Skyline von New York
QWANT.Magazin

8 Dinge, die man als Salzburgerin in New York vermisst

Eine Exilsalzburgerin hat uns von jenseits des großen Ozeans erzählt, was sie in den States vermisst.

Wir leben ja sozusagen in einer Luftblase, deshalb tut uns ab und zu der Blick von außen auf unser Mozartstädtchen gut. Mara Vlatkovic hat uns von jenseits des großen Ozeans erzählt, was sie als Exilsalzburgerin in den States so vermisst.

Mara ist Salzburgerin und Mitt-Zwanzigerin, hat am LSE in London studiert, eine Zeit lang in Washington D.C. gearbeitet und ist schließlich in New York gelandet.

Die Berge

Klar sind New York’s Wolkenkratzer unglaublich. Und man fühlt sich auch klitzeklein in einer großen Stadt, wenn man die Avenues hinunter schreitet. Aber bei unseren Bergen gibt es einfach keinen Vergleich. Bei jedem Anflug des Salzburger Flughafens schweift mein Blick auf den Untersberg und die Alpenausläufer und fast jedes Mal kommen mir die Tränen in die Augen. Bei dieser Kulisse verblassen alle anderen Städte dieser Welt!

Alte Häuser

Und dabei meine ich richtig alt. Das älteste Haus in New York ist noch nicht mal 400 Jahre alt, und es war die Hütte eines Tischlers. Da hat unsere Festung mehr als doppelt so viel auf dem Buckel. In Salzburg sind wir meist an jeder Ecke von beeindruckender historischer Architektur umgeben und meistens bemerken wir es nicht einmal. Zumindest ging es mir früher immer so. Man könnte locker in mittelalterlicher Kleidung herumlaufen und wäre nicht fehl am Platz. Im Gegensatz dazu wussten wir im Mittelalter nicht mal, dass Amerika existiert.

Salzburger Touristen

Ihr glaubt mir nicht? Es gibt ganze Viertel in New York die man am besten gar nicht besucht (hallo Times Square). Ich weiß, die Getreidegasse ist auch kein Zuckerschlecken. Und doch scheint es mir, dass Salzburger Touristen es irgendwie schaffen, in einer Parallelwelt zu leben und uns als Mitbewohner nicht wirklich allzu sehr stören. Da kann in New York leider nicht die Rede davon sein: Man wird ständig nach dem Weg gefragt, muss um Selfiesticks herumnavigieren, und aufpassen, dass man Gestalten nicht mit dem Radl bei dem perfekten New York Avenue mit gelbem Taxi-Foto überfährt.

Sonntage und Feiertage

Klar, wenn ich sonntags Abend um 21 Uhr bemerke, dass ich nicht mal was zum Frühstücken am Montagmorgen habe, dann kann ein offener Laden in New York einem schon mal den Abend retten. Und doch ist da etwas dran, wenn man weiß, dass man an Feiertagen halt doch nicht schnell zum Billa kann. Und dass man die Weihnachtstage essentechnisch richtig gut planen muss, oder riskiert, am Ostermontag hungrig zu bleiben. Außerdem hat man in Salzburg so auch schnell einen Grund, auf dem Sofa zu versacken oder in die Berge zu wandern und der Welt abzuschwören. Und manchmal ist das auch gut so.

Weihnachten

Wenn wir schon bei Feiertagen sind. Es gibt kein schöneres Weihnachten als in Salzburg. Kein Wunder, dass das berühmteste Weihnachtslied aller Zeiten hier geschrieben wurde. Aber ich gebe zu, vielleicht sind es auch eher die Weihnachtsmärkte, die ich vermisse. Zu Weihnachten selber zieht es mich nämlich doch nach Hause und meine liebe Familie gibt mir da auch keine andere Wahl.

Kaffeehäuser

Muss ich mehr dazu sagen? Bei uns: richtig (richtig!) guter Kaffee, von den Kuchen und Torten will ich gar nicht anfangen und die launischen Ober in Salzburg himmle ich sowieso nur noch an. Unvergleichbar mit dem grauslichen braunen Wasser im Papierbecher, mit falsch gekritzelten Namen und irgendetwas, dass wahrscheinlich als ein “Muffin” bezeichnet werden muss. Oder mit dem Fakt, dass jeder Starbucks, aber auch wirklich jeder, genau gleich aussieht. Und an jeder Ecke vorzufinden ist. Lang lebe die Salzburger Kaffeehauskultur!

Jo eh!

Was ich wirklich vermisse: das Salzburger “Je ne sais quoi”. Die Ungeduld, das Besserwissen, die Arroganz. Als Salzburger hört man öfter mal die Beschwerden anderer nicht-Salzburger. Dabei werden wir wahrscheinlich nur zutiefst unverstanden in der Welt, denn ich nenne es Ehrlichkeit.

Wenn mich ein New Yorker im Supermarkt überfreundlich mit “Hellooo, how are you today?” begrüßt und auf eine Antwort wartet, zweifle ich erstmal an dieser Freundlichkeit, zweitens an seiner Zurechnungsfähigkeit.
Und während ich hilflos “Fine, thank you” stammle, träume ich vom ehrlichen Salzburger, der jetzt irgendwo mit “Na, hawedere!” antwortet.