Für die einen ist es die schönste Zeit des Jahres, für die anderen wird die Altstadt rund um den Rupertikirtag zum Sperrgebiet. Wir outen uns an dieser Stelle gleich von vornherein als große Fans des Rupertikirtags. Und weil wir ihn so lieben, haben wir eine Typologie jener Salzburger zusammengestellt, die uns auch heuer garantiert über den Weg laufen werden. Ihr wisst, was das bedeutet: Wir dürfen wieder mal richtig gemein sein!

Der Bierzeltgeneral

Diesem Exemplar wird es selbst nach dem 10. Rainermarsch nicht zu blöd. Am Biertisch schunkelnd brüllt er dir aus 50 Zentimetern Entfernung das „Hooooch Reeegiment der Raaaainer“ ins Ohr und erkärt dir dann brezenkauend, dass es sich dabei WIRKLICH!!! um die einzig echte Landeshymne Salzburgs handelt. Auch am Fahrgeschäft gibt sich der Bierzeltgeneral traditionsbewusst: Neben dem Kettenprater darf es höchstens noch die uralte Geisterbahn oder das Karussell mit den Schifferln sein. Die waren nämlich immer schon da und gehören somit zum echten Rupertikirtag, wie er früher war. Na dann …

Der Halbstarke

Der Halbstarke trägt Undercut oder Gnackmattn, enge Jeans und tritt ausschließlich in Gruppen auf. Du begegnest ihm meist im Autodrom, wo er ganz lässig eine Hand am Lenkrad kreischende Mädels rammt. Den Rest der Zeit verbringt er an den Sinnlos-Automaten, bei denen man einen Boxsack verprügeln muss. Besoffen trifft man den Prolo selten. Und wenn, dann macht das eigentlich auch keinen Unterschied mehr.

Die Dirndl-Tussi

Die Dirndl-Tussi trägt die Dutteln so, dass man ständig Angst hat, sie könnten aus dem Körbchen fallen. Sie macht im Viertel-Stunden-Takt Bierzelt-Selfies und postet sie auf „insta“. Sie trinkt nur Seiterl oder Spritzer, weil sie mit ihren langen, künstlichen Fingernägeln keine großen Humpen halten kann und straft betrunkene Sau-Proleten vom Land mit abwertendem Blick. Lieber schwirrt sie im Umfeld von Nachwuchs-Snobs oder einem machohaften Upgrade davon herum, das Sonnenbrille im Bierzelt trägt und das Lederhosen-Outfit mit flotten Sneakers kombiniert. Neben so einem sitzt sie auch im Autodrom lach-kreischend am Beifahrersitz, während ihre beste Freundin geifernd ihr pinkes Orsay-Trachtentäschchen hält und insgeheim hofft, dass sie sich die Zähne ausschlägt.

Der Nachwuchs-Snob

Wie die artverwandte Dirndl-Tussi zeigt auch der Nachwuchs-Snob Hang zur Tracht. Zur traditionellen Lederhose trägt er meist ein blau-weiß gestreiftes Hemd vom „Hillfigga“ oder ein rosarotes Polo. Er streift meist in Gruppen umher und versucht sich in strategisch günstiger Nähe zu einer Gruppe Dirndl-Tussis zu positionieren. Was die Fahrgeschäfte anbelangt, bevorzugt er adrenalinreiches: Hexenschaukel oder Schneemann müssen es zumindest einmal pro Jahr sein. Nach einigen Maß Bier – spätestens jedoch nach 10 Jahren – wird der Nachwuchs-Snob übrigens zum Bierzeltgeneral.

Der Zyniker

Eeeeeigentlich findet der Zyniker den Rupertikirtag ja eh immer schon Scheiße! Über die Gründe dafür kann er stundenlange Vorträge halten, die er mit selbst zusammengezimmerten kulturwissenschaftlichen Theorien belegt. Gründe für die tiefe Ablehnung des Pöbels und all seiner Freuden findet der Zyniker genug: Im Bierzelt sitzen ausschließlich Hofer-Wähler, die Fake-Dirndl-Kleider sind der feuchte Traum jedes Anti-Feministen und die Festungsgasse wird ab 18 Uhr zum Minenfeld aus Pisse-Seen und Erbrochenem. Trotz dieser Abneigung gegen alles Kirtägliche kommt der Zyniker Jahr für Jahr wieder zum Rupertikirtag. Er flaniert über die Plätze und saugt den Lärm von Hupen und Marktschreiern ein, isst an jenem Stand einen Bauernkrapfen, an dem er es als Kind schon tat, fährt eine Runde mit dem Kettenkarussel und kriegt nach dem dritten Bier ganz still und heimlich feuchte Augen, weil er sich insgeheim wünscht, dass alles wieder so unkompliziert wäre, wie als Kind.