Aus dem Magazin

Diesen Typen begegnest du in jedem Fitnessstudio

Tauche ein in die faszinierende Welt der Muckibude.

Irgendwann haben wir uns alle schon mal fürs Fitnessstudio inskribiert. Meistens kurz nach dem weihnachtlichen Fresskoma, vorm Sommerurlaub in der Türkei oder ganz allgemein, wenn unsere Freunde einen Trainingspartner gesucht haben und wir uns nicht mehr rechtzeitig aus der Verantwortung rauswinden konnten.

Dann waren wir ein- zwei- dreimal dort, haben unseren Arsch auf die Beinstreckerbank gepresst und uns im Spiegel beim monotonen Auf und Ab der Unterschenkel zugeschaut, in der Hoffnung, dass diese Zahnstocher in Bälde zu definierten Baumstämmen mutierten. Neben uns junge Männer in Under Armour -Kompressionshosen, die irgendwie mehr Puste als wir zu haben schienen und auch zwei Wochen später noch im Fitnessstudio anzutreffen waren, als wir unsere Mitgliedskarte durch Zufall im Klo versenkt hatten.

Dieser Spezies der Unerbittlichen, denen wir in unserer langen offenen Beziehung mit dem Fitnessstudio begegnet sind, ist dieser Beitrag gewidmet. Und allen, die sich über unsere glaubhafte und seriöse Studie der menschlichen Gattung im Fitnessstudio empören, sei gesagt, dass es vielleicht nur der Neid ist, der an uns nagt und uns zu diesen Zeilen treibt. Denn seit wir durch Zufall unsere Mitgliedskarte im Klo versenkt haben, haben wir keinen Fuß mehr in Fitnessstudios gesetzt.

Das sind sie, die Typen, die du garantiert in jedem Fitnessstudio antriffst:

Der Streber

Wie damals zu Schulzeiten ist der Streber geliebt von den einen und gehasst von den anderen. Er ist Bestie der Trainer und des Personals, bekommt schon im Eingangsbereich seinen Traditionsproteinshake gereicht und nimmt sich den Vortritt zu den Geräten selbstverständlich heraus. Seinen Trainingsplan hat er von älteren Men’s Health und Mens’s Fitness- Ausgaben fein säuberlich abgetippt, und bei den Mittrainierenden macht er sich regelmäßig unbeliebt, indem er ungefragt ihre Körperhaltungen während der Übungen – natürlich auf konstruktive Art und Weise- kritisiert und verbessert.

Die grazile Rentnerin

Die grazile Rentnerin ist der Beweis dafür, dass Alter keine Ausrede für sportlichen Leistungsabfall ist. Während du dich immer noch auf besagter Beinstreckbank quälst, turnt sie mit leicht herablassendem Lächeln neben dir an den Gym Rings. Eine Kindheit im Freien ohne Fernseher und Smartphone hat ihren Körper geformt, und diesen Generationsspott lässt sie dich jetzt spüren. Wenn du sie neben dir auf der Matte antriffst, wird sie dich mit ihren Crunches auf den Boden zwingen. Ihrem Orthopäden, der ihr das Training verschrieben hat, wird sie ewig dankbar sein und Ihresgleichen weiterempfehlen.

Der Cardio- Akademiker

Obgleich seiner stolzen Größe und seinem aufrechten Gang, ist und bleibt der Cardio-Akademiker 1 Lauch. Diese Tatsache zu ändern liegt aber auch gar nicht in seinem Bestreben. Mens Sana in Corpore Sano, lautet die Devise des Professors für Altgriechisch oder Vergleichende Literaturwissenschaften und so schult er brav seine Ausdauer auf dem Crosstrainer oder dem Laufband. Den anderen Schwitzenden auf der Curlbank wirft er nur verächtliche Blicke zu, während seine Brillen anlaufen und seinen Blick in den Spiegel trüben, an welchem er aber ohnehin kein Interesse hat, weil er im Gedanken Homerzitate wiederholt.

