Ausflugstipps Rausgehen

10 Fotospots in Salzburg

Alternativer Stoff für die Linse

Dass sich Salzburg als fototaugliche Instabitch präsentiert, ist kein Geheimnis. Wer sich durch die Bildportale des Internets klickt, kann sogar empfinden, dass die Stadt leergeknipst ist. Die Festung in jedem Tageslicht, die Stadtfassade zu jeder Jahreszeit und der Ausblick von den Stadtbergen in jeder Stimmung: Irgendwie scheint jedes Fotomodell irgendwann verbraucht zu sein. Deshalb haben wir uns auf die Suche nach kleinen, versteckten Plätzchen gemacht, die jedem Westentaschenfotografen Rührungstränen in die Augenwinkel zaubern und ein anderes Bild von der Stadt preisgeben: jung, frech und ein bisschen verträumt. Dafür stehen wir mit unserem Namen.

#1 Das Mädchen von der Tändlerei

Wer sich Zeit für einen Spaziergang durch die Steingasse nimmt, hat per sè schon ein ziemlich schönes Fleckchen Salzburg entdeckt: Ein bisschen erinnert die gepflasterte Gasse mit den hohen, altertümlichen Fassaden an ein norditalienisches Centro Città. Am allerliebsten bleiben wir vor der alten Tändlerei stehen, wo sich ein außergewöhnliches Kunstwerk über die zerkratzte Fassade geschmuggelt hat. Ein junges Mädchen, ganz verträumt vor einer surreal anmutenden Häuserfront. Dahinter stecken die Street Artists JANA & JS, die auch anderswo in Salzburg Kunst mit Urbanem in Einklang gebracht haben. Wo genau, muss man dann schon selbst rausfinden.

#2 Die Baumveteranen am Kühberg

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Wenn Mönchs- und Kapuzinerberg fototechnisch ausgedient haben, kann man die Stadtbergspaziergänge gern um den Kühberg erweitern. Die Aussicht am Gipfel ist zwar im Vergleich zur Humboldtterrasse bescheiden, dafür entdeckt man als Wanderer*in mit Blick fürs Detail manche seltene Orchideenart. Oder steinalte Bäume, die schon Napoleons Feldzüge miterlebt haben. Weil auf der Höhe vor dem Gipfel das Gelände auch wieder etwas abflacht, umrahmen die hölzernen Riesen so manchen Blick ins Tal.

#3 Der Unipark

In Studentenkreisen hört man sich und andere gerne über das Gebäude Unipark schimpfen: Zu heiß die Glasräume im Sommer und zu einsichtig, zu labyrinthisch die Gänge. Und die Bibliothek ein Betonbunker mit mangelhafter Tageslichtquelle. Für das ästhetische Auge urbaner Zeitgenoss*innen bieten die Säulen und abgeschrägten Böden aber verspielte Eindrücke zeitgenössischer Architektur. Und sogar der letzte Grantler wird missmutig zustimmen: Die Aussicht von der Dachterrasse ins Tennengebirge und auf die Festung, im Sommer von Schafen beweidet, ist ein Blick für jedermann.

#4 Die Autobahnbrücke Salzburg-Nord

Wir bleiben bei urbanem Feeling, und ohne Festung geht sowieso nix, also haben wir uns zur Autobahnbrücke Nord gesellt. Nicht nur, dass es unter der Straße großstädtisch nach viel zu schnellen und viel zu vielen Autos rauscht, die schöne Stadtfassade zeigt sich hinter den lilafarbenen Brückengittern von ihrem urbanromantischen Antlitz. In ihrer knapp 80- jährigen Geschichte hat die Brücke auch schon einige dramatische Zäsuren erlebt: Eine Hochwasserflut etwa, die sie 1959 zum Einsturz brachte.

#5 Die Steinbänke am rechten Salzachufer

Ein bisschen kitschig ist die Szene in „Die beste aller Welten“, als der kleine Adrian mit seiner Mutter und deren Freunden an der Salzach grillt und Feuerfunken in den Abendhimmel aufsteigen und irgendwo verglimmen. Da haben wir uns gedacht: Die Steinbänke auf der rechten Salzachseite zwischen der Stadt und Bergheim sind schon irgendwie schön. Führt der Fluss nämlich wenig Wasser, kommen Steinbänke zur Vorschau, die an skandinavische Landschaften erinnern. Eignet sich besonders gut zum Liegen, sich Lieben und Grillen. Letzteres ist zwar genauso wie vorletzteres streng genommen nicht erlaubt, wir haben aber gehört, dass manche in Salzburg sich zumindest über das geltende Grillverbot hinwegsetzen.

