Das haben wir uns schon oft gefragt, wenn wir alltagsvergessen an Salzburgs Mahnmalen vorbeigehechtet sind. Deshalb sind wir der Frage nachgegangen, wo wessen warum gedacht wird.

Das Antifaschismus-Mahnmal am Bahnhof

Der Bahnhof ist Ort des Kommens und Gehens. Im Nationalsozialismus wurde er zum Instrument des Verbrechens. Roma und Sinti aus dem ganzen Land Salzburg wurden nach Salzburg transportiert, wo sie im „Zigeunerlager Maxglan“ festgehalten wurden. Politische Häftlinge verließen den Bahnhof und wurden Richtung München oder Berlin in den Tod deportiert. Als Ort des Kommens und Gehens wurde so auch das Antifaschismus-Mahnmal von Künstler Heino Zobernig gestaltet: Als Wartehäuschen auf grauem, nüchternem Beton. Der vierte Pfeiler fehlt und nimmt dadurch dem Wartehäuschen seine Stabilität. Das deutet auf die ungewisse Zukunft jener, die damals den Bahnhof passieren mussten hin. Und darauf, dass auch heute demokratischen Werte immer wieder aufs Neue ausgehandelt werden müssen.

Der Regenbogen der Rainbow Division

Ein bisschen Gaypride-Stimmung verbreitet der Regenbogen am Rudolfskai. Er ist aber schon älter als die Schwulenbewegung. Die 42. US-Infanterie Division kam 1945 nach Salzburg und markierte manche Stellen, die sie passierte mit dem Regenbogen. Ein weiterer Regenbogen ziert beispielsweise einen Stein in Unken. Salzburg war damals amerikanische Besatzungszone, Kampftruppen hatten die Region gerade vom Nationalsozialismus befreit. Der Rainbow ist leider etwas ins Vergessen geraten, ins kollektive Gedächtnis geschafft hat es eher die imposante Militärparade ein Jahr später am Residenzplatz. Auch interessant: Der Kommandeur der Rainbow GI´s, Harry Collins, ist Ehrenbürger der Stadt Salzburg. Er half der Sound of Music-Sippe Trapp bei der Gründung der Trapp Family Austrian Relief Inc, einer Hilfsorganisation für Familien im Nachkriegsösterreich.

Das Denkmal zur Schlacht am Walserfeld

Was viele nicht wissen: 1800 standen sich im Walserfeld die napoleonischen und die österreichischen Truppen mit insgesamt mehr als 60 000 Soldaten gegenüber. Es war die größte Schlacht in Salzburg. Erinnern tut sich heute daran kaum mehr jemand, immerhin sind die französischen Truppen in Salzburg, damals noch Fürsterzbistum, einmarschiert. Der Boden aber erinnert sich und gibt manchmal noch Relikte der Schlacht von damals her: Geschosse und Hufnägel kann man im Salzburger Wehrgeschichtlichen Museum in der Schwarzenbergkaserne bewundern, selber ausgraben darf man sie leider nicht.

Bei Gois spaziert man deshalb besser ohne Spaten über das Feld zum Denkmal. Wie ein Ying und Yang dringt ein Bischofsstab dort zwischen zwei Steine: Der Eine aus Wachauer Marmor für die österreichischen Truppen, der Andere aus Notre Dame- Marmor für die Franzosen. Passend dazu die Inschrift in beiden Sprachen: „1800 Gewalt zerstört- Erinnerung lehrt- Friede vereint 2000“.

Übrigens

waren wir auf Spurensuche im Walserfeld

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Die Gedenktafel zur Bücherverbrennung

„Das war ein Vorspiel nur – dort, wo man Bücher verbrennt, verbrennt man am Ende auch Menschen“. Dieses Zitat steht auf der kleinen diskreten Steintafel am Residenzplatz. Dort fand nämlich die einzige groß zelebrierte Bücherverbrennung im an Nazideutschland angeschlossenen Österreich statt. Geschrieben hat diese Zitat eigentlich Heinrich Heine in einem Drama, das die Inquisition zum Thema hat. Später stand Heinrich Heine selbst auf der Liste jener Bücher, die den Flammen zum Fraß vorgeworfen wurden. In Salzburg entschied der Nationalsozialistische Lehrerbund, dass die Bücher am 30. April 1938 brennen sollten. Heute erinnert daran nur noch das kleine Detail am Rande des Residenzplatzes. Allerdings gibt es sehr aktuell den Versuch, zum Gedenkjahr 2018 ein großes Mahnmal fertigzustellen … dieser steckt zur Zeit im Bewilligungsverfahren und im Streit um den genauen Standort fest.

