Heute ist Weltfrauentag. Es ist kein Zufall, dass genau heute das Stück „wallflowering“ in der ARGE uraufgeführt wird. Was man darin sieht, haben wir die beiden Künstlerinnen Iris Heitzinger und Françoise Boillat gefragt.

Braucht es 2017 noch einen Weltfrauentag?

Iris: Was ist das für eine Frage (lacht)! Auf jeden Fall! Wir sind zwar schon auf einem guten Weg, aber es liegt noch ganz viel Arbeit vor uns. Klar, meine Generation hat schon alle Möglichkeiten: Wir dürfen studieren und arbeiten, was wir wollen. Aber die Ungleichheit setzt viel subtiler an: Frauen können alle beruflichen Positionen einnehmen, solange sie möglichst sanft, umgänglich und schön dabei sind. Außerdem empfinden wir derzeit in vielen Bereichen eher Rückschritte, was die Geschlechtergerechtigkeit betrifft. Da muss man nicht mal nach Russland oder in die USA schauen.

Françoise: Der Weltfrauentag ist ein guter Anlass, zumindest einmal im Jahr über „Frauenthemen“ zu reden. Das ist sehr wichtig. Blicken wir nämlich auf Bereiche wie Werbung oder auch Pornografie, merkt man ganz schnell, dass wir in puncto Gleichberechtigung noch ziemlich am Anfang stehen.

Euer Stück heißt Wallflowering. Wir haben dabei gleich an Blumen in alten Mauern gedacht. Welche Bedeutung hat der Name für euch?

Iris: Eine Wallflower oder ein Mauerblümchen war ganz früher eine Frau, die von den Männern nicht zum Tanz aufgefordert wurde. Die ist dann eben auf der Mauer sitzen geblieben, weil sie vom männlichen Blick nicht entdeckt wurde. Für uns geht es auch sehr stark um die Frage der Anwesenheit und der Abwesenheit von uns Frauen und wie damit gespielt werden kann.

Infos zum Stück

Mittwoch 08.03.2017 &

Freitag 10.03.2017, jeweils 20:00 Uhr

ARGE Salzburg

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Wie kann man sich denn euer Stück vorstellen?

Françoise: Wallflowering ist ein Stück für eine Tänzerin und eine Schauspielerin. Wir tanzen aber nicht und es gibt keinen Text. Wir haben unsere gemeinsame Sprache gesucht und in der Gestik gefunden. Unsere Gestiken sind zu Beginn ganz einfach und werden dann immer extremer.

Die Uraufführung des Stücks findet heute, am Weltfrauentag, statt. Hat das einen Hintergrund oder ist es purer Zufall?

Iris: Das war schon Absicht (lacht). Wir beschäftigen uns mit der Dekonstruktion weiblicher Identität. Das heißt, mit dem Bild, das für Frauen in einer Gesellschaft vorgesehen ist, wie sie zu sitzen haben oder wie sie zu sein haben. In unserem Stück erforschen wir, wie unsere Beziehung zu diesen Bildern in der Gesellschaft ist, wie wir damit umgehen und untersuchen, ob wir einen Wunsch haben, diesen Bildern zu entsprechen.

 

Wallflowering in Salzburg