Kultur Literatur

10 dystopische Romane, die ihr unbedingt lesen müsst

Für alle, denen Horrorfilme nicht reichen und Beklemmung brauchen

Eine Leseliste für alle, die irgendwas zwischen Dracula und absoluter Beklemmung brauchen

Dunkelheit, Weltschmerz, Politikverdrossenheit und das Gefühl, dass sowieso alles den Bach runtergeht: Falls ihr euch vor der Zukunft fürchtet, haben wir 10 Bücher für euch, die es garantiert noch schlimmer machen.

Was ist überhaupt eine Dystopie? Eine in der Zukunft spielende Erzählung, die – im Gegensatz zur Utopie – wenig Hoffnung macht. Traditionell zählen zu diesem Genre in erster Linie Geschichten über tyrannische oder anderweitig unschöne Gesellschaftsformen, später sind Naturkatastrophen, Viren, Endzeitszenarien in den Fokus der dystopischen Romane gerückt. Kein Wunder, diese Themen beschäftigen uns ja auch in der Realität. Fakt ist: Die folgenden 10 Romane beschwören auf die eine oder andere Art einen Weltuntergang herauf, sind düster, hyperrealistisch und trotz der Gänsehaut, die sie verursachen, unterhaltsam – oder grade deswegen.

#1 Ling Ma: New York Ghost

Das Erstaunlichste an diesem Buch ist, dass es 2018 geschrieben wurde – und aus heutiger Sicht prophetisch wirkt. Es erzählt von einer Pandemie, einem Virus, das durch die Atemluft übertragen wird, ausgehend von China. Großartig geschrieben, spannend und klug, wie ein Splatter-Movie, ein dystopischer Actionfilm, aber auch leise, melancholisch und voller Einsamkeit, anklagend und gesellschaftskritisch, den Kapitalismus anprangernd. Eine beeindruckende und nachhallende Fiktion, die wahr geworden ist.

#2 Megan Angelo: Followers

Im Jahr 2051 lebt Marlow in einem inszenierten Ort namens Constellation und wird rund um die Uhr gefilmt. Gesponsert von der Pharmaindustrie, ist sie das Gesicht für ein Medikament, das alle Gefühle hemmt. Doch sie haut ab und versucht, herauszufinden, was 2015 passiert ist, als alle Menschen, die viel auf Bildschirme gestarrt haben, in eine Art inneren Nebel gefallen sind. Gelungener und ungewöhnlicher Mix aus Trash-TV, Gossip und Dystopie, unheilvoll und mit schönen Seitenhieben auf unseren Geltungsdrang und unsere Internetsucht.

#3 Sandra Newman: Ice Cream Star

Ein dystopischer Roman mit klassischer Kulisse: Die Menschheit ist zum Großteil ausgerottet, die Überlebenden sind dreckig, hungrig und bewaffnet. Es gibt Tote, Hass und Krieg, Elend und Hoffnungslosigkeit. Aber es gibt auch die Liebe. Massiv beeindruckend ist die Sprache: Sandra Newman ist es gelungen, einen ganz eigenen Stil zu finden, Neologismen zu kreieren, einen Duktus, der neu ist und anders. Dadurch hat dieses Buch einen nie gehörten Ton. Es ist überwältigend und brutal, verstörend und grausam, aber auch feinsinnig, poetisch, weich.

>>> Schon gelesen: 13 Gründe, warum ihr ein schlechtes Buch abbrechen solltet <<<

#4 Sibylle Berg: GRM

Nichts gibt einem ein derart allumfassendes Gefühl von Trostlosigkeit und Menschheitshass wie die Bücher von Sibylle Berg. Man will sich mit den Papierseiten ihrer Romane das Herz aufschneiden, so weh tut das alles. Und gleichzeitig ist es unglaublich pointiert, entlarvend und wahr: die Lächerlichkeit der eigenen Existenz, die Sehnsucht nach Berührung, nach Zusammengehörigkeit, die Bedürftigkeit. GRM ist ein schwarzes, sarkastisches, extrem schmerzhaftes Buch und gerade deshalb nichts weniger als ein Meisterwerk.

#5 Artur Dziuk: Das Ting

Ein Team aus vier jungen Menschen will eine App namens Das Ting serienreif machen, um damit alle Smartphones weltweit auszustatten. Während wir lächeln, weil das Ting weiß, ob die Anwender zu wenig getrunken haben, mehr schlafen und bessere Entscheidungen treffen sollten, benutzen wir bereits jetzt genügend Apps, die dasselbe tun. Artur Dziuk hat einen Google-Future-Dystopie-Roman kombiniert mit Gossip-Dawson’s-Creek-Junkfood geschrieben. Intrigen und Romance, Geld, Ruhm und Verrat – dieses Buch ist wie eine spannende Netflix-Serie.

