09.26 vom Gift der Gesellschaft, kaputten Systemen in Systemen und dem Zuhause

SALZBURG – was ging in der KW 09? In unserer lokaljournalistischen Meinungsoffensive aka News-Podcast wurde zum zweiten Mal in wenigen Monaten unsere Wertewelt komplett erschüttert: Eine Frau geht zur Polizei, zeigt einen Sexualdelikt an, wird vom Polizisten, der die Anzeige aufnimmt dann mehrmals auf WhatsApp kontaktiert. Irgendwann ist es der Frau genug, sie geht mit dem Screenshot zu einem anderen Polizeiposten und will gegen den Polizisten Anzeige erstatten. Und dann? Ja, was ist eigentlich dann passiert? Außerdem: Warum ist denn der illegale Abriss aka Entkernung von der Kaigasse 28 „Gift für die Gesellschaft“? Und dann: Warum fürchten sich denn mittelmäßig-kompetente Männer vor Frauen-Quoten? Ajo und gemma gemeinsam zur Vernissage von Siegrid Cain in den neuen fairMATCHING-Räumlichkeiten?

Wir sind Lokaljournalist*innen.

Oh Herr im Himmel oder Frau oder Katze, was war das für eine lange Reise? Nach zehn Jahren (und mehr?) in dieser Branche sind wir mitten im lokaljournalistischen Branchenevent re:think media draufgekommen: Wir sind Lokaljournalist*innen. Keine Creator, keine Influencer, keine Blogger. Und jetzt tun wir eben das, was der Lokaljournalismus von uns fordert: gemeinsam mit Katja Ilnizki von kokolores.media einen lokaljournalistischen Newspodcast für Salzburg machen. 

Der dieswöchige SWG-Preis geht an die mutige Frau, die aufsteht und sich mit allen Kräften gegen das Fehlverhalten der Polizei wehrt. Und der SWG-Preis geht diese Woche NICHT an die weiblichen Beamtinnen, die das systematisch schmutzige und falsche Verhalten ihrer männlichen Kollegen decken.

TALK OF TOWN: Was ist mit diesem kaputten System im System?

Eine Frau geht zur Polizei, zeigt ein Sexualdelikt an. Der Polizist, bei dem die Anzeige gemacht wurde, meldet sich im Anschluss mehrmals auf WhatsApp, versucht Kontakt aufzunehmen. Die Frau antwortet nicht. Nach drei Monaten kommt erneut eine Nachricht zum Polizisten, ob er ihr hier schreiben dürfe. Die Frau antwortet: „Verwechslung“? Der Polizist schreibt: „Eigentlich nicht. Schlimm?“ Die Frau blockiert die Nummer, geht zum nächsten Polizeiposten und will Anzeige erstatten. Zwei Polizeibeamtinnen nehmen den Fall entgegen, geben an, Rücksprache halten zu müssen, da es sich um einen Kollegen handle. Der Kollege wird unabgesprochen telefonisch kontaktiert. Der Frau wird gesagt, dass er sich nur nach ihrem Befinden erkundigen wollte, das sei nicht weiter ungewöhnlich. Wir finden den Fall schon etwas ungewöhnlich und deshalb auf Instagram diskutiert – und turns out: Es hat sich noch eine Frau gemeldet, die ebenfalls eine Nachricht vom selben Polizist erhalten hat. Was da jetzt Phase ist? Besprechen wir – wahrscheinlich noch länger.

WHAT HAPPENED IN SALZI? Wenn der Abriss eskaliert. 

Da kauft die Dose ein Altstadthaus, plant eine Sanierung, entkernt dann widerrechtlich das gesamte Gebäude – alles weg bis auf die Fassade. Viele verteidigen das Vorgehen (war eh nur alt, etc), andere regen sich fürchterlich auf. Tatsache ist: Die Kaigasse 28 ist ein sogenanntes „charakteristisches Haus“, in der Altstadt herrscht ein strenges Regelwerk, welche Häuse wie saniert werden dürfen und das, was da passiert ist, war ein Bauvergehen. Eine Strafzahlung (25.000 Euro) ist fällig, ein Baustopp verhängt, eine neue Baubewilligung ist einzuholen. Das kann Jahre dauern. Da fragt man sich: Was passiert mit dem Kran, der da gefühlt im Gastgarten der Läden in der Kaigasse steht? Bleibt der jetzt auch Jahre? Und auch: Warum tut man sich den ganzen Zirkus eigentlich an?

WHAT HAPPENED BESIDES? Teil 3 der Serie „Katjas Gedanken zur Kommunalpolitik“ anlässlich der Wahl am 8. März in Bayern.

Katja ist im Wahlmodus. Am feministischen Kampftag saunieren wir in Salzburg ganztags unter Frauen, in Bayern allerdings, da wählen sie. Anlässlich der Wahlen der Nachbarschaft haben wir uns angeschaut: Wieso sind so wenige Frauen in der Kommunalpolitik? Spoiler: Es liegt u.a. an den Listenplätzen. Und dann muss es ja kommen, das Q-Wort, gegen das sich vor allem mittelkompetente Männer aussprechen: eine Frauen-Quote in der Kommunalpolitik. Warum? Erklärt uns eine Professorin für Politik und Geschlecht ziemlich gut.

GEMMA GEMMA: zur „Hues of Home“-Vernissage in den neuen fairMATCHING-Räumlichkeiten

fairMATCHING ist ein Verein, der sich um Arbeitsvermittlung für Migrant:innen kümmert. Jetzt gibt’s für den Verein neue Räumlichkeiten in Schallmoos und zum Auftakt gleich eine wunderbar-intensive Fotoausstellung, geshooted von Bürokollegin und Fotografin Siegrid Cain. „Hues of Home“ heißt die Bilderreihe, zu Deutsch: Schattierungen und Nuancen von Heimat bzw. dem Gefühl von Heimat. Die Menschen wurden fotografiert, während sie von ihrer Defintion von Heimat erzählt haben, analog und authentisch. Start: 5. März 2026, 19.00 Uhr, Schallmooser Hauptstraße 40. 

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