Die Trakl Gedenkstätte

Seine Kindheit und Jugend verbrachte Georg Trakl in Salzburg. Noch bevor er ein großer Sohn der Stadt wurde, lebte und starb er als fragiler Lyriker. In seinen Gedichten findet sich immer wieder ein düsterer und schwermütiger Salzburgbezug. Sieben Gedichttafeln mit den Orten als Titel oder Inhalt kann man über die Stadt verteilt an mal mehr und mal weniger versteckten Orten finden. Da wären zum Beispiel Tafeln am Mönchsberg, im Mirabellgarten und im Hellbrunner Schlosspark. Zusätzlich wurde Trakl zu Ehren im Heimathaus am Waagplatz eine Gedenkstätte errichtet, die neben einer Skulptur auch Dokumente aus Leben und Werk zeigt. Besuchen kann man die Gedenkstätte von Montag bis Freitag zwischen 11 und 14 Uhr.

Im Traklhaus befindet sich übrigens auch eine umstrittene Büste des Senegalesischen Dichters und Politikers Léopold Sédar Senghor. Sie wurde zu Ehren seines Salzburgbesuchs im Jahr 1977 errichtet. Umstritten ist die Büste, weil sie von Arno Breker gestaltet wurde, dem ehemaligen Vorzeigekünstler des Dritten Reiches. Das mag ein Mitgrund für den unprominenten Platz der Büste sein, die kaum ein Salzburger kennt.

Das Roma und Sinti- Denkmal

Der Antiziganismus im Nationalsozialismus fristete lange Zeit ein Schattendasein in der Erinnerungsarbeit. Daran, dass auch in Salzburg an die 300 Roma und Sinti ins sogenannte „Zigeunerlager Maxglan“ deportiert wurden und ihre Reise im Vernichtungslager Auschwitz endete, erinnert ein Mahnmal am Ignaz-Rieder-Kai. Hier befand sich damals auch das Zigeunerübergangslager. Das große Zigeunerlager Maxglan am Schwarzgrabenweg war 1943 aufgelöst worden, somit entschied man sich für die Stellen in Aigen. Dargestellt ist eine ausgestreckte Hand auf einem Sockel aus Ziegelsteinen. Der Sockel aus Ziegelsteinen ähnelt einem Schornstein und ferner an die Vernichtungsmaschinerie im Nationalsozialismus. Zur Erinnerung und Mahnung.

Ebenfalls kaum bekannt: Einige der im „Zigeunerlager Maxglan“ eingesperrten Roma mussten im Leni Riefenstahl Film „Tiefland“ als Statisten mitwirken. Die meisten davon wurden danach ermordet. Noch lange nach der NS-Herrschaft leugnete Riefenstahl ihre Kenntnis davon, bis ein Gericht das Gegenteil bestätigte.

Das NS-Euthanasiemahnmal

Im Salzburger Kurgarten erinnert seit den späten 80er Jahren ein Mahnmal an das Schicksal von mehr als 400 SalzburgerInnen, die der NS-Verfolgung zum Opfer fielen. Die Geschichte des Mahnmals sagt viel darüber aus, wie schwer vielen SalzburgerInnen bis heute das Erinnern fällt. Es dauerte nämlich ganze drei Jahre, bis ein Ort für das Mahnmal gefunden wurde. In der Christian-Doppler-Klinik wehrte sich die damalige Leitung dagegen, in der Altstadt sollte es nicht die Freuden der Festspielgäste stören und im Andräviertel gab es sogar ein Bürgerbegehren gegen das Mahnmal. Schließlich wurde es deshalb auf städtischem Grund errichtet – allerdings an einem Ort, der nichts mit den Ereignissen zu tun hat. Dass das Mahnmal heute überhaupt steht, verdanken wir dem Einsatz des im heurigen Jahr viel zu früh verstorbenen Halleiners Walter Reschreiter, der sich Zeit seines Lebens für die Erinnerung an die Opfer der NS-Euthanasie einsetzte.

 

Was die Denkmäler in Salzburg erzählen.