Aus dem Magazin

7 Dinge, die man in drei Jahren Salzburger Studentenwohnheim lernt

Das Studentenwohnheim ist der Inbegriff jugendlicher Partyexzesse, wilder Liaisons mit Erasmusstudierenden und nächtelangen Bierpongspielens mit angehenden Medizinern. Nachdem ich drei Jahre in einem renommierten Salzburger Wohnheim verbracht habe, kann ich rückblickend sagen: Dem ist nicht so. Wir haben mit den Mythen des Wohnheimlebens aufgeräumt und einen schonungslosen Einblick in das heutige Wohnheimdasein in Salzburg gegeben.

#1: Du wirst überall Freunde finden. Nur nicht im Wohnheim.

Das liegt nicht an der mangelnden Sozialität der Heimbewohner*innen. An meinem allerersten Tag im Wohnheim sprang mir ein Erstsemestriger über die Stiege entgegen und bot sich an, mir beim Tragen des Gepäcks zu helfen. In meiner provinziellen Naivität nahm ich seine Hilfe dankend an, in größter Freude, die ersten Wochen in einer neuen Stadt nicht gemeinsam mit einer clever-Tüte Chips vor dem Laptop zu verbringen.

Meine nette Stiegenhausbekanntschaft entpuppte sich aber leider als aufdringlicher Postmaturant auf Balz und unsere Beziehung endete in einer endlosen Diskussion, in der ich mein Desinteresse an ihm argumentieren musste und schließlich im Auszug des Herrn aus dem Wohnheim.
Die Lektion, die ich weitergeben kann, ist, dass du keine Freunde im Aufzug, im Stiegenhaus und im Flur deines Wohnheims finden wirst. Das liegt aber, wie gesagt, nicht an der mangelnden Sozialität der Heimbewohner*innen.

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#2: Es ist die beste Zeit, dein Singledasein zu beenden.

Warum? Weil Aufzug, Stiegenhaus und Flur eines Wohnheims die besten Orte sind, um Smalltalk zu erlernen, den catchy Augenaufschlag und das Verführerlächeln. Studierende leiden prinzipiell immer an Hormonüberschuss. Da das Campusgelände heutzutage aber wegen permanenten Leistungsdrucks für genitales Empfinden ungeeignet ist, lässt sich eine Verlagerung sexueller Interessensbekundungen in Richtung Wohneinrichtung beobachten. Ein Schelm, wer Böses denkt, wenn aus dem belanglosen Gespräch im Fahrradkeller ein intimes im Zimmer 311 wird und sich die Hände zweier Bewohner*innen im Waschkeller beim Höschenfalten zufällig berühren.

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#3: Das Wohnheim macht eine/n Raucher*in aus dir.

Viele Wohnheime- wie auch das meine- bieten heutzutage größtenteils Garconnieres und Einzelzimmer an, so bleibt die Möglichkeit, seine sozialen Kontakte zu pflegen, auf der Strecke. Die Problematik habe ich bereits in Punkt 1 näher erläutert. Wer in guter Hoffnung zum Socialising in den Gemeinschaftsraum geht und den ranzigen Billardtisch außer Acht lässt (dazu später mehr), wird zwingend auf die Rauchergemeinschaft im Wohnheim treffen. Während gesundheitsbewusste Menschen diesen Ort nämlich meiden und in ihren Zimmern vereinsamen, haben sich die Raucher*innen des Wohnheims bereits vernetzt und verbringen ihre Lernpausen in fröhlicher Gesellschaft.

Es wird geplaudert und philosophiert, das ein oder andere Bierchen gekippt und Stripbillard gespielt. Freuden, die jeder gesunden Lunge entgehen.
Wer also Teil dieses Kollektivs werden will, muss entweder immun gegen permanenten Zigarettengeruch in Kleid und Haar werden, oder selbst zum Glimmstängel greifen.