Der Gockel

Für den Gockel ist das Fitnessstudio die Bühne seines Bizeps, den er ungefragt tanzen lässt, wenn er sich mit schwerem Schritt Richtung Squat Racks begibt. Er trägt ein unerhört freizügiges Tanktop, das bereits nach einer halben Stunde mit Testosteronschweiß durchnässt ist. Der Blick dieses Narziss haftet permanent an seinem Spiegelbild, dem er in Gedanken immer wieder Kusshändchen zuwirft. In der realen Welt ist er etwas schüchtern, senkt den Blick vor dem anderen Geschlecht und scheut auch vor dem Saunaaufguss mit den eigenen Brudis zurück. Lieber setzt er sich nach dem Training mit seinem Proteinshake in die Fitnessbar, wischt Tinderfrauen auf seinem Smartphone nach rechts und wartet darauf, dass sie sich bei ihm mit einem freundlichen „hey wie geht’s“, melden.

Die Hollister- Grazie

Die Hollister- Grazie hat ihr Jagdrevier vom Haferl zum Vita Club erweitert und oszilliert auch outfittechnisch mühelos zwischen diesen beiden Lokalitäten, wo sie ein immer gern gesehener Stammgast ist. Wahlweise tauscht sie Isodrink gegen Prosecco und Nike Air gegen Riemchen – High Heels. Das Fitnessstudio ist ihre Vorglüharea, wo sie sich mit zuckersüßem Lächeln strategisch gegenüber dem Spiegel positioniert und ihren Gesichtsausdruck beim Stretchen übt. Hier führt sie auch die neueste Fitnessmode aus, testet die wasserfeste Mascara und hat aus unerfindlichen Gründen selbst nach der zehnten Cardioeinheit keine Schweißflecken auf ihrem neonfarbenen Fabletics-Tanktop.

Die Yogini

Die Yogini reist mit Yogaklotz und Stretchseil an. Sie meidet Kraft- und Cardiogeräte und erdet sich viel lieber auf den türkisfarbenen Matten. Damit sie ihre Aufmerksamkeit bewusst auf ihren inneren Fluss lenken kann (was vor der Geräuschkulisse des Fitnessstudios durchaus nicht einfach ist), erhöht sie die Lautstärke ihrer Atmungsorgane um ein paar Dezibel und schnauft wie präventiv für die Geburtsvorbereitung, während sie ihre Gliedmaßen fachmännisch verknotet. Die restliche Zeit starrt sie apathisch vor sich hin und wirkt der Welt um sich herum entrückt. In Wahrheit befindet sie sich jedoch in einem tiefen meditativen Zustand des Yin-Yoga.

Der Neuzugang

Der Neuzugang steht am Anfang der Fitnesslaufbahn und wir wünschen ihr, dass sie nicht so schnell ins Stolpern kommt. Weil sie erstmal nur reinschnuppern will, trägt sie das ausgebleichte Baumwollshirt mit dem Logo vom alten Schwimmverein. Die meisten Geräte vor Ort kennt sie nur aus dem Shoppingkanal und bedient sie erst, nachdem sie die Alteingesessenen verstohlen beim Training beobachtet hat. Das ein oder andere Gewicht hat sie schon mit hochrotem Kopf auf den Boden fallen lassen und unfreiwillig die Aufmerksamkeit der Community damit auf sich gezogen. Gerne nähert sich ihr ein Artgenosse vom Typ Streber, um ihr die Welt des Fitnessstudios zu erklären. Dann nickt sie schüchtern und dankbar und beschließt erstmal für sich, das Fitnessstudio beim nächsten Mal am Vormittag aufzusuchen.

Der Powertalker

Der Powertalker nutzt das Fitnessstudio wie andere den Friseurtermin. Emsig schwirrt er von einer Besucherin zur nächsten und unterhält mit unnützen Fakten aus seinem Leben, klatscht über die städtische Prominenz und den Durchfall der eigenen Hauskatze. Der Powertalker zeichnet sich besonders durch soziale Inkompetenz und Resistenz gegen Desinteresse aus, weil er partout nicht den Gesprächspartner wechseln will, obwohl dieser bereits aus einem inneren Widerstand heraus einen tiefen Zustand des Yin-Yoga erreicht oder Selbstgespräche mit dem eigenen Spiegelbild begonnen hat.

 

 

Veronika Ellecosta

Veronika Ellecosta ist aus Südtirol ausgewandert, des Studiums und des Auswanderns wegen. Ist in Salzburg angekommen. Hat bei Fräulein Flora Unterschlupf gefunden und begonnen, die Stadt schreibend zu erkunden und damit immer wieder aufs Neue anzukommen.