Demonstrationen sind ja bekanntlich dafür da, eine Meinung kundzutun. Und das geschieht nicht nur in Form von Plakaten, sondern auch in Form von gerufenen und gesungenen Demosprüchen. Unsere Lieblings-Demosprüche der letzten Zeit haben wir hier für euch gesammelt.

„Eure Kinder werden so wie wir!“

Die Melodie dieses Ohrwurms unter den Demogesängen ist Fußballfans vielleicht eher unter „Amol geht’s no, amol geht’s no leicht“ bekannt. Offensichtlich als eine Art Drohung verwendet und auch so wahrgenommen, ist dieser kleine, feine Gesang auch irgendwie hoffnungsstiftend: Unter den so genannten „Links-Linken“ Demoteilnehmenden befinden sich eigentlich nur in den seltensten Fällen Personen, die in allzu starkem Widerspruch zur Idealvorstellung unserer nicht vorhandenen Kinder stünden. Weniger Hoffnung macht die vereinzelt zu hörende Antwort der Gegenseite: „Eure Eltern laufen bei UNS mit!“ zur gleichen Melodie. Apropos Ohrwurm: von der Melodie her nicht sehr anspruchsvoll, aber rhythmisch äußerst ansprechend ist auch der Klassiker „Siamo tutti antifascisti!“ inklusive Klatschsequenz.

Unser Fazit: Je mehr Ohrwurm, desto besser.

„Für die Freiheit! Für das Leben! Nazis von der Straße fegen!“

Ein beliebter Demospruch, der vor kurzem in Freilassing sehr wörtlich genommen wurde: Im Vorfeld wurden Teilnehmer*innen dazu aufgerufen, sich bunt anzuziehen, Besen mitzubringen und dann gemeinsam in einem symbolischen „Kehraus“ hinter der rechten Kundgebung nachzukehren. Ein interessanter Kontrast zur eher in Schwarz-Rot-Gold (und vereinzelt Rot-Weiß-Rot) gehaltenen Demo des identitären Bündnisses „Wir sind die Grenze“, die ihre Meinung unter anderem mit Sprüchen wie „Völkermord ist bunt“ kundtan.

Unser Fazit: Freiheit und Leben finden wir gut; außerdem war braun noch nie unsere Lieblingsfarbe.

Kleine Anekdote am Rande: Eine besonders schöne Szene zum Thema Besen haben wir in Freilassing beobachten dürfen. Ein Mann um die 50 zeigte sich interessiert und wollte das Plakat einer Antifa-Gruppe lesen; um einen ordentlichen Blick erhaschen zu können, bewegte er sich einige Schritte rückwärts, bis ihn seine Tochter mit den Worten „Pass auf, Papa, du lafst do glei in wen nei“ darauf hinwies, dass er und sein Besen inzwischen einem Polizisten in voller Montur schon sehr nahe gekommen waren (#körperkontakt). Polizist: ernster, böser, potenziell furchteinflößender Blick. Mann mit Besen: „A geh, des passt scho so.“ Na wenn er das sagt. Der Polizist ließ sich jedenfalls überraschenderweise von dieser charmanten (mit einem Lächeln begleiteten) Argumentation überzeugen.

„Wir sind das Volk!“

Ein inzwischen nicht mehr nur bei Pegida (erster Buchstabe beliebig austauschbar) Aufmärschen zu hörender und zu lesender Spruch, der somit allen andersdenkenden Mitgliedern dieses ‚Volkes‘ auch gleich mal die Zugehörigkeit zu selbigem abspricht. Wie begehrenswert eine solche Zugehörigkeit prinzipiell ist, ist natürlich nochmal eine andere Geschichte. Aber klar, „Wir sind ein Teil des Volkes!“ fetzt jetzt natürlicht nicht so sehr. Einige der besagten anderen ‚Volksmitglieder‘ sind kreativ geworden – und es gibt inzwischen zum Beispiel diese schönen Antwortmöglichkeiten:

„Ihr seid das Volk, aber wir sind Völker!“ – ein hübsch verpackter Hinweis auf Vielfalt statt Einfalt
„Wir sind die Mauer! Das Volk muss weg!“ – mit dem einfachen Werkzeug der Umkehrung wird hier auf zwei Sprüche, die in der DDR kurz vor der Wende viel-gerufen waren, angespielt: Eben das jetzt von den Identitären und Co. verwendete „Wir sind das Volk!“ und dann noch „Die Mauer muss weg!“
„Bier trinkt das Volk!“ – mindestens so wahrheitsgetreu  wie das Original und löst wesentlich weniger Unbehagen aus.
„Wirr ist das Volk!“ – unser Favorit!

Unser Fazit: Als Basis und Anregung für kreative Antwortsprüche taugt „Wir sind das Volk!“ allemal.

„Wir schaffen das nicht!“

Eine im Rahmen der Proteste gegen Asylquartiere entstandene Neuschöpfung im Bereich Demosprüche. Diesmal wohl eher aus der Kategorie ‚Leider nein‘. Gesichtet und gehört wurde der Spruch vor kurzem in Salzburg Kasern. Das Land hat beschlossen, in Salzburg Kasern ein Asylquartier für rund 250 Bewohner*innen zu eröffnen; gleichzeitig will der Bund zur Entlastung von Traiskirchen ein Erstaufnahmezentrum für Asylwerber*innen im ehemaligen Gebäude der Porsche Informatik in Bergheim einrichten.

Das hat eine (überraschend) große Anzahl an besorgten Anrainer*innen dazu veranlasst, auf die Straße zu gehen und ihre Meinung kund zu tun. Einige Positionen sind durchaus nachvollziehbar (z.B. die Kritik an Massenquartieren); im Mittelpunkt stand allerdings wieder einmal die sehr abstrakte Angst, „es nicht zu schaffen“. Dieser Angst wurde dann lautstark Ausdruck verliehen und so zog eine Gruppe von über 200 Menschen „Wir schaffen das nicht!“-skandierend durch die Straßen Kaserns. Dass dies bei zufällig vorbeikommenden Passanten für einiges an Verwirrung und bei Leuten anderer Meinung für gewisse Erheiterung sorgte, ist wohl eher nicht überraschend.

Unser Fazit: Nicht unsere erste Wahl unter den Demosprüchen. Außer vielleicht für eine Emo-Demo. Aber davon gibt’s ja leider so wenige.

Wer jetzt auf den Geschmack gekommen ist und selbst mitrufen und/oder einen Ohrwurm bekommen will, kann sich z.B. bei der Plattform gegen Rechts über anstehende Demos informieren.