#6 Die Panzerhalle

Während früher Rekruten monoton Panzerketten geölt haben, hat sich die Panzerhalle in Maxglan heutzutage zu einem modernen Kreativzentrum entwickelt. Ihr Charme macht vielleicht der Kontrast ihrer Geschichte zwischen hipper Kunst und Kultur aus. Die Halle wurde nämlich als Struberkaserne von der deutschen Wehrmacht gebaut, später brachten die Amerikaner hier jüdische Displaced Persons unter. In den Backsteinen findet man immer noch Initialen und Kritzeleien von Rekruten, Soldaten und Passanten. Als die Kaserne schließlich dem Verfall freigegeben worden war, bot sie Street Artists willkommene Flächen zur künstlerischen Verwirklichung. Inzwischen wurde sie revitalisiert und beherbergt Shops, Coworkingspaces, Lofts und Veranstaltungshallen. Und ist immer einen Bummel wert.

 

#7 Der kleine Markt in der Franz-Joseph-Straße

Nicht nur, dass das Andräviertel dank dem Architekten Valentin Ceconi dem Ringstraßenstil nachempfunden wurden- auch der kleine Markt in der Franz-Joseph-Straße erinnert an den Naschmarkt, nur viel kleiner und vor allem lärmberuhigt. Da gibt es einen italienischen Feinkosthändler, der Wurst, Käse im, und Obst und Gemüse in Kisten vor dem grünen Marktstand zur Schau stellt; ein Marktbeisl und die liebenswerte Pescheria Backi, wo man mediterane Lust schnuppern kann. Entzückend für Auge und Gaumen.

#8 Das Hexenloch in Aigen

Am besten im Herbst vorbeischauen, dann haut das mit der mystischen Stimmung auch hin: Im Aigner Park befinden sich nicht nur verzweigte, leicht gruselige Waldwege am Fuße des Gaisbergs, sondern auch das Hexenloch. Es gilt das Kraftplatz und hat seit jeher alle möglichen okkulten Machenschaften rund um die Walpurgisnacht angezogen. Wo über die Walpurgisnacht fantasiert wird, ist auch ein Fabulieren über alte Illuminativersammlungen nicht weit. Illuminati hin oder her, die dunkle, wasserspeiende Höhle ist ein ansehnlicher Fotospot.

#9 Das Dach des Europarks

Das Dach des heimischen Shoppingtempels Europark ist eine Mischung aus einer Gardalandachterbahn und einem Ausstellungsobjekt aus dem Museum der Moderne in Übergröße. Die rote Dachkonstruktion des italienischen Architekts Massimiliano Fuksas soll dabei an die drei Salzburger Stadtberge erinnern. Stadtberge hin oder her: Wir erachten die Parkfläche auf dem Dach als perfekte Location für Musikvideos, sollte derartiges nicht schon existieren.

#10 Das Gut Guggenthal

Lost Places folgen bekanntlich ihrer eigene Ästhetik. Meist sind es Orte oder Gebäude, die irgendwie verlassen dastehen und von der Natur zurückerobert werden. Wer diesem Faszinosum in Salzburg dabei zuschauen will, fährt nach Guggenthal, am Fuß des Gaisbergs. Zwar steht das Gut unter Denkmalschutz, der ihn aber nicht vor dem Charme des Memento Mori schützen konnte. Auch nicht vor einem Brand, der das Brauhaus im Frühling bis zu seinen Gemäuern abgebrannt hat. Betreten des Privatgrundstücks ist verboten, in Brauerei, Wirtshaus und Schloss sollte man deshalb aus Respekt und nicht reingehen, moralischer Verfall und so.

Veronika Ellecosta

Veronika Ellecosta ist aus Südtirol ausgewandert, des Studiums und des Auswanderns wegen. Ist in Salzburg angekommen. Hat bei Fräulein Flora Unterschlupf gefunden und begonnen, die Stadt schreibend zu erkunden und damit immer wieder aufs Neue anzukommen.