Pünktlich zur Zeitumstellung gibt’s von uns einen neuen Ausflugtipp vor den Toren der Stadt: Die „Geisterstadt“ bei Fürstenbrunn lässt sich leicht am Feierabend erkunden und bietet spannende Einblicke in die Geschichte der Erzeugung des Untersberger Mamors. Ein Relikt vergangener Industriekultur mit besonderem Flair.  

Der Untersberg ist ja für allerhand Mystisches und Gruseliges bekannt. Und so liegt ganz in der Nähe der Höhle, die der Sage nach das Ohr des Kaisers Karl ist, die so genannte „Geisterstadt“. Ok, die größte Enttäuschung gleich vorweg: Salzburg ist nicht Arizona und darum wartet im Bergwald oberhalb von Fürstenbrunn weder ein verlassener Saloon, noch das verfallene County Jail auf abenteuerlustige Ausflügler*innen. Vielmehr handelt es sich bei unserer Geisterstadt um ein altes Steinbruchgelände, auf dem bis in die 60er Jahre Marmor verarbeitet und abgefertigt wurde. Wer jedoch wie wir den Charme aufgelassener Infrastruktur liebt und der Natur gern zusieht, wie sie sich Bereiche zurückerobert, wird mit Sicherheit einen spannenden Nachmittag vor den Toren der Stadt verbringen.

Wanderung in eine vergessene Welt

Der Ausgangspunkt für unseren kleinen Ausflug in die Welt des Marmorabbaus vergangener Tage ist die Buskehre in Fürstenbrunn. Wir folgen der Straße auf der rechten Bachseite (Brunntalweg) zu einem geschotterten Lagerplatz, auf dem früher Marmorblöcke zwischengelagert wurden. Neben einem markanten Felsblock führt ein steiler Pfad in den Wald. Es handelt sich um die Trasse einer ehemaligen Betriebsbahn, mit der Marmor aus den höher liegenden Brüchen ins Tal befördert wurde.15 bis 20 Minuten dauert der schweißtreibende Anstieg zur Geisterstadt. Er führt vorbei an einem tosenden Wasserfall, in dessen Gumpen man im Sommer durchaus ein erfrischendes Bad nehmen kann. Neben dem Weg sehen wir erste verfallene Gebäude und eine alte, umgestürzte Lore. Die Wadln brennen, als wir einen Stein erreichen, auf dem in grünen Lettern der Satz „Welcome in Ghost Town“ steht. Mein sprachverliebter Begleiter redet irgendwas von englischer Grammatik, roter Farbe und Korrektur.

Ein paar Meter weiter erreichen wir auf einem kleinen Plateau, das von großflächigen Schliffen eingerahmt ist das Ziel unserer Wanderung. Hier, im sogenannten „Mayrbruch“ befand sich bis vor ca. 60 Jahren die Verarbeitung und Abfertigung für Marmorblöcke aus den Steinbrüchen in der Umgebung. Mit einer kleinen Bahnlinie, die die einzelnen Brüche miteinander verband wurde der Marmor über die westlich gelegene „Teufelsschlucht“ hierher transportiert, gesägt und dann mit der Standseilbahn hinab nach Fürstenbrunn befördert, von wo aus sie teils bis in die USA exportiert wurden.

Teufelsschlucht und Hängebrücke: Ein Hauch Wilder Westen

In der „Geisterstadt“ befanden sich neben Betriebsgebäuden für die Bahnen eine Marmorsäge, sowie Aufenthalts- und Wohngebäude für die Arbeiter. Die alten Werksgebäude sind mittlerweile weitgehend eingestürzt, die Gleise gibt es allerdings noch. Sie führen in die Teufelsschlucht, wo ein Eisengitter den Weiterweg versperrt. Man hätte zwar die Möglichkeit , die Schlucht auf den Resten einer abenteuerlichen Hängebrücke zu überqueren; was jedoch vermutlich bereits im intakten Zustand eher den Schwindelfreien vorbehalten war.

Im hinteren Teil des Mayerbruches lädt eine Feuerstelle dazu ein, laue Sommernächte hier zu verbringen und die mit mehr oder weniger fantasievollen Grafitties zugebombten Felsen zeugen von lebendiger Jugendkultur. Unweigerlich stellt man sich vor, wie die erwähnte Hängebrücke in Verbindung mit der lauen Sommernacht und einer Portion jugendlichen Leichtsinns nach ein paar Bier zu fragwürdigen Mutproben verleiten könnte.

Als werdender Vater verwerfe ich solche Gedanken gleich wieder und wir kraxeln über die Felsen zu einem Pfad, der in 10 Minuten hinab zum „Wasserschloss“ führt. Aus der spektakulären Quellfassung aus dem 19. Jahrhundert wird heute der Westen der Stadt Salzburg mit Trinkwasser versorgt. Ganz in der Nähe – etwas versteckt – befindet sich auch das eingangs erwähnte „Karlsohr“. Eine 20 Meter tiefe Schachthöhle, die man früher für Orakelzwecke genutzt haben soll. Von hier aus sind wir in wenigen Minuten wieder in Fürstenbrunn.

Wer gerne mehr über den Marmorabbau sowie über geschichtliches und sagenhaftes um den Untersberg erfahren möchte dem sei das kleine, aber durchaus sehenswerte Untersbergmuseum beim Ausgangspunkt empfohlen. Alle, die jetzt jedoch genug von Tagebautechnik und Esoterik haben erholen sich am besten bei einem kühlen Bier im nahen Gasthof Fürstenbrunn oder im Cafe Kugelmühle.

Tipp von einem Leser

„Kleiner Tipp … ich würde den Text zur Geisterstadt etwas umändern, weil es is dort oben VERBOTEN Feuer zu machen … hat mich 175 € gekostet …“

xxx

Die Geisterstadt am Untersberg