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#4: Jedes Wohnheim hat seinen Methusalem

Es ist immer dieser eine Student (Geschlecht tatsächlich männlich), der sich in altersbedingter Weisheit immer noch längst nach abgeschlossenem Studium zum Schein inskribiert hat, um die Vorzüge des Studentenwohnheims zu genießen. Er ist Mitte bis Ende dreißig und einer der wenigen, der mit dir Gespräche über Mietpreise und Angela Merkel führen wird, während er Whiskey aus der Flasche trinkt. Sich mit dem Methusalem anzufreunden bedeutet, einen Vaterersatz in der fremden Stadt zu bekommen, der dir die alltäglichen Lifehacks für Studium und Wohnheim liefert (wo er ja schon gewohnt hat, als du noch ein nichtiges Spermium im Hoden deines Vaters warst). Er wird dir hochqualitatives Gras verkaufen und dir am Tag vor der Prüfung aufmunternd auf die Schultern klopfen und dich raus scheuchen, weil du deine Jugend feiern sollst anstatt zu pauken. Lerne den Methusalem zu schätzen, denn irgendwann wird ihm die Heimverwaltung auf die Schliche kommen und ihn vor die Tür setzen. Dann weißt du erst, was du an ihm hattest.

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#5 Partyexzesse im Wohnheim sind Ausnahmesituationen.

Zumindest wenn die Auflagen es verlangen, dass ab 10 Uhr abends Zimmerlautstärke herrscht und die Gemeinschaftsräume zeitweise zwischen acht Uhr und Mitternacht abgeriegelt werden.

Das Partyleben im Wohnheim wurde von amerikanischen Collegefilmen idealisiert und heroisiert, im Salzburger Wohnheim landet man sehr schnell am harten Boden der Realität.
Partys, die ich in meinen drei Jahren Wohnheimkarriere erlebt haben waren: Eine Geburtstagsfeier, welche die Heimverwaltung mit abgeschlossenen Gemeinschaftsräumen sanktionierte; eine Erasmusparty, die von der hauseigenen Wohnheimcommunity mit einem Shitstorm in der Facebookgruppe geahndet wurde und meine eigene Party, die wir nach Mitternacht sicherheitshalber in städtische Lokalitäten verlegt haben. Natürlich hat die mangelnde Festivität auch ihre guten Seiten: Keine betrunkenen Krachmacher, die dich um den Schlaf bringen und kein Slalomlauf um Kotze im Flur am Morgen danach zum Beispiel.

 

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#6 Privates ist im Wohnheim keine Privatsache.

Auch wenn du deine Nachbarin wahrscheinlich weder mit Namen kennst, noch ihr Gesicht, wirst du sehr bald mehr als dir lieb ist über ihre sexuellen Vorlieben wissen. Wohnheime sind billig gebaut und die Wände oft so dünn, dass man sich unfreiwillig näherkommt und Telefongespräche mit Mama über Verdauungsprobleme belauscht und das leise Schluchzen des Erstis, der sich in den Schlaf weint, mitbekommt. Übrigens verhält es sich mit Gerüchen gleich: Die geübte Nase erschnuppert sofort, wenn das Zimmer nebenan Chinesisch kocht oder sich einen Dübel anzündet. Aber all diese Erfahrungen bringen dich zu einer wohltuenden Erkenntnis: Es menschelt hinter der glatten Instagramfassade überall.
Wir hören uns eben alle nicht wie Pornostars an wenn wir kommen, wir brauchen immer noch ab und zu ein stärkendes Wort von zuhause und haben alle unsere Probleme. Und diese wohltuende Erkenntnis ist das mit Abstand tröstendste, was du aus der Zeit im Wohnheim mitnehmen kannst.

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 #7 Der einzig wahre brauchbare Ratschlag

Letzten Endes ist gut bedient, wer sich keinen der genannten Punkte zu Herzen nimmt. Wahrscheinlich wirst du deine beste Freundin im Wohnheim kennenlernen. Oder die Affäre eines spanischen Erasmusstudenten werden, der sich ein Zimmer mit einem iranischen Ingenieur im Wohnheim teilt. Vielleicht wirst du im Gemeinschaftsraum den Absturz deines Lebens feiern und deine Zimmernachbarn eh nie schnackseln hören weil du sie selbst übertönst. Der einzig wahre und brauchbare Ratschlag ist es wahrscheinlich, sich den Lebensraum Wohnheim völlig unvoreingenommen anzueignen.

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