Wir erinnern uns: Nach einer schönen, aber anstrengenden Tour auf unserem Schrott-Tandem in die Fuschlseeregion haben uns die Fuschler herausgefordert. Nun fahren wir im September bei der Eddy Merckx Classic mit: einem 169 Kilometer langen Rennradmarathon. Ups.

Einen Radmarathon gewinnt man nicht aus dem Stand heraus – schon gar nicht, wenn einer der besten Radfahrer aller Zeiten daran teilnimmt. Deswegen hat sich unser Redakteur letzte Woche ans Training gemacht. Wie es ihm dabei ergangen ist und was er über das Rennradfahren gelernt hat, erfahrt ihr hier. Spoiler: Es wird nicht ganz ohne Tränen über die Bühne gehen.

Phase 1: Überschwängliche Motivation beim Anziehen

Aller Anfang ist leicht. Motiviert fahren wir zum ersten Training nach Fuschl und leihen uns beim dortigen Mohrenwirt ein Rennrad aus – das kostet samt Zubehör für einen ganzen Tag € 25. Unser Ziel: Vom Fuschlsee über den Wolfgangsee bis zum Mondsee und wieder zurück. Das sind in Summe rund 40 Kilometer und etwa 200 Höhenmeter, sollte also theoretisch auch für blutige Einsteiger wie uns machbar sein. Here we go!

Am Beginn ist alles sehr motiviert

Phase 2: Die „Easy, das schaff ich locker“-Attitüde

Wir schwingen uns aufs Rennrad und machen die ersten Meter. Die Bedienung der etwas sonderbaren Gangschaltung haben wir nach ein paar Minuten drauf und das Gefühl der Unbesiegbarkeit tritt ein. Wir fühlen uns sofort wie die Top-Athleten aus den Tour de France-Übertragungen und schauen in unserem nagelneuen Outfit ja auch fast so aus.

„Schweiß ist Schwäche, die den Körper verlässt“ (Unbekannter Verfasser … vermutlich Rennradfahrer)

Wir sind Götter: Nix tut weh, kein Nacken, kein Hintern. Selbst Bergauf-Fahren geht mit dem Rennrad federleicht und die erste Abfahrt vom Fuschlsee zum Wolfgangsee fühlt sich an, als würden wir fliegen! Was haben die denn alle? Nichts ist leichter als Rennrad fahren. Eddy Merckx zieh dich warm an: Wir kommen!

In Phase 2 denkt man, dass alles ganz einfach ist

Phase 3: Es dämmert uns: Wir werden 169 Kilometer Rad fahren müssen … oida!!!

So … die ersten 15 Kilometer sind wie im Flug vergangen. Wir saugen das erste Mal an unserer Trinkflasche und versuchen beim Fahren im Flachen irgendwie professionell auszuschauen. Turns out: Ganz so leicht wie gedacht ist das Ganze doch nicht. Wir experimentieren mit den Gängen und versuchen, irgendwie einen gleichmäßigen Tritt zu finden. Derweil schneiden LKWs in gefühlten 50 cm Abstand an uns vobei und hupen dabei auch noch deppert. Schweine!

„Qualität kommt von Quälen“ (Unbekannter Verfasser, sicher Rennradfahrer)

Noch bevor wir losgefahren sind, hat uns Rennrad-Coach Ilona vom Mohrenwirt erzählt, dass es beim Rennradln mindestens genauso viel um Technik geht wie um Kraft. Weil uns aber die Technik fehlt, bleibt uns nur Kraft … und die geht nach etwa 20 Kilometern langsam aus. Es dämmert uns: Wir sollen beim Eddy Merckx Classic 169 Kilometer Fahrrad fahren und 2.000 Höhenmeter zurücklegen. Unmöglich! Während wir mit beginnender Panik weiterradeln, denken wir schon ans Aufgeben oder zumindest daran, uns stattdessen für die 63 Kilometer Einsteigerstrecke umzumelden … andererseits: Was würde Eddy Merckx von uns denken? Ganz zu schweigen von all den Mädels, denen wir in den letzten Wochen großkotzig vorgeschwärmt haben, wie verwegen wir sind!

