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Der harte Weg der Nachhaltigkeit: Ich brauche neue BHs

Wie ich versuche, nachhaltiger zu leben. Und wie ich permanent scheitere.

Meine Kasten-Inventur hat ergeben, was ich vermutet habe: Aktuell besitze ich nur zwei BHs. Einen schwarzen und einen hautfarbenen, der nach regelmäßigem Verwaschen eher grau ist. Ich brauche also neue BHs. Das ist aber ein ziemlich verzwicktes Thema, das sich nicht so leicht lösen lässt.

Ich kann mich erinnern, dass ich einmal mehr BHs hatte. In allen Farben und zu meiner Blütezeit sogar mit passenden Unterhosen dazu. Nach und nach verschwanden die Teile. Manche gingen verloren, manche fielen der Waschmaschine zum Opfer und viele der Gewichtszunahme. Übrig blieben die zwei kläglichen Exemplare, die im Dauereinsatz sind.

Weil ich in regelmäßigen Abständen versuche, mein Leben in den Griff zu kriegen, habe ich mich kürzlich also dazu gezwungen, das BH-Problem zu lösen. Und mir vorgenommen, beim Discounter vorbeizuschauen und für wenig Geld viel BH zu kaufen. Immer, wenn ich am Laden vorbeigegangen bin, habe ich mir gedacht: Geh rein, kauf! Getan habe ich es aber nie. Das schlechte Gewissen, auf die Umwelt und die schlechten Arbeitsbedingungen zu scheißen, war zu groß. So zogen die Tage ins Land, die Erledigung wurde vor mir hergeschoben, bis ich schließlich beschlossen habe, überhaupt nichts mehr im Discounter zu kaufen. Weil: Wie fair kann es schon zugehen, wenn die T-Shirts ab 4,90 Euro zu haben sind? Und wie lange werden die BHs halten, wenn sie zum Spottpreis hergehen? Da braucht man kein Wirtschaftswunderwuzzi zu sein, um zu verstehen: Irgendwas passt da nicht zusammen!

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Ab jetzt nur mehr nachhaltige BHs: leichter gesagt, als getan

Ich habe beschlossen, jetzt, also bei meinen BHs, anzufangen und ab hier nachhaltig einzukaufen. Auf die Herkunft der Teile schauen, Dumpinglöhne ausschließen, im Idealfall soll es auch noch vegan sein. Aber wo anfangen? Genau, im Internet. Auch, weil ich, ehrlich gesagt, keine Ahnung habe, wo ich in Salzburg im stationären Handel „saubere“ Unterwäsche bekomme. Im Netz habe ich zumindest Produkte gefunden, die wirklich schön sind, unter anderem auch dank dieses Artikels mit einer Übersicht an passenden Marken.

Zu diesem Zeitpunkt habe ich schon ziemlich viel Zeit investiert, um mich zu informieren. Und immer wieder kam der Gedanke hoch, geh doch zum Discounter, kauf den Scheiß und denk nicht mehr drüber nach. Mache ich aber nicht, sondern beginne, meinen virtuellen Einkaufswagen mit schönen Sachen zu füllen. Als ich mir meine Favoriten ansehe, haut’s mir fast die Augen raus: Fast 600 Euro für 4 BHs und 6 Unterhosen. Ich such den Knopf „Auf Rechnung kaufen“, finde ihn aber nicht und werde vom Online-Shop gebeten, den Betrag im Voraus zu überweisen. Auf keinen Fall, denk ich mir, ich kann jetzt nicht 600 Euro für ein bissi Unterwäsche ausgeben und klappe den Laptop zu.

Übrigens: Ein schöner Fleck Erde hat nachhaltige Bio-Unterwäsche aus Salzburg. Die haben nur leider keine BHs.

Die Krux: Nachhaltig leben bedeutet Verzicht, intensive Recherche und vergleichsweise hohe Kosten

Nachhaltig leben ist zum Buzzword geworden, auch ich hab’s gern verwendet. Andern gegenüber  war ich superkorrekt: Klar soll man Secondhand kaufen (habe ich bei Unterwäsche noch nie!). Logisch kaufe ich nichts beim Discounter (außer ich brauche gerade was). Alles bio und regional? Wie denn sonst? (z.B. in Plastik abgepackter Salat, den ich regelmäßig esse). Seit ich aber Ernst mache und versuche, meine leeren Phrasen mit Aktionen fülle, merke ich: Es ist anstrengend und teuer, auf die Umwelt zu schauen. Es macht eigentlich keinen Spaß, dafür aber oft ein schlechtes Gewissen. Und die meiste Zeit bedeutet es auch: Dinge nicht kaufen. Flüge nicht buchen. Urlaube nicht machen. Gewisse Nahrungsmittel aufgeben.

Bitte helft mir, das nachhaltige Salzburg zu finden!

Damit die Anstrengung zumindest etwas wert ist, nehme ich euch jetzt mit auf meine Suche nach mehr Nachhaltigkeit im Alltag und hätte auch gleich eine Frage: Welche Shops in Salzburg bieten nachhaltige Unterwäsche an? Ich muss nämlich heute beide BHs waschen und bräuchte dringend eine Ausweichmöglichkeit.

Eva Krallinger-Gruber

Eva ist eine richtige Ex-Exil-Salzburgerin. Frankreich, USA, Schweiz - aber nirgends ist es wie zuhause. Journalismus, Marketing (Kosmetik und dann Bier) und eigentlich redet sie auch ganz gern.