Wie man in den Wald hineinschreit, so kommt es auch wieder heraus: Kürzlich waren wir radfahrenderweise am Fuschlsee unterwegs. Dort haben wir unser Schrott-Tandembike aus den 70ern ausgeführt, mit dem wir so einige Probleme hatten. Ganz klar, sagen die Fuschler, weil wir keine Ahnung vom echten Radfahren haben. Damit sich das ändert, haben sie uns auf ein Rennrad-Probetraining eingeladen. Challenge accepted!

Groß war die Klappe, als wir im Auto nach Fuschl zurückgekehrt sind, an genau jenen Ort, wo wir uns vor ein paar Wochen mit unserem Drecks-Tandem so geplagt haben, dass unsere Hintern um Vergebung gefleht haben. „Das muss alles nicht sein“, erklärt uns Jakob Schmidlechner, seines Zeichens leidenschaftlicher Rennradfahrer und Chef vom Fuschler Mohrenwirt, dem Rennradhotel in der Region. Bei einem Kaffee in seiner Gaststube erzählt er uns dann erst einmal, was man beim (Renn-)Radfahren alles falsch und richtig machen kann. Das Trockentraining für unsere Rennradkarriere hat begonnen!

Was man also machen kann? Zum Beispiel ein Rennrad fahren, statt unserer alten Schrottkraxn. Wir haben zum Testen unseren sportlichsten Redakteur Matthias vorgeschoben, der für uns das Kaderprogramm der Fuschler durchmachen soll. Weil Matthias allerdings ein Fußballer mit subtilem Bierbauch und kein Rennradfahrer ist, hat er natürlich auch das Outfit total verfehlt. Zum Glück hilft uns der Mohrenwirt Jakob aus der Patsche: Statt seinem Fußballdress schält sich Matthias dann in einen tighten Radanzug, der am Hintern eine Polsterung parat hat – ein sogenanntes Pad. Unterhose trägt man darunter übrigens keine. Braucht man auch nicht, denn in so einer Radlerhose sitzt alles bombenfest.

#1: Die Sache mit den rasierten Radfahrerbeinen.

Ja, viele Radfahrer haben die Beine rasiert. Auch davon kann unser Redakteur nach seinem Besuch im Waxing Studio schon ein Lied singen. Jakob Schmidlechner erklärt uns, warum das so ist: Die meisten Radfahrer haben Tabula Rasa an den Beinen, weil es in der Szene stylisch ist. Viele rasieren sich, damit bei einem Sturz das haarige Beinkleid nicht in die Wunde wächst. Und dann gibt es die wilden Hunde unter den Rennradfahrern, die ganz gegen den Mainstream alles wachsen und wuchern lassen – die Biker-Punks sozusagen.

Fuschl hat uns herausgefordert. Wir sollen bei der Eddy Merckx Classic, einem beinharten Rennradmarathon in der Region, teilnehmen. Wir scheißen uns zwar an, aber trauen uns nicht abzulehnen. Unsere Klappe war zu groß.

#2: ein Testrad zum Üben

So: Rennradkleidung haben wir schon mal, rasierte Beine haben wir auch. Unser nächster Gedanke: Scheiße, ein Rennrad ist ja voll teuer. Ilona, Mitarbeiterin und Radlerin vom Mohrenwirt klärt uns auf und gibt uns ein paar Lifehacks zum ersten Rennradkauf. Einfach mal auf willhaben.at schauen – oft gibt’s dort billige Rennräder für Einsteiger. Es muss ja nicht immer gleich das Carbonrad um 5.000 Euro sein. Auch beim Stadler kann man für halbwegs günstiges Geld Rennräder für Einsteiger kaufen, die sich für Newbies eignen. Oder man leiht sich einfach ein Rennrad aus und probiert, ob einem der Sport überhaupt Spaß macht. Das kann man eigentlich in der Fuschlseeregion nur beim Mohrenwirt machen. Die Kosten betragen € 25.- pro Tag. Diese Option haben wir für unser erstes Training gewählt. Und dann geht es auch schon los. Wir wissen jetzt alles, was wir wissen müssen und sind bereit, um uns ins Training zu stürzen!

#3: die Strecke

Bei unserer Tandem-Tour rund um den Fuschlsee haben wir es offenbar gleich am Anfang komplett übertrieben. Die Profis raten uns: beim Rennradtraining lieber mit der Mondsee-Runde anfangen. Da geht es ohne brutale Anstiege schön grad dahin und es gibt viel zum Schauen. Man baut so gleich eine positive Beziehung zu seinem neuen Rennrad auf. Und bleibt vielleicht eher dabei, als nach einer Schinder-Tour auf die Postalm, wo sich sogar geübte Radler die Zähne ausbeißen.

# 4: Unsere ersten Trainingserfahrungen

Bei unserer ersten Runde am Rennrad wird schnell klar: Auf so einem Teil macht Radfahren deutlich mehr Spaß als auf einem verrosteten alten Tandem aus den 70ern. Das Fahren auf der ebenen Strecke fühlt sich an wie Fliegen und wer einmal in die Pedale tritt, der rollt und rollt und rollt und hört nicht mehr auf zu rollen. Was das betrifft, ist Rennradfahren kaum mit „normalem“ Radfahren zu vergleichen. Und auch das Bergauf-Fahren ist am Rennrad eine andere Liga als auf einem hübschen 3-Gang-Holland-Rad. Suchtfaktor: hoch! Der Arsch tut einem nach einiger Zeit zwar trotzdem ein bisschen weh, aber kein Vergleich mit unserem Horror-Tandem und Jakob Schmidlechner versichert uns, dass das irgendwann nach einigen Ausfahrten vergeht.

Und jetzt die Challenge: Wir gegen den besten Radfahrer aller Zeiten … YOLO!

Die erste Runde am Rennrad hat richtig Spaß gemacht. Und jetzt wird’s ernst, denn die Fuschler haben noch eine kleine Überraschung für unseren Neo-Rennradler Matthias vorbereitet: Im September findet in der Fuschlseeregion die Eddy Merckx Classic statt. Das ist ein Rennradmarathon, der über 169 Kilometer geht. Benannt ist der Marathon nach dem Belgier Eddy Merckx, der Rennradgeschichte geschrieben hat und auch dieses Jahr wieder bei „seinem“ Rennen mitfahren wird. Nur für alle, denen der Name so wie uns vorher nichts gesagt hat: Eddy Merckx ist überall außer in Österreich so etwas wie der berühmteste Sportler aller Zeiten. Sein Spitzname lautet „Der Kannibale“, weil er seine Gegner auf dem Rennrad regelmäßig vernichtet hat. Und scheinbar ist er der beste Rennradfahrer aller Zeiten … naja, bis auf uns halt! Unser 32-jähriger Redakteur wird die Herausforderung annehmen und gegen den mittlerweile 71-jährigen Mann und hunderte andere Rennradler antreten.

Das wird ja wohl zum Gwinnen sein.

*Die Fuschlseeregion hat uns als Antwort auf unsere Stadtflucht am Tandem nach Fuschl eingeladen, um gemeinsam Rennradfahren zu lernen. Dieser Artikel ist in freundlicher Zusammenarbeit entstanden.