Auch wenn es kaum jemand weiß: Im Jahr 1800 tobte vor den Toren Salzburgs eine Schlacht, bei der bis zu 22.000 Menschen verwundet wurden oder ihr Leben verloren. Bis heute kann man in den Äckern des Walserfeldes Relikte dieser Schlacht finden – zumindest wird das behauptet. Wir haben uns Indiana Jones mäßig auf Spurensuche gemacht!

Das unbekannte Mahnmal

Unsere Suche nach der vergessenen Schlacht am Walserfeld beginnt bei einem kleinen Mahnmal im Süd-Westen Salzburgs – irgendwo zwischen den Ortschaften Loig und Gois. Wenn ihr von dem Mahnmal noch nie etwas gehört habt, seid ihr vermutlich nicht die Einzigen: Auch wir wussten bis vor kurzem nicht, dass es überhaupt existiert. Bei der Suche danach ernten wir demnach sogar unter Anrainern fragende Blicke. Die Schlacht am Walserfeld – so scheint es – spielt im kollektiven Erinnern der Salzburger keine Rolle. Sie ist irgendwann einfach in Vergessenheit geraten. Eher durch Zufall finden wir nach einer Irrfahrt zwischen Maisfeldern und Kartoffelackern einen kunstvoll geschwungenen Gedenkstein, der auf einem kleinen, künstlich angelegten Hügel steht. Der Stein wurde 1990 errichtet und dient der Erinnerung … aber der Erinnerung woran eigentlich?

Die Schlacht am Walserfeld Mahnmal in GoisWas im Jahr 1800 passiert ist?

Wir springen etwa 200 Jahre in der Zeit zurück: Genauer gesagt ins Jahr 1800. Während halb Europa bereits zum Kriegsschauplatz geworden ist, ist Salzburg bislang von Kampfhandlungen verschont geblieben. Doch die Luft wird für den kleinen Kirchenstaat dünn: Von Norden rückt das Heer der Franzosen an. Die Soldaten des Habsburgerkaisers sollen die Franzosen am weiteren Vordringen hindern.

Am 12., 13. und 14. Dezember treffen die Heere schließlich am Walserfeld in mehreren blutigen Gefechten aufeinander. Den Franzosen gelingt es schließlich, bei Laufen/Oberndorf die Salzach zu überqueren und die Österreicher treten den Rückzug an, um nicht eingekesselt zu werden. Erzbischof Colloredo hat Salzburg bereits einige Tage davor verlassen. So wird die Stadt von den Franzosen besetzt. Das war’s mit der Unabhängigkeit des Kirchenstaates.

Was danach kommt, sind schwere Jahre für die Salzburger Bevölkerung: Auf Plünderungen der Sieger folgen Hunger, Armut und politische Wirrungen. Salzburg wird zum Faustpfand im Spiel der Großmächte: Erst von den Franzosen besetzt, dann Teil von Bayern und schließlich ab 1816 Teil von Österreich.

Von Kanonenkugeln und Hufeisen: Auf Spurensuche im Walserfeld

Wir kehren zurück in die Gegenwart. Sicher ist: Im Walserfeld müssen noch heute hunderte Relikte der Schlacht von damals liegen. Doch einfach irgendwo Löcher zu graben, wäre ungefähr so, als würde man am Untersberg nach einer Stecknadel suchen. Abgesehen davon ist es verboten. Deshalb fragen wir lieber bei den Experten nach. Einer, der alles über die Schlacht am Walserfeld weiß, ist Kurt Mitterer vom Salzburger Wehrgeschichtlichen Museum in der Schwarzenbergkaserne. Er hat ein ganzes Buch zum Thema veröffentlicht (Die vergessene Schlacht auf den Walser Feldern) und kennt die Geschichte der Schlacht wie kein Zweiter.

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Geschoße und Hufnägel: Diese Exponate wurden bei Ausgrabungen am Walserfeld gefunden.

„Es stimmt, in den Äckern liegen mit Sicherheit noch Relikte“, bestätigt Kurt Mitterer. Oft komme es vor, dass Bauern beim Umpflügen auf Überreste der Schlacht stoßen. So befinden sich etwa in der Pfarrkirche Wals und an vielen Häusern und Türen in Wals Fundstücke aus der Schlacht – zum Beispiel als Türklopfer upgecylete Kanonenkugeln. Mitterer selbst hat gemeinsam mit seinem Sohn und dem Salzburger Landesarchäologen beim Bau des Fußballstadions in Klessheim zahlreiche Hufeisen und Geschoße entdeckt. Genau an jener Stelle fand nämlich eine Kavallerieschlacht statt.

Gesetzlich ist das unbefugte Graben nach archäologischen Stücken übrigens streng verboten: Es fällt unter Zerstörung von historischem Kulturgut. Wer mehr über die Schlacht und ihre Hintergründe erfahren möchte, der sollte deshalb besser das wehrgeschichtliche Museum in der Schwarzenbergkaserne oder auch die Landesausstellung im Salzburg Museum besuchen. Dort werden nämlich auch die historischen Zusammenhänge und Folgen der vergessenen Schlacht am Walserfeld erklärt … und man riskiert keine Strafe oder Verfolgung durch Mistgabel-schwingende Gemüsebauern.

Die Sache mit den Hausnummern

Eine unmittelbare Folge der Schlacht sind übrigens die Salzburger Hausnummern: Früher trug jedes Haus in der Altstadt lediglich eine Art Hofnamen. Sehr zum Ärger der nach der Schlacht in der Stadt einquartierten französischen Offiziere. Immer wieder verliefen sie sich und fanden nicht ins richtige Haus. Deshalb wurden kurzerhand Hausnummern eingeführt.