Altstadtgeschichten: Ein Kind der Salzburger Altstadt

Kerstin hat alles gesehen: Als Kind ist sie mit ihrer Familie in die Bergstraße gezogen, zu WG-Zeiten in die Linzergasse. Dann einmal über die Salzach drüber, in die Herrengasse und ihren Altstadt-Abschied gefeiert hat sie am Ursulinenplatz. Kerstin weiß aus erster Hand, wie es sich anfühlt, in der Altstadt zu wohnen und erzählt uns ihre Lieblingserinnerungen an diese Zeit, mitten im Geschehen.

Wir lieben Geschichten von und über Normalo-Salzburger*innen, ganz ohne Chichi oder Festspielglanz.

Was für ein Geschenk, als Mathias vom Altstadtmarketing geschrieben hat und uns folgenden Auftrag erteilt hat: Bitte fragt Leute um Geschichten, die in der Salzburger Altstadt spielen. Wir haben lange nachgedacht und präsentieren euch jetzt: Kerstin, ein echtes Kind der Salzburger Altstadt.

In der Altstadt wohnen, tut das überhaupt noch wer?

Absolut, meint Kerstin und die muss es wissen. Den Großteil ihres Lebens hat sie nämlich genau da gewohnt, in der Salzburger Altstadt. Irgendwann ist sie weggezogen, die Erinnerungen bleiben. Und als wir so gemeinsam durch die kleinen Gassen ziehen, poppt eine nach der anderen wieder auf. Vorbei an ihrer alten Wohnung in der Herrengasse, vorbei an der Paulistubm und vorbei am Vintage-Laden Jetlag, in dem Kerstin oft zum Kaffeetrinken war. 

Das Jetlag ist eine Legende in der Herrengasse: Café, DJ-Sets, Vintage-Laden.

„Ich kenn keine Altstadt, die vergleichbar mit unserer wäre“, sagt Kerstin. Und wir glauben ihr es, also, dass sie das echt so empfindet. 

Wer in der Altstadt aufwächst, macht Teenager-Altstadt-Sachen. Zum Beispiel, sich als Fake-Praktikantin in die Festspiele auf eine Gratis-Vorstellung reinschmuggeln probieren. „Hat eh nicht funktioniert“, lacht Kerstin, „ich wurde wieder rausgeschickt.“ Eine andere Strizzi-Tat konnte sie gemeinsam mit einem Freund erfolgreich umsetzen: „Da war so eine Baustelle, ein nobles Haus wurde renoviert. Ich hab gewusst, dass es einen Lift mitten in die Wohnung gibt. Wir sind also rein und dann in der Wohnung gesessen, war eine schöne Wohnung“, erinnert sich Kerstin. 

„Wenn Leute sagen, Salzburg ist ein Museum, dann sag ich: Find ich nicht, aber wenn es eines wäre, dann ein sehr schönes.“

Die alten Häuser, die großen Plätze und die viele Kirchen geben der Altstadt ein ganz spezielles Flair, meint Kerstin. Bleibt nur noch, die Straßen mit Erinnerungen zu füllen. Zum Beispiel mit der, als Kerstin einen Tisch auf ebay verkauft hat und der Freund vom Käufer ihn aus München abholen kommen wollte. „Vereinbart war um 20.00 Uhr, der Freund war aber wegen einem Schneesturm total verspätet, irgendwann stand er dann doch in meiner Tür“, erzählt Kerstin.

Gut zwei Meter groß, in einem langen Ledermantel und mit einer Werkzeugkiste in der Hand, um 23 Uhr abends. „Ich hab mir gedacht, ok, das war’s jetzt“. Der Typ war dann aber total witzig, ein Zauberer mit einem Auftritt am nächsten Tag und dann kam auch noch raus, dass er beim Schmied in der Herrengasse eine Lehre gemacht hat. Genau in dem Haus, in dem Kerstin selbst gewohnt hat.

Blick von oben: Kerstin blickt auf ihr Land - dahin, wo sie überall schon gewohnt hat.

Ein Ort in der Altstadt, wo du noch nie mit jemandem anderen warst? 

„Da fällt mir witzigerweise mein Garten ein.“ Zwischen Festungsgasse und Herrengasse gab’s ein kleines Stück Wiese, uneinsichtig von beiden Straßen, ein großer Schirm hat vor den restlichen Blicke geschützt. „Warum ich da nie mit jemandem gesessen bin, weiß ich eigentlich gar nicht“, denkt Kerstin nach. Wahrscheinlich war das einfach ihr ganz persönlicher Rückzugsort. 

Kerstins Garten sieht man hier nicht, wir fanden das Tischerl im Hintergrund scheinbar besser.

Kerstin hat die Altstadt von vorne bis hinten gesehen. 

Wir freuen uns, dass sie ihre Erinnerungen mit uns geteilt hat – und wenn ihr auch interessante Geschichten für uns habt, immer her damit. Wir könnten uns zum Beispiel in der Linzergasse treffen oder im Nonntal und einfach mal durchspazieren. Meldet euch gern bei uns unter info@fraeuleinflora.at. 

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