Ausflugstipps Rausgehen

Ausflug ins Schönramer Filz

Moor im Herbst.

Das Schönramer Filz ist wie die Moor- und Heidelandschaft in einem Fünf-Freunde-Roman. Darüber waren wir uns jedenfalls einig, als wir zwischen Heidekraut und Birken lustgewandelt sind. Weil es gerade so schön herbstelt, haben wir das Eck in Bayern nämlich in seinen goldigsten Farben besucht.

Für Oktober ist es fröhlich und mild und so beschließen wir, die Wegstrecke mit dem Radl zurückzulegen. Von Freilassing durchradelt man Oberbayern nach Schönram in einer knappen Stunde, vorbei an pornös anmutenden kleinen Ortschaften wie Patting oder Kothbrünning. So skurril die erstmal klingen, sie erweisen sich als niedliche Dörfer mit klassischen Bauernhäusern und Geranien vor den Holzfensterrahmen. Vor den Höfen schlummern Hofhunde in glänzend schwarzem Fellgewand neben sonnenzugewandten Omas in Schurz auf Bänken. Das ländliche Idyll ist sich um kein Klischee zu schade.

Weil wir nun doch schon ein Stück des Weges zurückgelegt haben, als wir Schönram erreichen, nutzen wir den Aufenthalt mit einer Belohnung für die harte Knochenarbeit. Im Bräustüberl kredenzt man uns im urigsten Dialekt ein kühles Helles, dazu gibt´s Krustenbraten auf einer Altbayrisch- Dunkel Biersoße. Bier zum Bier quasi, und obwohl wir versucht sind, uns weiter durch das Angebot an Schönramer zu laben, erinnert uns die absteigende Sonne im Fenster daran, unser Ziel nicht aus den Augen zu verlieren. Der letzte Kilometer geht beschwingt weiter und die Vegetation wird karger mit umgefallenen Birkenstämmen auf rötlichem Gras. Autoreisende können beim Parkplatz „Heidewanderung“ an der Straße Schönram-Laufen ihr Fahrzeug abstellen, wo auch wir unsere Fahrräder verketten und uns auf den Weg ins Moor machen. Hier geht auch der Moorlehrpfad los.

Irgendwann, um 10 000 v. Chr., war das Schönramer Filz ein Gletschersee. Der Salzachgletscher hatte eine Mulde ausgeschürft und Schmelzwasser sich darin angesammelt. Weil sich Pflanzen im nassen Boden nur sehr langsam zersetzen, hat sich daraufhin die erste Torfschicht gebildet. Die Torfschicht wuchs und wuchs bis zu sechs Meter und ließ kein Wasser mehr zum Grundwasser durch. Der Torf blieb nährstoffarm, sauer und nass. Ein Hochmoor ward geboren. Das Heidekraut, das bestens auf nährstoffarmen Boden gedeihen kann, polstert die Landschaft aus. Wir spazieren über einen Kiesweg, vorbei an den charakteristisch weißen Birken und rötlichen Grasbüscheln, die es uns so angetan haben. Kurz nach Beginn der Wanderung erreichen wir den Moorsee.

Immer wieder hat man hier versucht, Torf abzubauen, den die Bevölkerung so dringend als Brennmaterial benötigte. Nach dem Ersten Weltkrieg wurden die Eigentümer der Moorflächen sogar per Gesetz zum Torfabbau verpflichtet. Dass das Vorhaben kein großer Erfolg war, lag an der zivilisationsfeindlichen Landschaft. Wurzeln im Boden haben den Abbau erschwert und er musste immer wieder eingestellt werden, endgültig 1995. In der Abbaugrube entstand ein Moorwald, die Entwässerungsgräben wurden verschlossen und die Grube füllte sich mit Wasser. Heute sitzen wir auf einer Bank am Ufer des Moorsees und bewundern die einzelnen Baumstümpfe, die noch aus dem Wasser ragen. Die Heide um uns herum verschluckt jedes Geräusch, nur Vögel und das Rauschen des Windes begleiten uns beim Rundgang.

Wir umrunden den Moorsee auf weichem Torfboden, inzwischen steht die Sonne schon tief und leuchtet uns durch die Büsche und Sträucher ins Gesicht. Nach gut einer Stunde erreichen wir wieder den Parkplatz und schwingen uns auf die Räder. Die Rückfahrt nach Salzburg belohnt uns noch einmal mit sanften Hügellandschaften, ferner dem Untersberg im Abendlicht und bunten Eichenwäldern.

Spaziergang im Schönramer Filz

Startpunkt: Parkplatz Heidewanderung an der Straße zwischen Schönram und Laufen
Tour: Dem grünbeschilderten Moorlehrpfad folgend hinter dem Moorsee nach rechts abbiegen
Dauer: ca. eine Stunde
Einkehrmöglichkeit: Bräustüberl Schönram

Veronika Ellecosta

Veronika Ellecosta ist aus Südtirol ausgewandert, des Studiums und des Auswanderns wegen. Ist in Salzburg angekommen. Hat bei Fräulein Flora Unterschlupf gefunden und begonnen, die Stadt schreibend zu erkunden und damit immer wieder aufs Neue anzukommen.