Wir hätten es eh schon fast wieder übersehen.
Aber dann hat man uns zum Glück nochmal erinnert: Vom 18. bis 19. September 2026 findet das bodenst@ndig-Festival für neue Volksmusik statt, ob das denn was sei, das uns interessiere. Erster Impuls: Volksmusik eher nein. Aber dann irgendwie: Moment, vielleicht doch? Aus dem „vielleicht doch“ hat Organisatorin Laura dann ein „wahrscheinlich schon“ gemacht und wir erklären jetzt, wie es dazu kam.
Das Haus der Volkskulturen.
Zuerst einmal hat sie uns Kaffee in sehr schönen Häferl serviert.
Und aufgrund eines leichten Tassen-Vogels haben wir sofort doppelt so genau zugehört. Schimpfen denn die Alten nicht, wenn ihnen die Jungen auch noch die Volkskultur wegnehmen, haben wir gefragt. Nein, hat Laura gesagt. Und erzählt, dass dieses Klischee natürlich sehr verankert sei in der Gesellschaft, Volksmusi, das ist was für die Älteren. Stimmt halt nicht. Sie selbst ist viel in dieser Bubble unterwegs und als Frau unter 30 weiß sie, dass Volkskultur sehr reizvoll für junge Menschen ist.
Und dann müssen wir uns wieder für die blöde Frage auf die Finger klopfen. Und hören weiter zu: Volkskultur gibt’s ja nicht nur in Österreich, sagt Laura.
Sondern überall in der Welt. Das ist der Moment, in dem in unserem Köpfchen das Bild vom Schuaplattler in tausend Teile zerbricht und sich mit Volkskultur anderer Länder neu zusammengesetzt. Auch beim bodenst@ndig-Festival, sagt Laura, hat Interkulturalität Platz. Auf der Bühne sehen wir Ergebnisse vom ethno camp, einem internationalen Musikcamp, wo sich Menschen aus aller Welt auf einer Alm treffen und gemeinsam musizieren. Ohne Note, nur auf Gehör.
Das Orga-Team: Laura und Anna. Zwei Frauen, beide unter 30. Sollten wir natürlich nicht so betonen, also freuen wir uns heimlich.
Was ist jetzt aber überhaupt Volkskultur?
Dazu gehört Tanzen, aber auch die Volkskunde-Museen. Dazu gehören die Schützen, die Trachtenmusi, aber auch Musik, die nur mit volkskulturellen Elementen arbeitet. Gutes Beispiel dafür ist eigentlich eh Lauras Orga-Buddy Anna Buchegger. Nach ihrem Auftritt bei Live in Salzburg kennen wir sie und ihre Musik wahrscheinlich alle. Und wenn nicht, hier könnt ihr reinhören. Im Dialekt singen, Musikelemente aus der Volkskultur schnappen und einen eigenen Dreh einbauen, das sind die neuen Töne, die uns auch beim bodenst@ndig einfangen und vielleicht gar nicht mehr so schnell loslassen werden.
Zehn Jahre bodenst@ndig, zwei Jahre bodenst@ndig mit Anna und Laura und vier Hauptacts am Wochenende
Am Freitag Abend zwei Acts und am Samstag Abend zwei Acts. Davor gibt’s das bodenst@ndig-Podium und danach hoffentlich noch ein Kaltgetränk. Wer dieses Jahr aufspielen wird, steht auf der Festival-Webseite. Wir haben bei allen vier Acts schon reingehört, gibt’s auf Spotify oder eurer Streaming-Plattform du jour frisch und saftig. Weil aber Taten mehr zählen als Worte, geht’s idealerweise einfach hin. Tickets sind leistbar, der Festivalpass kommt auf 49 Euro und ca. die Hälfte kostet ein Tagespass.
Aufräumen mit den Klischees
Was sollen wir sagen: Der Herbst kitzelt uns sowieso immer ganz viel Liebe für Volkskultur raus, Ruperti hilft mit und das bodenst@ndig könnte auch mit unseren Klischees von Volkskultur als etwas Antiquiertes aufräumen: So ein Festival hat die Kraft, diese ganzen Klischees aufzubrechen, sagt Laura. Wir müssen es nur zulassen.