. Da ist sich Lando sicher. Dass man dranbleiben und hartnäckig bleiben muss. Als Künstler muss man aber eh a bissi an Schaden haben.

Veronika Ellecosta

Veronika Ellecosta ist aus Südtirol ausgewandert, des Studiums und des Auswanderns wegen. Ist in Salzburg angekommen. Hat bei Fräulein Flora Unterschlupf gefunden und begonnen, die Stadt schreibend zu erkunden und damit immer wieder aufs Neue anzukommen.