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Phase 4: die Fast-Aufgabe

Die nächsten Kilometer geht es wunderbar flach am Mondseeufer entlang. Wir haben das mit der Technik jetzt schon ein bisschen besser im Griff und finden langsam einen Rhythmus. Doch dann erreichen wir Thalgau und plötzlich taucht ein Berg vor uns auf. Eigentlich ist es eher ein Hügel, aber in unserer Verfassung wirkt er lebensbedrohlich. Weil wir aber schlauerweise kein Geld für den Bus mitgenommen haben, müssen wir da jetzt irgendwie rauf! DAMNIT!

Wo ist der Bastard? Wo ist der Verrückte, der sich das ausgedacht hat? (Stephen Roche bei der Tour de France)

Wir quälen uns im niedrigsten Gang Meter für Meter den Berg hinauf. Für jeden normal trainierten Sportler ist es ein Hügel: Für uns ist es Reinhold Messner am Everest ohne Sauerstoffmaske. Trotzdem: Auch wenn wir am Ende sind, dank dem Rennrad geht immer noch ein bisschen was. Noch eine Kurve, dann taucht das Ortschild von Hof auf. Das gibt nochmal Energie. Als wir oben ankommen sind, fallen wir fast vom Rad und denken uns: Nein, Fuschler, so schnell geben wir uns nicht geschlagen. Und weiter geht’s!

Phase 5: Jubel & Belohnen

Am höchsten Punkt unserer Tour angekommen sind wir fast ein bisschen „high“. Das haben wir bis jetzt nur aus Erzählungen gekannt, fühlt sich aber ziemlich gut an. Wir wissen, ab hier müssen wir nur mehr bergab fahren. Mit offenem Trikot lassen wir es auf den letzten Kilometern zurück nach Fuschl richtig krachen. Ja, es ist vollbracht. Die ersten 40 Kilometer haben wir hinter uns gebracht, zuerst Himmelhoch jauchzend, dann den Tränen nahe.  Jetzt dürfen wir endlich wieder zu Fuß gehen.

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Fazit

Unser Trainingsstart hatte mit Sportpädagogik wenig zu tun: Wir haben uns einfach auf ein Rennrad gesetzt und sind losgefahren. Kann man machen, funktioniert! Wer – wie wir – beim Eddy Merckx Classic teilnehmen will, sollte sich jetzt aber schnellstens auf die Socken machen und ein bisschen trainieren. 169 Kilometer sind nämlich genauso weit, wie sie sich anhören. Im schlimmsten Fall bleibt uns zwar immer noch der Umstieg auf die 63 Kilometer lange Einsteigerstrecke … aber auch das hätten wir mit heutigem Stand nicht geschafft. Wir werden ab sofort jede Woche mindestens zweimal trainieren.

6 praktische Tipps, die wir aus unserer ersten Trainingseinheit mitgenommen haben:

  1. Besorgt euch UNBEDINGT eine Radhose mit Polsterung und zieht darunter keine Unterhose an. Das erspart euch jede Menge Schmerzen am Hintern.
  2. Lasst euch das Rad richtig einstellen. Sattel zu hoch ist spätestens nach ein paar Kilometern schmerzhaft. Zu niedrig auch.
  3. Überschätzt euch bei der ersten Tour nicht. 40 Kilometer sind mehr, als sie ausschauen.
  4. Nehmt ordentlich viel Wasser mit, auch wenn ihr normalerweise wenig trinkt. Eine Radflasche ist viel kleiner, als sie wirkt!
  5. Schaut euch die Route vorab genau an oder spielt sie euch aufs Handy.
  6. Konzentriert sein: Vor allem auf der Bundesstraße können Autos ganz schön nahe kommen. Wenn euch das zu heftig ist, sucht euch Routen mit breiten Radwegen.

Ich hab gewonnen
ich hab gewonnen
ich muss nie mehr zur Schule
(Eddy Merckx Nach seinem ersten Sieg)

*Die Fuschlseeregion hat uns als Antwort auf unsere Stadtflucht am Tandem nach Fuschl eingeladen, um gemeinsam Rennradfahren zu lernen. Dieser Artikel ist in freundlicher Zusammenarbeit entstanden.