Jetzt gibt es sie schon seit über 15 Jahren, die Radiofabrik, und trotzdem laufen uns immer wieder Leute über den Weg, die nicht ständig 107,5 oder 93,7 MHz oder den Livestream laufen haben. Das gehört geändert, finden wir. Hier also das Plädoyer für mehr freies Radio in euren Küchen, Schlafzimmern und Klos. Weil: es g’hert anfoch viel mehr Radiofabrik g’hört!

Angefangen hat die Geschichte des mittlerweile drittgrößten freien Radios Österreichs in den Neunzigern – und zwar sehr abenteuerlich als Piratensender. Arrrr! Seit 1998 sendet die Radiofabrik zwar ganz legal, aber nicht weniger revolutionär. Im Programm findet man alles von Musiksendungen der unterschiedlichsten Genres über Kinderradio, ein Somali Prime Time Radio, gesellschaftskritische Talkshows und Literatursendungen bis hin zu einer Eurovision Song Contest Schwerpunktsendung und darüber hinaus. Dass es zu so einer bunten Mischung an Sendungskonzepten kommt liegt daran, dass es sich bei der Radiofabrik eben um ein so genanntes freies Radio handelt.

Aber was heißt denn das eigentlich – „freies Radio“?

Freie Radios aka Community Radios sind nichtkommerzieller Rundfunk und als solcher können sie ganz ohne Rücksicht auf Trends und auf das, was der Markt grad sonst so verlangen würde senden – und vor allem darf jede und jeder ganz nach Lust und Laune selbst mitmachen und eine eigene Sendung gestalten!

Refugees Welcome!
Seit kurzem gibt’s die schöne Sendung „We are more than refugees“  und die Radiofabrik-Workshops werden auch auf Englisch und – ganz frisch – auf Arabisch angeboten! Jede*r soll mitmachen können! 

Freie Medien bieten also eine Alternative zum Medien-Mainstream – und das finden wir gut. Ein besonderer Schwerpunkt liegt darauf, Sichtweisen und Menschen, die in anderen Medien nicht (so oft) zu Wort kommen, hörbar zu machen. Das gelingt der Radiofabrik und wir können nur laut zustimmen, dass sie das „coolste, kritischste und unabhängigste Medium der Zivilgesellschaft Salzburgs“ ist. Deshalb gibt es dort natürlich auch das Fräulein Flora jeden 3. Sonntag im Monat ab 20 Uhr zu hören!

DIY-Radio: Du hast was zu sagen? Dann sag’s doch auf der Radiofabrik!

Wenn ihr Lust habt, euch selbst ans Mischpult zu setzen und Salzburg (und die ganze Welt, dem Internet sei Dank!) in regelmäßigen Abständen mit euren genialen Ideen und/oder eurer Musik zu beschallen, dann trennen euch nur mehr wenige Schritte von der Umsetzung dieses Traums:

  1. Mitglied werden – die Radiofabrik ist nämlich ein Verein, auf dessen Infrastruktur und moralische Unterstützung man im Tausch gegen einen Jahresbeitrag von schlappen
    € 35 (bzw. € 25 für Studis, Zivis, usw.) zählen kann.
  2. Basisworkshop besuchen – ein 2-tägiger Crashkurs rund ums Radiomachen. Und am Ende des zweiten Tages seid ihr schon das erste Mal live on Air!
  3. Sendungsidee haben und die Sendevereinbarung unterzeichnen – und schon bist du Teil der Radiofabrik-Community!

Die einzigen Einschränkungen beim Sendungsmachen sind, dass religiöse Propaganda und kommerzielle Werbung verboten sind und dass die Inhalte nicht sexistisch, rassistisch oder gewaltverherrlichend sein dürfen – eh klar, eigentlich. Außerdem bietet die Radiofabrik auch jede Menge tolle Workshops an, die man als Mitglied unbedingt nutzen sollte! Mehr Infos, Kontakt und Termine gibt’s hier.

Fräulein Flora empfiehlt: Unsere Top Five*

Zwar sind wir der Meinung, dass die Radiofabrik ohnehin all day long bei euch laufen sollte – trotzdem wollen wir euch diese fünf Sendungen ganz besonders ans Herz legen.

Unermüdlicher Entdeckungsgeist: Geographical Imaginations

„Brief Expeditions into the Geographies of Everything and Nothing“ lautet der Untertitel der spannenden englischsprachigen Sendung des Kulturgeographen Kevin S. Fox, in der Orte, Konzepte und Traditionen und unsere Beziehung dazu unter die Lupe genommen werden.
Jeden 4. Samstag im Monat ab 19:06 Uhr.
Psssst: Auch das Fräulein war hier schon einmal zu Gast – nachzuhören hier.

Besondere Gespräche mit besonderen Menschen: Fvonk dich frei!

Bei Fvonk dich Frei! sind großartige Menschen zu Gast im Studio der Radiofabrik und sprechen darüber, wie sie im Kleinen die Welt verändern (wollen). Die Sendungsmacherinnen „empfangen Gesellschaftskritik mit offenen Armen“. Spannende Gespräche –  individueller Musikmix mitinbegriffen.
Jeden 1. Freitag im Monat ab 18 Uhr.

Kreativität und Drogen (oder so): Stoned Poets – Dichte Dichter

Peer de Beer präsentiert zwei- bis dreimal im Monat ein schön konzipiertes und bunt gemischtes Potpourri aus Poesie und Musik. Für die Poets unter euch: Diese Sendung soll vor allem auch euch eine Plattform bieten – bei Interesse E-Mail an stonedpoets@mail.de
Jeden 1., 3. Und 5. Samstag im Monat ab 20 Uhr.

Grätzl-News on Air: Salzburger Stadtteilradio

Das gefällt uns natürlich besonders gut: Das Stadtteilradio bringt aktuelle Themen aus unterschiedlichen Stadtteilen Salzburgs in den Äther und zwar „im Radl“ aus Aigen, dem Andräviertel, Itzling/Elisabeth-Vorstadt, Lehen, Leopoldskroner-Moos, Maxglan, Parsch und Schallmoos.
Jeden Montag und Freitag ab 17 Uhr.

Salzburger Musik vom Feinsten: Götterfunk

Ein alter Hase unter den Sendungen und immer noch gut: Romana Stücklschwaiger führt mit Bandporträts, Albumvorstellungen und Interviews durch die Salzburger Musiklandschaft. Besonderes Zuckerl: In fast jeder Sendung gibt es live und unplugged Studiosessions.
Jeden 1. und 3. Donnerstag ab 22 Uhr.

Freie Fahrt für freies Radio

Freie Fahrt für freies Radio. Danke an die Radiofabrik für die schönen Bilder! CC Radiofabrik flickr

* Ja, ok, wir geben es ja zu: wir haben – gefinkelt wie wir sind – noch ein paar mehr als fünf Tipps hineingeschwindelt. Wer sie findet, darf sich die Sendungen auch anhören!