Warum heißen Salzburgs Lokale so, wie sie heißen? In dieser Mini-Serie gehen wir Salzburgs Wirtshaus-Namen auf den Grund. Zum Auftakt werfen wir einen Blick auf die zahlreichen Vornamens-Lokale, die seit einiger Zeit aufpoppen. Wir haben die Johanns, Gustavs, Annas und Xavers der Stadt besucht und nachgefragt, welche Geschichten sich hinter den Namen verbergen.

Der g’standene Xaver

Unser erster Hausbesuch führt uns in die Alpenstraße, wo wir bei Xaver anklopfen. Der wohnt zwar in einem Einkaufszentrum, ist aber ansonsten ein Herr mit Stil: Das Lokal fällt ähnlich wie die Fuxn oder die Trumerei in die Kategorie „Modernes Qualitäts-Wirtshaus“. Will heißen: Im Xaver kann man sehr gut essen und trinken und das zu einem akzeptablen Preis.

Über die Herkunft des Namens klärt uns Wirtin Michaela Lindner auf. Eigentlich wollte sie das Lokal Franz nennen: nach ihrem Vater. Der Name war aber in Salzburg schon vergeben, also entschied sie sich kurzerhand für Xaver und zwar „weil ihr das gerade eingefallen ist und das auch ein schöner alter Name ist“. Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen.

Xaver: Café, Küche, Bar
Alpenstraße 107, Salzburg
+43/(0)662/265723
www.xaver-salzburg.at

Das liebreizende Fräulein Anna

Weil wir schon in der Gegend sind, überqueren wir die Alpenstraße und fallen bei Fräulein Anna ins Haus. Wie der Name vermuten lässt, geht es dort etwas verspielter zu als im Xaver: Das Fräulein Anna ist eine Mischung aus klassischem Wiener Café und Bistro. Spezialität des Hauses sind die günstigen Mittagsmenüs und das Frühstücksbuffet, bei dem man jeden Samstag um € 8.- soviel essen kann, wie man aushält. Chefkellnerin Viktoria klärt uns über den Namen auf: Die Mutter der Inhaberin hieß Anna. Wir merken schon: Familienbande sind auch in der Gastro-Branche wichtig und fließen gerne in die Namensfindung mit ein!

Fräulein Anna
Alpenstraße 114-116, Salzburg
+43/(0)662/265844
Fräulein Anna

Der tierliebe GustaV

Wir ziehen weiter und besuchen bereits den zweiten Herren an diesem Tag. Er heißt GustaV, lebt vegan und hat sich erst vor kurzem im Andräviertel angesiedelt. In dem veganen Bistro sucht man vergeblich nach Dingen, die sich schon einmal in oder an einem Tier befunden haben. Dafür gibt es im GustaV Kaffee von 220°, köstliche Frühstücksvarianten und am Nachmittag Snacks und Kuchen. Zu den Besonderheiten des Hauses zählt das Peda Cola, das überhaupt nicht wie Cola aussieht und Vurst, die komplett ohne Fleisch auskommt.

Hinter GustaV steht übrigens die 29-jährige Wirtin Denise, die sich mit dem veganen Bistro einen Traum erfüllt hat. Wir haben sie nach dem Namen gefragt und eine naheliegende Antwort erhalten: Das V steht für Vegan und der Rest für den Gusta, den man mitbringen soll, wenn man zu ihr kommt! Einen Gustav kennt sie persönlich übrigens nicht.

GustaV – Café und Bistro
Wolf-Dietrich-Straße-33, Salzburg
www.gusta-v.at

Der fleischfressende Franz

Wenn wir eines wissen, dann ist es, dass GustaV und Franz in diesem Leben keine Freunde mehr werden. Während nämlich im GustaV sogar die Wurst aus Gemüse ist, hat man im Franz vor lauter Fleisch-Hunger gleich noch eine Metzgerei ans Wirtshaus drangehängt. Haters gonna hate, alle anderen können vor den Stadtgrenzen Salzburgs völlig enthemmt ihrer Fleischeslust frönen – und das in gemütlicher Wirtshaus-Atmosphäre! Der Kellner erzählt uns, dass der Name Franz auf den seit Generationen überlieferten Vornamen der Inhaber zurückeht. Egal wann: bei den Gmachls hieß immer einer Franz. Auch hier beruft man sich also ganz dem Zeitgeist gemäß auf Alt-Überlieftertes.

Franz: Das bierige Wirtshaus in Bergheim bei Salzburg
Dorfstraße 35, 5101 Bergheim
+43 662 45 21 24-70
franz.wirt@gmachl.at
www.franz-bergheim.at

Der Weana Johann

Die Herren Nestroy, Krankl und Strauss werfen die Frage auf: Kann man als Wiener überhaupt anders heißen als Johann? Das haben sich offenbar auch die Besitzer des Café Johann am Salzburger Hauptbahnhof gedacht. Das Johann soll nämlich Wiener Kaffeehausfeeling nach Salzburg bringen. Dementsprechend stehen auf der Speisekarte Apfelstrudel, Einspänner, Tafelspitz und Würstl mit Gulaschsaft. Insgesamt fällt das Johann vermutlich nicht in die Rubrik Stammcafé, ist aber definitiv eine sehr gute Option, um die Wartezeit auf den nächsten Zug nach Wien zu verkürzen.

Johann: Wiener Café und Restaurant
Südtirolerplatz 1
+43/(0)662/872377-14
http://dasjohann.com

Kennt ihr noch mehr Lokale mit Vornamen? Dann schreibt uns doch an info@fraeuleinflora.at!

Nächstes Mal in dieser Serie: „Vom Mohrenwirt in die Hölle“: Die seltsamsten Salzburger Lokalnamen und wo sie herkommen.