Theater in Salzburg: Wie eine Frau viele Männer runiert

Ab und zu gönnen wir uns auch ein bisschen Kultur. Dann klappern wir das Programm der hiesigen Einrichtungen ab, um meist erst recht wieder ins Kino zu gehen. Dieses Mal hat uns aber das Landestheater erwischt. Dort spielt’s gerade ein Stück, das Netflix auf 3D sein könnte: Intrigen, Sex, Mord. Und eine Frau, die das alles auslöst.

Von der Gosse in die Gosse. Dazwischen eine ver­dammt geile Zeit. So oder so ähnlich könnte man die Geschichte von Frank Wedekinds Lulu zusammenfassen. Wenn da nicht die erfolglose Suche nach echter Liebe wäre. Oder die vielen toten Männer. Die Spielchen und Intrigen. Wer ist diese Lulu und was finden alle an ihr?

Lulu: Ein bisschen Lolita muss sein

Der Verleger Dr. Schön entdeckt die 12-jährige Lulu auf der Straße und nimmt sie auf. Was aus Mitleid beginnt, wird später zu Liebe. Oder so etwas Ähnlichem. Obwohl der reiche Chefredakteur eine Affäre mit dem jungen Ding beginnt, denkt er nicht ans Heiraten. Denn: Lulu passt nicht ganz in sein soziales Gefüge.

Lulus ungehemmte Lebenslust und ihr absolutes Desinteresse an gesellschaftlichen Normen sind für Männer Reiz und Konfliktstoff zugleich.

Ganz aufgeben will er seine Maitresse aber doch nicht. Dafür organisiert er extra zwei Ehemänner für sie, die ihr beide verfallen und daran zugrunde gehen. Was die Männer an Lulu lieben? Ihre unge­hemmte Lebenlust und Unangepasstheit. Die führt schließlich auch dazu, dass sie es sich mit Dr. Schön verscherzt.

Lulu von Frank Wedekind im Salzburger Landestheater

Und wieder stirbt einer …

Long story short: Als ihr erster und treuester Förderer das Zeitliche segnet, geht es für Lulu steil bergab. Bis sie wieder am harten Boden der Realität aufprallt. Die Story von Lulu liest sich wie ein guter Netflix-Film: Sex, Tod, Intrigen. Wirklich cool ist aber, dass man sich die verkorkste Geschichte der un­verstandenen Frau in 3D reinziehen kann. Nämlich im Salzburger Landestheater.

Lulu kämpft dabei mit dem Konflikt zwischen Sexualität und bürgerlicher Moral. Ein Kampf, den sie – unschwer zu erkennen – nur verlieren kann. Und obwohl die Geschichte von Frank Wedekind schon über hundert Jahre alt ist, könnte sie aktueller nicht sein.

„Lulu“ von Frank Wedekind

Salzburger Landestheater
Inszenierung: Carl Philip von Maldeghem
Bühne: Thomas Pekny
Kostüme: Conny Lüders

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Dieser Artikel ist in freundlicher Kooperation mit dem Salzburger Landestheater entstanden und als Vorbereitung für unseren Besuch der Vorstellung am Sonntag, 26. März gedacht. Wer mit uns gehen mag – jederzeit! Unser Redakteur Matthias hat nämlich Theaterwissenschaft studiert und gibt sein Wissen gerne ungefiltert weiter.

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Fotos: Anna-Maria Löffelberger

Lulu im Salzburger Landestheater