#6 Helene Bukowski: Milchzähne

Ein Roman über die Grausamkeit der Menschen, über die Seelenlosigkeit derer, die andere ausgrenzen, verachten, wegschicken und sie, wenn das mit dem Wegschicken nicht funktioniert, töten. Es wird heißer, die Lebensmittel gehen zur Neige, Skalde und Edith leben allein in einem Haus. Bis die rohaarige Meisis auftaucht, die Zuflucht sucht. Wir Menschen werden niemals Menschlichkeit erlernen, deshalb bleibt uns nur der kollektive Untergang. Ein manchmal zäher Roman, ein wenig anstrengend, klar und unverklärt, genau wie das, worum es geht: Angst.

#7 Jürgen Bauer: Ein guter Mensch

Marko fährt einen Tankwagen – und sieht jeden Tag das Schlechte im Menschen. Denn sein Tankwagen enthält Wasser, und davon gibt es viel zu wenig. Alle sind durstig, alle sind in Gefahr. Als die Mitglieder einer Bewegung namens Dritte Wille anfangen, bei Happenings Wasser zu verschwenden, aus Protest, aus Provokation, um die Apokalypse schneller herbeizuführen, droht das labile Gleichgewicht endgültig zu kippen – and hell breaks loose. Klug, scharfzüngig, politisch brisant und hochaktuell. Was Bauer hier erzählt, macht einem eine Scheißangst.

#8 Jakob Arjouni: Chez Max

Im Jahr 2064 ist es die Aufgabe von Max und Chen, Verbrechen aufzudecken, bevor sie geschehen. Wer plant, einen Mord zu begehen oder mit Drogen zu handeln, wird eingesperrt – noch ehe er die Tat verüben kann. Was war Jakob Arjouni für ein schlauer Mensch! Anhand der Verbrechensbekämpfung erzählt er eine soghafte Geschichte aus der Zukunft – die auf raffinierte Weise zu einer self-fulfilling prophecy wird. Eine Story, die sich selbst auf wunderbare Art ad absurdum führt – und dadurch ihre eigene Hypothese beweist.

#9 George Saunders: Zehnter Dezember

Es ist ziemlich beschissen, das Leben der Figuren in den zehn Short Storys von George Saunders. In einer Obstschale voller Äpfel sind sie die Früchte mit den angeschlagenen Stellen. Die wahnwitzigen Kurzgeschichten spielen in der Gegenwart oder einer Art Zukunft, die sich unheimlich real anfühlt – in der Menschen etwa daran arbeiten, das Menschsein selbst zu beherrschen. Die Storys sind verwirrend, sperrig, unzugänglich, sprachlich derb und mitleidslos, muten manchmal wie Science-Fiction an und haben dabei etwas großartig Originelles.

#10 Xaver Bayer: Geschichten mit Marianne

Sehr kurios sind sie, die Erzählungen in diesem Buch, bitterböse, irritierend und zutiefst ironisch: Sie enden im Extremen, im Ungeheuerlichen, im Verderben – wobei nicht immer greifbar ist, worin dieses Verderben besteht. Dann beginnt alles neu, als wäre nichts geschehen. Eine unheimliche, makaber geschwärzte Stimmung liegt über den kurzen Episoden, das Unglück wird oft genug absichtlich heraufbeschworen. Was so typisch österreichisch daran ist? Ein bisserl Vergnügen kann man dem größten Schrecken noch abgewinnen – den man selbst provoziert hat.


(c) Gyöngyi Tasi

Mareike liest und schreibt

Es ist so: Wir kennen keinen Menschen, der so viel liest wie Mareike. Wer uns nicht glaubt, kann auf Instagram nachschauen. Vielleicht ist das der Grund, warum sie so viel gelobt wird und so schöne Bücher schreibt. Weil wir die ersten beiden schon gelesen haben, warten wir jetzt gespannt auf Nummer 3. Daran wird schon gearbeitet, godbethank.

Datenschutz
Wir, Salt & Söhne OG (Firmensitz: Österreich), verarbeiten zum Betrieb dieser Website personenbezogene Daten nur im technisch unbedingt notwendigen Umfang. Alle Details dazu in unserer Datenschutzerklärung.
Datenschutz
Wir, Salt & Söhne OG (Firmensitz: Österreich), verarbeiten zum Betrieb dieser Website personenbezogene Daten nur im technisch unbedingt notwendigen Umfang. Alle Details dazu in unserer Datenschutzerklärung.